Künstler knöpfen sich Köppel vor

Im Strassenmagazin «Surprise» ist ein Gastbeitrag erschienen, der zum Theatermord an Roger Köppel aufruft.

Sorgt mit umstrittenen Aussagen auch im Ausland für Furore: Roger Köppel in der ARD-Sendung «Menschen bei Maischberger» (8. September 2015).

Sorgt mit umstrittenen Aussagen auch im Ausland für Furore: Roger Köppel in der ARD-Sendung «Menschen bei Maischberger» (8. September 2015). Bild: Screenshot Youtube

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«Tötet Roger Köppel! Roger Köppel tötet!» – Worte auf blutrotem Hintergrund, gestaffelt in zwei Gruppen. Darunter eine zerbrochene Brille, wie sie der «Weltwoche»-Herausgeber und SVP-Nationalratskandidat trägt: Die Message und die Bildsprache des Gastbeitrags scheinen unmissverständlich, mit der in der neuen Ausgabe des Strassenmagazins «Surprise» zum Mord an Köppel aufgerufen wird.

Die Verantwortung für den Mordaufruf übernimmt das «Zentrum für politische Schönheit», ein deutsch-schweizerisches Künstlerkollektiv, das wiederholt mit Aktionen zur Flüchtlingspolitik auf sich aufmerksam gemacht hat. In diesem Jahr unter anderem mit «Die Toten kommen», im Rahmen derer die Politkünstler die Leichen von Bootsflüchtlingen aus dem Mittelmeerraum nach Berlin überführten und dort auf Friedhöfen beisetzten. Zuletzt mithilfe von Tausenden von Sympathisanten, die den Zaun vor dem deutschen Bundestag niederrissen und in einer symbolischen Aktion Gräber für Flüchtlinge aushoben.

Wie früher Schlingensief

Der Aufruf zum Mord an Köppel kann als eine Reaktion auf dessen Auftritt im deutschen Fernsehen verstanden werden. In der Talkshow von Sandra Maischberger zum Thema Flüchtlinge äusserte er sich in gewohnt pointierter Manier.

Die Künstleraktion ist nicht ohne Vorbilder: In den 1990er Jahren rief Christoph Schlingensief (1960–2010) wiederholt zum Mord an Helmut Kohl auf. Wobei Schlingensief immer straflos blieb, da seine Aussagen einem künstlerischen Kontext zuzuordnen seien. So das Urteil der deutschen Richter.

Auf die Aktionen von Schlingensief beruft sich nun auch das Strassenmagazin «Surprise», das die Ankündigung geschaltet hat: Für eine Sonderausgabe zu den eidgenössischen Wahlen hatte das Arbeitslosenmagazin achtzig Intellektuelle um einen Beitrag gebeten, in dem der Frage «Was braucht die Schweiz?» nachgegangen werden sollte. Unter ihnen auch der Schweizer Philipp Ruch, Kopf des «Zentrums für politische Schönheit», der den Mordaufruf als seinen Beitrag einreichte.

«Was darf man?»

Auf der «Surprise»-Redaktion löst Ruchs Beitrag eine intensive Diskussion aus. Das Strassenmagazin kam aber zum Schluss, dass Ruchs Beitrag zulässig sei, da es mit Schlingensief Vorbilder gibt und die Ankündigung in den Augen der Redaktion wichtige moralische Fragen aufwerfe: «Was darf man, was darf man nicht? Wo sind die Grenzen des guten Geschmacks? Wie geht die Schweiz mit Provokation um?» Oder handelt es sich bei Ruchs Beitrag am Ende nur um Marketing? Für «Surprise», aber auch für das «Zentrum für politische Schönheit», das unter dem Mordaufruf auf eine neue Produktion verweist, die nächste Woche am Theater Dortmund Premiere feiert? (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 11.09.2015, 14:23 Uhr)

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