Hotel-Test

Ein paar Mängel gab es im Chedi dann doch

Karl Wild testet Samih Sawiris' Luxushotel in Andermatt. Lesen Sie im letzten Teil der exklusiven Trilogie was im Chedi schiefläuft und warum das Frühstück seinesgleichen sucht.

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Das 2400 Quadratmeter grosse Spa schliesslich ist ein Traum, der selbst die alten Römer begeistert hätte. Dort legt man sich nach dem Schwimmen nicht etwa in einen ordinären Liegestuhl, sondern räkelt sich in edlen Loungesofas mit Wolldecken, umschmeichelt von mehreren lodernden Kaminfeuern. Und die Behandlungen sind qualitativ so, wie man es in einem Chedi erwartet: vom Feinsten.

Gastgeber in Andermatt ist Alain Bachmann, der zuvor in Tophotels in Chicago, Washington und Moskau sowie im Gstaader Grand Hotel Park Führungspositionen bekleidete. Und Bachmann hatte ein gutes Händchen in der Auswahl seiner wichtigsten Leute. Insbesondere die Verpflichtung von Küchenchef Mansour Memarian war ein eigentlicher Coup. Der Deutsch-Iraner ist nicht bloss für The Restaurant mit den vier offenen Showküchen verantwortlich, sondern auch für The Japanese mit seiner Sushi-/Sashimi- und Tempurabar.

In den stimmungsvollen, unkomplizierten Restaurants gibt es weder weisse Tischdecken noch Silberbesteck. Dafür kann man sich auf eine kulinarische Weltreise von Seltenheitswert begeben. Und zwar auf höchstem Niveau. Chef Memarian hat sich in zwei Restaurants bereits Michelin-Sterne erkocht. Es dürfte ihm auch in Andermatt gelingen.

Gäbe es Michelin-Sterne fürs Frühstück, The Chedi hätte deren drei. Denn was die Köche da morgens unter den wachen Augen Memarians jeweils aufstellen, ist hinsichtlich Auswahl, Qualität und Präsentation schlicht unübertrefflich. Da muss gar das berühmte Frühstücksbuffet im Kempinski St. Moritz, lange Zeit vielleicht das beste in Europa, hinten anstehen. Memarian stellt weltweit bloss ein einziges Frühstücksbuffet über das im Chedi: jenes im Shangri-La in Abu Dhabi. Dort war er Chef, bevor er nach Andermatt wechselte. «Und wir hatten dort ganz einfach noch mehr Platz.»

Bei aller architektonischen Genialität: Ob ein Hotel so etwas wie eine Seele erhält, hängt letztlich von der Qualität und dem Engagement der Mitarbeitenden ab. Das gilt selbst für ein 300 Millionen Franken teures Chedi. Und auch hier ist man in Andermatt gut unterwegs. Die Schlüsselpositionen sind, nicht bloss in der Gastronomie, stark besetzt.

Concierge Stefan Guazzini, ein fünfsprachiges Organisationstalent, ist ein alter Bekannter aus dem berühmten Eden Roc in Ascona. Die Restaurant- und Barmanager sind so zuvorkommend und kompetent wie die Gouvernante. Das junge, 140-köpfige Team (40 Prozent kommen aus der Schweiz) ist herzerfrischend aufgestellt und bemüht sich geradezu rührend um das Wohl der Gäste. Was ihnen allen gemeinsam ist: Sie sind nach Andermatt gekommen, weil sie in einem Chedi arbeiten wollten.

Der Name wirkt wie ein Magnet. Nicht bloss auf Mitarbeitende, sondern erst recht auf Geniesser, Lebenskünstler und Hotelfreaks aus aller Welt. Samih Sawiris, der schlaue Fuchs, wusste das. Als Stammgast im Chedi Muscat in Oman war für ihn von Beginn weg klar, dass das Zugpferd in Andermatt nur ein Chedi sein konnte. Ein Hilton etwa oder ein Interconti hätten kaum einen zusätzlichen Gast an den Gotthard gelockt. Die Rechnung scheint aufzugehen. Das Hotel ist im Jahr eins und mitten im Januarloch schon zu 70 Prozent ausgelastet. Und es sorgt auch in den USA, in Indien und Südamerika bereits für Schlagzeilen. Dort hielte man Andermatt ohne Chedi wohl für eine Marsstation. Nicht umsonst hatte Sawiris für Markenstrategie und Branding den Mister St. Moritz, Hanspeter Danuser, zugezogen.

Mit einem Einführungspreis von 650 Franken für das Doppelzimmer liegt The Chedi Andermatt am unteren Ende der Preisskala für die Schweizer Luxushotellerie. In der österreichischen Destination Zürs Lech etwa sind die Fünfsternhotels teils mehr als doppelt so teuer – und bieten, namentlich beim Restaurant- und Wellnessangebot, entschieden weniger. Einigen dieser hochgejubelten Hotels wurde denn von der Hotelstars Union auch die Auszeichnung Superior verweigert.

Die Hotelstars Union wurde vor fünf Jahren gegründet mit dem Ziel, die Hotels nach einheitlichen Kriterien zu klassieren. Mittlerweile gehören dem Verbund neben den Gründungsmitgliedern Schweiz, Deutschland und Österreich neun weitere europäische Länder an. The Chedi Andermatt kennt keinerlei Probleme, wenn es um Qualitätsmerkmale geht. Das Hotel ist bereits Mitglied der Swiss Deluxe Hotels und der Leading Hotels of the World. Auch die 5-Stern-Superior-Auszeichnung ist schon da. Mit den Sternen ist es derzeit auf internationaler Ebene allerdings so eine Sache. Italien etwa mag bei der europaweiten Harmonisierung der Klassifikation noch nicht mitmachen. Dort fallen die Sterne weiterhin vom Himmel. Oder man kauft sie sich einfach. Etwa bei der Schweizer Société Générale de Surveillance (SGS), die für das Town House Galleria in Mailand frisch und fröhlich sieben Sterne aus dem Hut zauberte.

Andere machen es sich noch leichter. Sie geben sich die sieben Sterne selbst. Etwa das Burj-al-Arab in Dubai. Oder das Emirates Palace in Abu Dhabi. Wer die drei Häuser kennt, weiss: Es sind herausragende Luxushotels auf 5-Stern-Superior-Niveau. Die Sterne sechs und sieben sind so dümmlich wie die abgeschriebene Doktorarbeit des Freiherrn Karl-Theodor von und zu Guttenberg.

Doch zurück ins Chedi nach Andermatt. Ein paar Mängel fielen dem Tester dann doch auf. So war der Kamin in der Suite wegen Problemen mit der Gaszufuhr ausser Betrieb. Der Wasserbehälter der Kaffeemaschine war leer und wie Rezeption oder Concierge aus dem Zimmer telefonisch zu erreichen sind, war nicht herauszufinden. Auch sind die Abläufe mitunter noch nicht ganz so perfekt eingespielt, wie das in einem Chedi die Regel ist. Doch das Hotel ist ja noch keinen Monat offen. Bei unserem nächsten Besuch werden die Kleinigkeiten behoben sein.

Denn dass wir wiederkommen, steht fest. Und dann werden in Andermatt nicht mehr die Hohlpanzergranaten fliegen, sondern die Golfbälle.

Dazwischen liegen 45 Jahre. Wo, zum Teufel, sind die eigentlich geblieben?

Lesen Sie auch die Folgen eins und zwei der Serie. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.01.2014, 22:29 Uhr

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