Das sind die Berufe der Zukunft

Wir schreiben das Jahr 2030. Roboter und künstliche Intelligenz prägen die Arbeitswelt. Was gibt es für Menschen eigentlich noch zu tun?

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Wer jetzt eine Ausbildung zur Pflegefachfrau, zum Ingenieur oder zur PR-Managerin macht, hat eine gute Wahl getroffen. Laut einer Oxford-Studie zur Zukunft des Arbeitsmarktes sind diese Berufe auch im Jahr 2030 noch gefragt. Düster sind die Prognosen dagegen für Kassierinnen und Telemarketing-Mitarbeiter. Aber auch Bibliothekare, Buchhalter oder Sekretärinnen wird es – wenn die Forscher denn recht behalten – in einigen Jahren nicht mehr brauchen.

Dass sich der Jobatlas schleichend erneuert, ist an sich nichts Neues. Die Aktualisierung dürfte in den nächsten Jahrzehnten allerdings ausgeprägter ausfallen. Die erwähnte Untersuchung «The Future of Employment» hat über 700 Berufe auf ihre Anfälligkeit gegenüber Automatisierung untersucht. Fazit: Bei 47 Prozent der Berufe im US-Markt besteht das Risiko, dass sie in Zukunft überflüssig werden. Der Grund: Computer können bald Dinge erledigen, die bislang nur Menschen zugetraut wurden. «Das zweite Maschinenzeitalter» nennen Forscher aus Boston die Epoche, die jetzt beginnt. Plötzlich müssen sich auch Juristen, Dienstleister und die Leute vom mittleren Management vor dem Entbehrlichsein fürchten. Auf dem Arbeitsmarkt geht die Angst vor Algorithmen um.

Was dabei oft vergessen geht: Mit dem Wandel entstehen auch neue Jobprofile. Deshalb erwachsen aus der vorausgesagten Phase der Robotisierung grosse ökonomische Fragen: Gehen unter dem Strich Stellen verloren – oder nimmt die Beschäftigung gar zu? Die Wissenschaft ist sich uneinig, wie der technologische Fortschritt die Beschäftigung in den nächsten 15 Jahren beeinflussen wird. Das zeigt exemplarisch eine aktuelle Untersuchung des US-Trendforschungsinstituts Pew Center: Von knapp 2000 befragten Experten ­gehen 52 Prozent von positiven oder neutralen Auswirkungen auf den Beschäftigungsgrad am Arbeitsmarkt aus – die übrigen 48 Prozent geben eine negative Prognose ab.

Doch wie werden die neuen Berufe aussehen, diese neuen Jobs, die so heute noch nicht existieren? Kanadische und britische Trendforscher haben eine Reihe von konkreten Berufsbildern ­definiert, die in den kommenden zwei Jahrzehnten entstehen und an Bedeutung gewinnen könnten. Hier ein selektiver Ausblick.

Telechirurgin
Eine Chirurgin operiert in Zürich einen Schweizer Patienten, der in Kuba auf einem Spitalbett liegt – die Telechirurgie macht es möglich. Die Mediziner nutzen dazu eine Kombination aus Roboterwerkzeugen, Scanning- und Sensor­technologien sowie Highspeed-Netzwerken. Erste Versuche gab es bereits.

Abfalldesigner
Der Abfalldesigner perfektioniert die Kunst des sogenannten Upcyclings, bei dem Abfallprodukte zu neuen, hochwertigeren Produkten umgewandelt werden. Ausserdem leistet er Innovations­arbeit in Bezug auf eine möglichst abfallfreie Herstellung von neuen Produkten.

Lebensende-Therapeutin
So wie die Menschen heute ihren Ruhestand planen, wird künftig vermehrt auch die allerletzte Lebensphase im hohen Alter gezielt vorbereitet. Spezialisierte Therapeuten beraten und unterstützen ihre Klienten dabei, im Besonderen auch in Bezug auf Massnahmen und Technologien, die den Prozess des Sterbens so weit wie möglich erleichtern.

Roboter-Berater
Vor allem vermögende Personen werden sich Roboter leisten können, die ihnen beispielsweise die Hausarbeit abnehmen. Der Roboter-Berater unterstützt seine Kunden bei der Wahl des richtigen Roboters und steht wie ein Familienberater zur Seite, falls sich im Alltag Probleme ergeben.

Personal Branderin
Dieser Beruf verbindet die Rollen des Stylisten, PR-Agenten und persönlichen Beraters. Die Personal Branderin unterstützt ihre Kunden beim Aufbau und der Pflege der individuellen, persönlichen «Marke» im Bemühen um ein klares Profil – und sorgt dafür, dass das virtuelle Alter Ego mit der Persönlichkeit der physischen Welt übereinstimmt.

Body-Part-Maker
Dank grosser Fortschritte in Robotik, Biogewebe und Kunststofftechnik wird es bald Spezialisten geben, die einzelne Körperteile herstellen, sowohl Organe als auch Glieder.

Digitale Bestatterin
Mit dem Tod eines Menschen stirbt auch dessen digitale Persönlichkeit. Digitale Bestatter kümmern sich um das Online­erbe eines Verstorbenen – in den USA ist diese Branche bereits am Entstehen, in der Schweiz gibt es noch keine Anbieter.

Vertikaler Farmer
Urban Farming ist bereits heute im Trend – in Zukunft werden immer mehr Bauern in städtischen, in die Höhe gebauten Treibhäusern mit vertikalen Farmen arbeiten.

Auto-Transport-Analytiker
2030 werden Menschen die Fahrzeuge des öffentlichen städtischen Verkehrs nicht mehr steuern, sondern überwachen und einschreiten, wenn sich im vollständig automatisierten Transportsystem Probleme ergeben. Diese Analytiker entwickeln Strategien zur Optimierung der Betriebsabläufe und kümmern sich auch um Rat suchende Passagiere.

Quellen: //careers2030.cst.org //fastfuture.com

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.10.2014, 17:34 Uhr

Joël Luc Cachelin (32) ist Geschäftsführer der Wissensfabrik und forscht zur Zukunft des Arbeitsmarktes. Foto: PD

«Programmieren ist das neue Latein»

Was fällt Ihnen auf, wenn Sie sich Jobprofile der Zukunft anschauen?
Erstens sind es Kombinationen heute bestehender Branchen: Der digitale Bestatter etwa verflicht soziale Medien mit dem Bestattungswesen. Zweitens kombinieren die Tätigkeiten Mensch und Maschine und drittens Vertrautes mit Futuristischem. Die Trendforscher achten bei der Kreation und Benennung solcher Berufsbilder sicher auch auf eine gewisse Sexyness. Schliesslich streben auch sie nach Aufmerksamkeit.


In der Zukunft wird also alles halb so spektakulär?
Die Veränderungen, die anstehen, könnten durchaus spektakulär sein. Der technologische Wandel verläuft nicht linear, sondern exponentiell. Maschinen können immer schneller immer mehr, und der Mensch hinkt hinterher – wir können uns gar nicht vorstellen, was es noch alles geben wird. Algorithmen, die Gerichtsverhandlungen vorbereiten, zum Beispiel. Bei den konkreten Arbeitstätigkeiten des Menschen hingegen wird es nicht zu spektakulären Veränderungen kommen.

Altbekannte Arbeiten
in neuem Umfeld, also?

Weitgehend. Ausser, dass zur Belegschaft eines Unternehmens künftig auch Maschinen gehören. Der Mensch muss diese überwachen, trainieren, weiterentwickeln. Letztlich ist es eine gesellschaftspolitische Frage: Was macht künftig der Mensch, was die Maschine?


Wie lassen sich diese Jobprofilprognosen auf der Makroebene einordnen?
Im Zentrum steht die fortschreitende Digitalisierung, zum Beispiel das Internet. Die Digitalisierung der Welt frisst viele Ressourcen, weshalb auch das Thema Recycling wichtiger wird. Weiter an Bedeutung gewinnt auch die Sicherheit: Persönliche Sicherheit, aber auch Cyber- oder Staatensicherheit.

Was bedeutet das für die Schweiz?
Ich sehe das Datengeheimnis als Nachfolger des Bankgeheimnisses. Die Schweiz wird ein stabiler, sicherer Ort sein, wo Daten auf Servern im Bunker gelagert werden. Das ist ja teilweise schon heute der Fall. Ausserdem sollte sich die Schweiz als rohstoffarmes Land im Bereich des Recyclings noch stärker spezialisieren. Das ist, wie gesagt, ein grosser Zukunftsmarkt; zum Beispiel wird beim sogenannten Urban Mining der Abfall zur Ressourcenmine.

Wie stellt sich eine künftige Arbeitskraft am besten auf diese neue Berufswelt ein?
Weil sich alles immer schneller verändert, auch die einzelnen Stellenprofile, wird berufliche Flexibilität zunehmend wichtiger werden als die Frage, welchen Berufe man erlernt hat. Zentral ist deshalb die Fähigkeit, sich rasch weiterzuentwickeln. Um dabei die Orientierung nicht zu verlieren, wird es noch entscheidender zu wissen, wer man ist und was man will. Mit anderen Worten: Es braucht Selbstbewusstsein und Identität. Sich zu inszenieren und zu vernetzen, sind weitere Zukunftskompetenzen. Und Kinder sollten möglichst früh lernen, wie man programmiert. Programmieren ist das neue Latein.

Das neue Latein?
Die Programmiersprache ist die Grammatik der digitalen Welt. Das Erlernen dieser Sprache hat denselben positiven Effekt, wie ihn bislang der Lateinunterricht gehabt hat: Es fördert die Konzentrations- und Kombinationsfähigkeit genauso wie das logische Denken.

Mit Joël Luc Cachelin sprach Pierre Hagmann


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