Das sollten Mami und Papi beachten
Von Mirjam Fuchs. Aktualisiert am 29.08.2011 4 Kommentare
Das Geld ist fast bei allen knapp
Drei Beispiele:
Enrico Regazzoni (19) 3. Semester Archäologie, Universität Basel: Gleich nach der Matur in Schaffhausen bin ich fürs Studium nach Basel in eine WG gezogen. Schon mein Vater hat hier studiert und mir vom Studentenleben der Stadt vorgeschwärmt. Meine Eltern verstehen also, dass ich nur noch alle zwei Wochen nach Hause komme. In der WG kann ich machen, was ich will; das gefällt mir. Aber ich vermisse mein Zuhause schon manchmal, besonders, dass ich mich dort einfach hinsetzen und essen kann. Denn als Student lebe ich relativ einfach und spare beim Einkaufen. Fachlich können mir meine Eltern nicht wirklich helfen, aber das ist okay. Mein Vater liest jeweils meine Seminararbeiten gegen und meine Mutter kümmert sich um mein sonstiges Wohlergehen. Sie unterstützten meinen Studiumswunsch schon immer.
Tabea Bach (20) 3. Semester Geschichte und Germanistik, Universität Zürich: Vieles an meinen Eltern schätze ich erst, seitdem ich nicht mehr zu Hause in Buchs wohne. Erst jetzt habe ich gemerkt, wie viel Zeit fürs Einkaufen, Abwaschen und Kochen draufgeht. Obwohl ich mich wohlfühle in Zürich, gehe ich am Wochenende gern heim. Meine Eltern kochen und waschen für mich, und ich kann am Bach in unserem Garten ein Buch lesen. So tanke ich Energie für die nächste Uniwoche. Ich erhalte monatlich 1500 Franken, davon bezahle ich Miete, Essen, mein GA und die Freizeit. Bisher blieb neben dem Studium nicht viel Zeit für einen Job, denn ich musste das Latinum nachholen. Dafür mache ich in den Semesterferien Stellvertretungen als Lehrerin. Das bringt Geld und ist eine gute Vorbereitung für mein Berufsziel Gymilehrerin.
Sander Schaffner (24), 5. Semester Physik, ETH Zürich: Seit meiner Lehre als Chemielaborant habe ich davon geträumt, Physik zu studieren. Meine Eltern haben mich immer bei diesem Vorhaben unterstützt und freuen sich über alles, was ich bisher erreicht habe. Ihr Alltag ist sehr weit entfernt von meinem Studium. Wenn ich nach Hause ins Baselbiet fahre, holt mich das aus meinem ETH-Kokon heraus. Das geniesse ich sehr. Früher gab es oft Diskussionen im Zusammenhang mit dem Haushalt, seit meinem Auszug ist das aber kein Problem mehr. Ich muss mit monatlich 1200 Franken auskommen. Die Stipendien reichen nicht weit, und meine Ersparnisse sind aufgebraucht, vielleicht werde ich ein Darlehen aufnehmen müssen. Leider ist der Zeitaufwand für mein Studium immens, und ich kann nicht nebenher jobben.
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Über 10'000 junge Erwachsene werden in wenigen Wochen an einer der Zürcher Hochschulen mit dem Studium beginnen. Das bringt Veränderungen und Herausforderungen auch für die Eltern mit sich. Hier ein paar Tipps, die man im Umgang mit frischgebackenen Erstsemestrigen beachten sollte:
- Werfen Sie Ihr Kind aus dem Nest!
Falls es nicht schon so weit ist: Ermutigen Sie Ihre Tochter oder Ihren Sohn, daheim auszuziehen, am besten in eine WG. Nur in diesem neuen sozialen Kontext kann Ihr Kind seine Selbstständigkeit beweisen. Das typische WG-Durcheinander hat schon manches Wunder bewirkt. Gut möglich, dass aus Ihrem kleinen Chaoten in wenigen Wochen ein Ämtliplan-perfektionierendes Putzteufelchen wird.
- Lassen Sie ihm seine Freiheit!
Trampeln Sie nicht durch das wachsende Revier ihres Nachwuchses. Auch wenn es Sie an Ihre eigene Jugend erinnert oder die Neugier Sie umtreibt: Vermeiden Sie Überraschungsbesuche in der WG, der Mensa oder gar in den Turnhallen des ASVZ. Nur die wenigsten wollen Seite an Seite mit ihrem Papi Rumpfbeugen machen.
- Verwöhnen Sie es bei Besuchen!
Wahrscheinlich lässt sich Ihre Tochter oder Ihr Sohn nur noch selten zu Hause blicken. Egal ob sie das nun freut oder doch eher reut: Die gemeinsam verbrachte Zeit wird wieder zu etwas ganz Besonderem. Kochen Sie also etwas Feines, und stecken Sie Ihrem Sprössling die Reste (besonders die Fleischstücke!) beim Abschied unbemerkt in die Tasche.
- Erleichtern Sie die Lernphase!
In der Lernphase können Sie alle Register der elterlichen Fürsorge ziehen. Im Studium lernen die Erstsemestrigen eine neue Form des Lernens kennen. Statt alle paar Wochen finden die Prüfungen nun nur noch halbjährlich statt. Entsprechend hoch ist der Stress in der Lernphase wenige Wochen vor den Prüfungen. Auch hier können Sie sich speziell mit dem Essen hervortun: Beliebt sind liebevoll vorgekochte Menüs zum Einfrieren für die ganze Woche.
- Halten Sie sich raus!
Verzichten Sie auf erboste Anrufe beim Professor oder bei der Professorin wegen einer schlechten Note oder zu vielen Hausaufgaben. Gymilehrer konnten Sie so vielleicht beeindrucken. Den Professorinnen werden Ihre Vorstösse aber, unter uns gesagt, völlig egal sein. Ausserdem kann sich Ihr Liebling schon selbst wehren. Ihm dabei gut zuzureden, ist aber nie verkehrt. Und: Bitte übernehmen Sie auf keinen Fall das Schreiben von Seminararbeiten oder das Formulieren von Thesen. Auch wenn es sich schlimmer anfühlt als das Ausfüllen von drei Steuererklärungen auf ein Mal: Da muss jeder Frischling durch!
- Haben Sie ein offenes Ohr!
Klagt Ihr Kind über Klugscheisser in den Seminaren? Stärken Sie ihm den Rücken: Mit Fremdwörtern um sich schlagen, eine Aktenmappe aus Leder mit sich herumtragen und selbst gedrehte Zigaretten rauchen machen noch keinen intelligenten Studenten aus. Ganz allgemein gilt: Ihr Kind ist jetzt alt genug, um die Verantwortung für sein Leben zu tragen. Trotzdem haben Sie natürlich immer noch ein Wörtchen mitzureden, ganz besonders wenn Sie die grösste Einnahmequelle Ihres Kindes sind. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 28.08.2011, 12:00 Uhr
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4 Kommentare
wieso sollen die kids alle in eine WG ziehen? Ich habe zu beginn meiner Studienzeit noch zu hause gewohnt. Ich wollte viel studieren, konnte nicht arbeiten und ... mami/papi haben mir das nicht bezahlt. Verantwortung kommt erst dann, wenn man sich die Sachen selber finanzieren muss. Antworten
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