«Man wird nicht als Genie geboren»
Von Richard Ernst. Aktualisiert am 12.10.2011 18 Kommentare
Erhielt 1991 den Nobelpreis für Chemie für seine Beiträge zur Entwicklung der hochauflösenden magnetischen Kernresonanz-Spektroskopie: Richard Ernst. (Bild: Keystone )
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«Ich schätze die Bezeichnung ‹Genie› überhaupt nicht! Sie ist gut für Boulevard-Blätter, aber nicht für eine seriöse Betrachtung. Man wird nicht als Genie geboren und kann es nicht willentlich werden. Man kann höchstens lernen, den Eindruck eines Genies zu erwecken für oberflächliche Betrachter. Aber auch ohne ein Genie zu sein, kann man Grosses leisten.
Gemäss meiner eigenen Erfahrung ist es wichtig, seine eigenen Schwächen zu kennen und an denen zu arbeiten, um sie zu überwinden. Ich selbst kam mir immer als weniger begabt vor als meine Kollegen und Kolleginnen. Dies wurde gefördert durch die Kritik meiner Eltern und Lehrer. Ich habe vor allem zwei Schwächen zu überwinden: Erstens bin ich sehr langsam, und zweitens habe ich ein sehr schlechtes Gedächtnis. Es blieb mir nichts anderes, als sehr hart zu arbeiten, viel härter als alle meine Kollegen. Und ich musste mich besser organisieren im Verwalten meines Erinnerungsvermögens.
Es sind also vor allem die eigenen Schwächen, die zu ausserordentlichen Leistungen anspornen. Immer glaubte ich beim Erreichen der nächsten Stufe, diese Schwächen abgelegt zu haben, nach der Matura, nach dem Doktorexamen, nach der ersten Professur, nach den verschiedenen Preisen. Aber meine Schwächen blieben; vielleicht glücklicherweise, sodass die Notwendigkeit der Anstrengung nicht nachliess. Ich sage oft, dass es sich nicht lohnt, eine ‹bessere› Stelle zu finden, zum Beispiel an einer noch berühmteren Universität, da einem der eigene Schatten stets folgt und einem am meisten im Weg steht. Es sind nicht die Widersacher, die einen behindern, sondern die eigenen Unzulänglichkeiten. Wenn man diese wenigstens kurzfristig überwinden kann, so eröffnen sich Möglichkeiten für Durchbrüche in den verschiedensten Bereichen.
Selbstkritik und harte Arbeit sind der Weg zum Erfolg!» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 12.10.2011, 15:54 Uhr
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18 Kommentare
"Selbstkritik und harte Arbeit sind der Weg zum Erfolg!" . Wau! IÜberraschung! Ist ewig her, seit ich das letzte Mal so etwas Sinnvolles im Tagesanzeiger gelesen habe. Der Trend im Tagesanzeiger und ähnlichen Medien ist ja eher der, dass immer andere für die eigenen Unzulänglichkeiten aufkommen müssen. Antworten
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