Warum Generation Y schneller den Job wechselt

Auch wer im Job zufrieden ist, wechselt seine Stelle. Das zeigt eine neue Studie in aller Deutlichkeit. Was steckt hinter dem Phänomen?

Heute werden viele Büros rasch wieder geräumt.

Heute werden viele Büros rasch wieder geräumt. Bild: Gaëtan Bally/Keystone

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Zufriedenheit ist das Wichtigste im Beruf. Wer zufrieden ist, arbeitet gern und bringt dem Unternehmen im Endeffekt höhere Gewinne. Viele Unternehmen haben diesen Grundsatz entdeckt und schaffen möglichst gute Arbeitsbedingungen, damit die Mitarbeiter zufrieden sind. Doch mit den heranwachsenden Generationen hat sich das Ganze in einem grundlegenden Punkt verändert: in der Loyalität zum Arbeitgeber.

«Man darf Mitarbeiterzufriedenheit nicht mit Mitarbeiterbindung verwechseln», sagt Yves Schneuwly, Country Manager Schweiz bei Universum, einem unabhängigen Beratungsunternehmen. Dieses hat die Swiss-Professional-Karrierestudie durchgeführt und dabei mehr als 2130 Berufstätige befragt. Die Studie zeigt unter anderem, wie zufrieden die Teilnehmer mit ihrem aktuellen Arbeitgeber sind und was sie motiviert, bei einem Arbeitgeber zu bleiben. Dabei zeigte sich, dass 60 Prozent der Befragten innerhalb von vier Jahren einen Jobwechsel ansteuern. 19 Prozent gaben sogar an, dass sie in den nächsten sechs Monaten zu einem anderen Arbeitgeber möchten.

Phänomen der Generation Y

Dies heisse aber nicht, dass sie nicht zufrieden seien mit ihrer Arbeit, sagt Schneuwly. «Wir stellen fest, dass heute die Loyalität gegenüber einer Aufgabe höher ist als gegenüber dem Arbeitgeber.» Während es früher selbstverständlich gewesen sei, dass man dem Unternehmen treu geblieben sei, seien heute andere Faktoren wichtig. «Heute geht es um die Arbeit selbst, um ein Projekt oder eine Aufgabe», so Schneuwly; «man macht das gern, was man sinnstiftend findet, was einem gefällt.» Deshalb sei es häufig so, dass, wenn ein Projekt zu Ende gehe, auch die Motivation sinke.

Diese grundlegende Veränderung sei damit zu erklären, dass die jungen Generationen anders aufgewachsen seien als frühere. Schneuwly spricht die Generation Y an. Es ist die soziologische Bezeichnung von jungen Menschen, die im Jahr 2000 in ihren Teenagerjahren waren. Ansehen und Image des Arbeitgebers sind ihnen nicht so wichtig – dass sie einen Job haben, der ihnen Spass macht, dagegen sehr.

«Menschen der Generation Y sind oft behütet und in einem guten Umfeld aufgewachsen», erklärt der Chef von Universum Schweiz. Damit erklärt er einen weiteren Grund, wieso die Loyalität zum Unternehmen bei dieser Generation abnimmt. In der Arbeitswelt suche sich die Generation Y oft starke Bezugspersonen wie beispielsweise den Vorgesetzten. «Verlässt diese Führungsperson dann die Firma, gibt es häufig das Phänomen, dass auch Vertreter der Generation Y abwandern.»

Top Shots sind nicht die Besten

Wechselwillig zeigten sich besonders Wirtschaftswissenschaftler, Naturwissenschaftler und Informatiker, heisst es in der Studie. Innovative Firmen wie etwa Google, Swisscom oder die SBB stehen dabei ganz oben auf der Wunschliste der Befragten. Trotzdem: «Teamaktivitäten, Aktionen oder eine verbesserte Infrastruktur für die Mitarbeiter sind alles Massnahmen, die der Zufriedenheit dienen.» Die Zufriedenheit eines Mitarbeiters trage aber nur zum Teil zur Loyalität bei. Deshalb sei es wichtig, dass Unternehmen auch darauf achteten, wie sehr sich die Arbeitnehmenden mit einer Aufgabe identifizierten. «Wenn ein Projekt zu Ende geht, muss man manchmal eben schon das nächste im Köcher haben, um den Mitarbeiter zu motivieren.»

Arbeitgebern rät Yves Schneuwly, im Hinblick auf Loyalität auch die Anforderungen an die zukünftigen Mitarbeiter zu überdenken. «Einige wollen nur die Besten der Besten, sogenannte Top Shots», sagt Schneuwly. Doch wenn diese beispielsweise von ihrer persönlichen Einstellung her gar nicht in die Firmenkultur passten, sei das eher kontraproduktiv: «Es bringt ja auch nichts, wenn der Mitarbeiter nach zwei Jahren wieder kündigt.»


Unternehmen bemühen sich um ihre Angestellten

Eine Rutschbahn in die Kantine, Arbeitsbereiche mit einer Bar oder Erholungszimmer mit Billard und Tischfussball: Firmen denken sich heute einiges aus, um ihre Mitarbeiter zu motivieren. Dass das auch gefragt ist, zeigt das Universum Swiss Professional Ranking, wofür mehr als 2130 Absolventen befragt wurden. Dabei haben Unternehmen wie die Mi­gros, Swisscom oder die SBB die Nase vorn. Letzteres Unternehmen wurde gar als Aufsteiger des Jahres gekürt.

Arbeitgeber-Attraktivität werde stark mit ehemaligen und aktuellen Staatsbetrieben assoziiert, heisst es im Universum-Ranking. «Im Gegensatz zu anderen Firmen suchen wir bei den SBB auch Mitarbeitende für spezifische Bahnberufe wie Zugverkehrsleiter, Zugpersonal oder Lokführer», sagt SBB-Sprecher Christian Ginsig. Das sei ein Grund, weshalb es bei den Bundesbahnen relativ wenig junge Wechselwillige gebe. Zudem biete man für Hochschulabsolventen spezielle Einstiegsprogramme an.

Bei der Swisscom finden alle zwei Jahre die Swisscom Games statt. Mitarbeitende können sich an Mannschaftswettkämpfen oder bei Einzelaktivitäten beteiligen. Der Anlass soll sie für ihren Einsatz für das Unternehmen belohnen und ihnen die Möglichkeit geben, sich untereinander besser zu vernetzen. «Die Mitarbeitenden können sich so mit dem Unternehmen identifizieren, sind gesund und motiviert», sagt Swisscom-Sprecher Olaf Schulze. Mit dem Anlass würden sowohl der Teamgeist als auch die Verbundenheit zum Unternehmen gefördert.

Wichtige Motivationsfaktoren seien aber auch mit der Arbeit selbst verbunden. So seien die Mitarbeiter einer sich schnell entwickelnden Produkte­palette ausgesetzt. «Mit den Smartphones hat sich das Datenvolumen im Mobilfunknetz gegenüber dem Vorjahr verdoppelt», sagt Schulze. «Daraus er­geben sich neue Geschäftsmodelle, neue Produkte, aber auch Herausforderungen an einen sehr intensiven Netzausbau.» Dies wirke sich als Motivationstreiber auf die Mitarbeitenden aus.

Auch die Detailhändlerin Migros hat erkannt, dass sich das Berufsbild bei den jüngeren Generationen grundlegend verändert hat. «Wir bieten bei uns eine gute Kultur, gute Arbeitsbedingungen sowie breite Perspektiven», sagt Urs Peter Naef von der Migros. Dank der Grösse des Unternehmens könne man den Mitarbeitenden auch intern neue Chancen eröffnen. «Wir sind ein genossenschaftlicher Detailhandel, ein Industriebetrieb und ein Handelsunternehmen», sagt Naef. Dies biete jungen Mitarbeitern eine grosse Auswahl an Jobs und Veränderungsmöglichkeiten. «Dafür müssen sie die Migros gar nicht verlassen.» (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 02.12.2013, 11:11 Uhr)

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