Warum noch an die Universität?
Von Stefan Schlegel. Aktualisiert am 05.07.2010 7 Kommentare
Wenn Maturanden ein Studium planen, das an Universitäten ebenso wie an Fachhochschulen (FH) angeboten wird (also vor allem Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften), so stehen sie vor der Frage, welcher Weg der sinnvollere sei. Und eigentlich spricht zunächst alles für die Fachhochschule:
Das Studium ist kürzer, der Einstieg in den Beruf fällt leichter, und die Abgänger von Fachhochschulen verdienen anfangs auch mehr als Uni-Absolventen. Selbst fünf Jahre nach dem Abschluss, so zeigen jährliche Untersuchungen des Bundesamtes für Statistik, verdienen Fachhochschul-Absolventen mindestens gleich viel wie Uni-Absolventen und haben bessere Chancen, bereits in einer Führungsposition zu sein. Für die Zeit danach bricht die statistische Erhebung ab.
«Nicht der Titel zählt»
Wer sich ein Bild machen möchte, ist auf Informationen vom Hörensagen angewiesen. Die meisten Arbeitgeber beteuern, es gebe keine gläserne Decke, an die Fachhochschul-Absolventen stossen würden. «Wenn man einmal im Betrieb ist, dann zählen die Leistungen und die Lernbereitschaft am Arbeitsplatz, nicht der Titel», sagt etwa Lukas Inderfurth, Pressesprecher von ABB Schweiz.
Rudolf Strahm, einer der profiliertesten Verfechter des dualen Berufsbildungssystems in der Schweiz, ist nicht so sicher, ob sich dieses Bild generalisieren lässt. Gemäss seiner Erfahrung muss man unterscheiden zwischen KMU einerseits und grossen Strukturen, also internationalen Konzernen und der öffentlichen Verwaltung andererseits. In KMU sind die interessantesten Stellen den Fachhochschul-Absolventen besser zugänglich als den Uni-Abgängern. Hingegen zeigen sich in grossen Strukturen einige Jahre nach dem Abschluss die Vorteile der universitären Ausbildung. Sie eröffnet dort häufig die interessanteren Aufstiegsperspektiven.
FH-Absolventen wollen Klarheit
Vieles spricht dafür, dass an dieser eingespielten Rollenverteilung zwischen Fachhochschulen und Universitäten auch die Bologna-Reform nichts ändern wird. Nach einer Übergangsphase, in der die Fachhochschulen mit dem Prestige universitärer Titel liebäugeln, werden sie wieder mehr Wert auf die grosse praktische Erfahrung ihrer Abgänger legen und dies auch in den Titeln, die sie verleihen, zum Ausdruck bringen. Die FH Schweiz, der Verband der Fachhochschul-Absolventen, fordert dies bereits jetzt explizit.
Der Weg von der gymnasialen Matur an die Fachhochschule wird (wegen der mangelnden Praxiserfahrung der Maturanden) ebenso die Ausnahme bleiben, wie der Weg vom Fachhochschul-Bachelor zum Uni-Master. Dieser Wechsel im Bildungsweg wurde durch Bologna zwar möglich, ist aber mit einem grossen Nachholaufwand verbunden.
Und für Maturanden, die schulisch grosses Potenzial hätten, sei das theorielastige Studium an der Universität nach wie vor empfehlenswerter, sagt Thomas Dyllick, Prorektor der Uni St. Gallen: «Theorien, die man an der Uni lernt, sind generalisierte Problemlösungen. Wer auf schlecht durchschaubare Situationen trifft, ist besser vorbereitet, je grösser sein Repertoire an Theorien ist. Deshalb bereitet die Uni besser darauf vor, neuartige Situationen bewältigen zu können.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 05.07.2010, 09:59 Uhr
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7 Kommentare
Wer studiert um früh viel Geld zu verdienen geht an eine FH. Insges. ist der FH-Weg leichter: man verdient bereits vorher, Ablauf und Dauer sind klar geregelt, wer brav Aufgaben und Prüfungen macht kann nicht rausfliegen, hat nachher einen sicheren Job. Der Uni-Weg dagegen ist unsicherer und erfordert mehr Aufwand (Praktika, Ausland) und Selbstmotivation, dafür ist man nachher beruflich flexibler. Antworten
Vergleicht man zum Beispiel die Ausbildung in Oekonomie zwischen FH und Uni oder auch deren Absolventen stellt man fest: Absolventen von Universitäten haben i.A. die breitere Allgemeinbildung, sind sprachlich besser gerüstet und gehen Problemlösungsprozesse strukturierter an. Die Einstiegsgehälter sind dann auch vergleichbar. Antworten
Die Kompetenzen hängen von den Berufsfeldern ab. Einen FH-Architekten würde ich einem ETH-Architekten, der noch nie einen Backstein in den Händen gehabt hat, vorziehen. Der Hinweis, die Dozenten der Fachhochschulen seien oft unterqualifiziert, trifft vielerorts leider zu. Antworten
Zwecks Vorbereitung auf meine universitären Abschlussprüfungen habe ich mich für eine Zeit lang des öfteren in einer ZHAW-Bibliothek aufgehalten und bin u.a. zu folgendem Schluss gekommen: 1. Die Bibliothek wird von den FHlern vorwiegend für facebook etc. verwendet 2. Es wird weihmühlenartig "Praxiserfahrung" gepredigt, weil man schlicht keine echten Argumente pro FH gefunden hat... Antworten
Habe bereits ein FH-Studium abgeschlossen und bin jetzt an einem Uni-Studium. M.E. kann man diese zwei Studien nach wie vor überhaupt nicht miteinander vergleichen. Eine gute, fundierte Ausbildung bekommt man nach wie vor nur an den Unis. Insbesondere die Qualität der Dozenten an den FHs lässt in vielen Fällen noch zu wünschen übrig... nur Praxisnähe alleine reicht nicht, es braucht auch Qualität. Antworten




Die Welt in Bildern
Roman Melz
Erfahrungen als Linienvorgesetzter über die letzten Jahre: a) FH berufsbegleitend vs FH Vollzeit/Uni: Pro FH berufsbegleitend. Beste Vernetzung v Toolsets und berufl. Aufgabenstellung. I.d.R sprachlich versierter weil Berufserfahrung. Belastbarer, weil erfahrener. Selbstständiger, weil berufserfahrener. Nach ca. 4-5 Jahren = Nivelierung. Vgl.Autoprüfung:Was war Theorie und wie fährst Du? Antworten