Günstige Genossenschaftswohnung gewinnt Vergleich
Interaktiv-Box
- Neubau Klee, Zürich-Affoltern
- Überbauung Rheingarten, Eglisau
- Überbauung Nordstern, Zürich-Seebach
- Wohnüberbauung Am Rebhang, Opfikon
- Wohnüberbauung Dreisicht, Glattpark Opfikon
- Wohnüberbauung Dienerareal, Schwamendingen
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Das Expertenteam
Susanne Gysi, Sozialwissenschafterin, Spezialistin für Wohnfragen mit Fokus auf Nutzungsqualitäten und ehemalige Dozentin am Wohnforum der ETH Zürich.www.wohnforum.arch.ethz.ch
Beat Rothen, Dipl. Architekt ETH SIA BSA, Inhaber eines auf Wohnungsbau spezialisierten Architekturbüros in Winterthur und Dozent an der Architekturabteilung der Zürcher Hochschule in Winterthur. www.beatrothen.ch
Grundlage für die Bewertung der Grundrisse ist das Wohnungs-Bewertungs-System WBS des Bundesamtes für Wohnungswesen (www.wbs.admin.ch).
Alle Wohnungen waren zum Zeitpunkt der Auswahl am 8. Juni gemäss Publikation im Internet noch frei.
Was macht letztlich die Qualität und die Nutzbarkeit einer Wohnung aus? Es sind nicht so sehr die möglichst üppige Fläche und das repräsentative Wohnzimmer, das Besuchern angesichts seiner Ausmasse die Sprache verschlägt. Auch das verfügbare Geld steht nicht immer in einem direkten Zusammenhang zur gebotenen Qualität. Ausschlaggebend ist vor allem die gedankliche Arbeit der Planer, die auf einer verfügbaren Grundfläche ein Layout an Räumen entwerfen, das für verschiedene Bedürfnisse geeignet ist, eine spannende Raumabfolge schafft, ein Erlebnis von Luft und Licht bietet und haushälterisch mit den verfügbaren Mitteln umgeht.
Wie man das gekonnt umsetzt, zeigt das Siegerprojekt im dritten Grundrissvergleich des «Tages-Anzeigers»: Es handelt sich um eine neue Mietwohnung der Zürcher Genossenschaft GBMZ, entworfen vom Architekturbüro Knapkiewicz & Fickert. Beat Rothen, Architekt im Expertenteam, lobt dieses Projekt vor allem aufgrund echter Innovation: «Hier haben die Planer wirklich gründlich über die innere Form eines Grundrisses nachgedacht.»
Unverwechselbar, kreativ
Während in vielen anderen Überbauungen immer wieder die gleichen Typologien – etwa einfach die Aneinanderreihung von Individualräumen einen Gang entlang – wiederholt werden, biete dieser Entwurf etwas Neues und Unverwechselbares. Der Grundriss überzeugt natürlich auch unter ökonomischem Aspekt, zumal durch die Erschliessung aller Zimmer über den Wohnbereich keine unnötige Verkehrsfläche vergeudet wird. Ökonomischer Druck scheint hier nicht hinderlich, sondern im Gegenteil der Innovation förderlich zu sein. Mit Sicherheit fällt auch ins Gewicht, dass das Projekt in einer Konkurrenzsituation aus einem Wettbewerb hervorgegangen ist. Die Wohnung im Neubau Klee der Genossenschaft GBMZ wird für rund 2200 Franken ausgeschrieben (ohne Nebenkosten). Zum Vergleich: Die beiden anderen Mietwohnungen kosten mehr, nämlich um die 2700 Franken; und die drei analysierten Eigentumswohnungen kosten zwischen 785 000 und 960 000 Franken.
Aussicht geniessen oder verschenken
Auffallend ist weiter, dass bei allen sechs Wohnungen privat nutzbare Aussenräume ein zentrales Thema darstellen. Trotzdem finden sich immer wieder allzu schmale Balkone – als ob ihr Zweck darin bestünde, Geranien aufzustellen. Gerade bei an sich schöner Lage mit Aussicht ein unentschuldbarer Fehler. Auch hier hebt sich das Siegerprojekt von Knapkiewicz & Fickert mit der zweigeschossigen und gut proportionierten Loggia sehr positiv ab.
Sowohl beim Siegerprojekt als auch bei den meisten anderen Wohnungen des Vergleichs wird das hindernisfreie Bauen allerdings immer noch stiefmütterlich behandelt. Expertin Susanne Gysi sagt: «Durch Schiebetüren oder Türen der Nasszellen, die sich nach aussen öffnen lassen, wäre schon viel gewonnen.» Solche an sich simplen Massnahmen würden Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder im Rollstuhl das Leben wesentlich erleichtern. Warum dem zu wenig nachgelebt wird, bleibt schleierhaft. Denn bei guter Planung zieht die Umsetzung in die Tat keine Mehrkosten nach sich. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 01.07.2009, 16:03 Uhr




