Und es war Frühling
Von Thomas Widmer. Aktualisiert am 03.03.2010
Stichworte
Interaktiv
Route: Bahnhof Belp – Breiten – Hohburg – Chutzen – Gerzensee (und mit dem Bus retour nach Wichtrach-Station).
Dauer: drei Stunden.
Höhendifferenz: 350 Meter auf- und 250 abwärts.
Charakter: Gut geeignet als Frühfrühlingswanderung. Wenn wieder Schnee fällt, wird der steile Aufstieg im Wald allerdings schnell heikel.
Höhepunkte: Die Berner Alpen am Horizont. Der höchste Punkt Chutzen. Das Ancien-Régime-Bijou Gerzensee.
Einkehr: Restaurant Chutzen (Ruhetage Mi, Do).
Der 25. Februar war ein Tag im Niemandsland der Jahreszeiten. Die Ungewissheit übertrug sich auf mich: Sollte ich für die Wanderung auf den Belpberg die hohen Schuhe anziehen, Schuhkrallen montieren und die Stöcke mit den Schneetellern einpacken? Oder aber ohne Stöcke und in leichten Trekkingschuhen losziehen?
Ich beschloss, Optimist zu sein, ich setzte auf Frühling und um es vorwegzunehmen: Es ging alles gut. Auch jene Partie, vor der ich speziell Respekt hatte, der Aufstieg via Breiten und Hohburg mit seinen Treppenstufen, war problemlos. Zwar haftete im Wald noch Eis in den Wegrillen, doch links und rechts konnte ich den schwierigen Stellen leicht ausweichen.
Auf dem Weg zur Kartoffel
Im Zug hatte ich mir zuvor noch einmal die Geografie meiner Route vor Augen gehalten. Zwischen Thun und Bern verlaufen zwei Flüsse parallel, die breite Aare und die schmale Gürbe. Zwischen den beiden erhebt sich bei Münsingen besagter Belpberg. Auf der Wanderkarte, also aus der Vogelschau, sieht er aus wie eine Kartoffel, die ein Raumschiff im flachen Land abgesetzt hat. Sechs Kilometer lang ist er, gut drei Kilometer breit und rund 300 Meter höher als seine Umgebung.
Vom Bahnhof Belp zog ich los und merkte bald, dass es zwei Wege gibt. Ich nahm, wie schon gesagt, denjenigen via Breiten und Hohburg. Breiten: Das war, nachdem ich den Ortsrand erreicht und eine Art Vorsteigung absolviert hatte, ein Gehöft dort, wo der Wald beginnt und es steil wird. Ein Hund verbellte mich, das war unangenehm. Aber vielleicht hatte das Tier ja Gutes im Sinn. Wollte es mich vielleicht gar warnen?
Das wiederum hätte es nicht gebraucht. Wie erwähnt, der Aufstieg war ohne Gefahr. Und bald war ich oben. Ein schöner Rücken ist das, mit immer neuen Häusern, wie sie nur die Berner bauen: beschaulich und trutzig der Bauer als gutmütiger König. Auf einem Strässchen wandelte ich über die Hochebene, passierte einmal ein Schulhaus und realisierte langsam erst die Grösse des Panoramas: Gegen Norden, Osten, Westen war alles gerundet und grün, mit dem Emmentaler Hügelmeer und der Bantiger-Antenne als Fixpunkt. Gegen Süden aber riegelte eine weisse Wand den Horizont ab: Dort herrschte, von Hohgant über Eiger-Mönch-Jungfrau bis Gantrischkette, humorlos der Winter.
An der Berner Riviera
Der Belpberg hat selber noch einmal einen kleinen Berg, den Chutzen, wie der höchste Punkt gut 100 Meter über dem Rest der Fläche heisst. Auf der Aussichtsplattform verweilte ich, studierte all die Berge, schaute hinab auf Münsingen. Das nahe Restaurant Chutzen hatte zu, schade, ich hätte gern den Augenschmaus mit einem feinen Essen kombiniert.
Der Abstieg war einfach. Gut eine Stunde, und ich erreichte Gerzensee. Das namensgebende Gewässer erblickte ich nur kurz, es duckt sich abseits des Ortes in eine Mulde. Mehr Eindruck machte mir das Dorf selber: Wo ich auch hinblickte, schon wieder ein Schloss! Und diese Sandsteinlandhäuser! Und diese Kurpark-artige Gepflegtheit! Später las ich, dass Gerzensee als «Berner Riviera» gilt: Es ist windgeschützt und daher mit einem milden Klima gesegnet, sodass man den Alpenblick umso mehr geniessen kann. Kein Wunder, dass hier, unweit von Bern, im Ancien Régime die Patrizier gern eine Datscha, pardon: eine Zweitresidenz unterhielten.
So weit meine Wanderung, die trotz Restschnees auf dem Berg eine Frühlingswanderung war wunderbar mild. Übermorgen Samstag soll es retour in die Kälte gehen. Ich und mein Wandergrüpplein treffen die Bieler Journalistin und Juraspezialistin Lotti «Miss Chasseral» Teuscher, die Kolumnenleser bereits kennen. Mit ihr wollen wir von Buttes im Val de Travers nein, diesmal nicht auf den Chasseral, sondern auf den Chasseron. Dort oben ist noch Winter. Und so lautet Lottis Parole: Schneeschuhe mitbringen!
Thomas Widmers Wanderbücher gibt es im Echtzeit-Verlag, www.echtzeit.ch, oder auf www.thomaswidmer.ch (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 03.03.2010, 16:12 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
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