Berner Hades, Schwyzer Kultort, Innerrhoder Balkon
1. Von Kandersteg auf dem neuen Sessellift ins Skigebiet Oeschinensee. Und nun aus der Sonne hinab ins Schattenreich, zum See inmitten abrupter Bergwände. Der Felskessel bindet die Kälte, es ist weit unter null, die Wasserfläche gefroren; die Eisfischer sehen aus wie von Breughel gemalt. Super, dass das Restaurant am See offen ist. Und es wird in diesem Berner Hades hervorragend gekocht.
2. Von Oberiberg, Post, in einer knappen Stunde hinauf zur Lourdesgrotte. Die Route verläuft vorerst auf einem Strässchen. Aber dann typisch Kanton Schwyz, der reich ist an Tobeln: Wir geraten in eine Waldeinsamkeit, gehen über einer apokalyptischen Fluh, sind umso gerührter über den Kultort. Und wieder verdoppelt - am Ende, bei der Kirche Oberiberg - eine urchige Beiz die Gehlust: der Hirschen.
3. Ein Kollege hat am Weihnachtstag in dieser Zeitung «die beste Wirtin der Schweiz» porträtiert. Marlies Schochs Haus auf der Hundwiler Höhe AR, 365 Tage im Jahr offen: eine Höhle der Gemütlichkeit. Aufstieg ab Gonten oder Hundwil, die Pfade sind fast immer ausgetreten, man rechne hin und retour mindestens drei Stunden. Für Liebhaber der Stille, man kommt wirklich nur zu Fuss hinauf.
4. Mit Schneeschuhen ab Les Prés-d’Orvin auf den Chasseral und hinab nach Nods: Diese Route wurde hier letzten Winter vorgestellt - und verdient eine Wiedererwähnung. Der Clou an der 6½-Stunden-Tour: Das Chasseral-Hotel hat winters an Wochenenden immer offen, bei gutem Wetter oft auch unter der Woche (anrufen!).
5. Von Oberägeri per Bus auf den Minipass Raten. Hier bewundern wir Berge von Säntis über Pilatus und Rigi bis Eiger. Anschliessend Lustwandelei hinüber zum Gottschalkenberg, wo wie auf dem Raten auch im Winter gewirtet wird. Wahrlich, eine freudenspendende Zuger Hochebene!
6. Von Klosters (Platz) durch den Walserweiler Garfiun auf tadellos signalisierten und bereiteten Wegen in 100 Minuten zur Alp Garfiun mit ihrem sonnenverwöhnten Restaurant. Dort eine Hauswurst essen: Himmel für Erdenbewohner. Faule nehmen hin oder zurück den Pferdeschlitten.
7. Von Hausen am Albis in einer Stunde aufs Albishorn. Die Wirtschaft (Ruhetag Donnerstag) hat von aussen betrachtet wenig Charme. Sie hat dafür ein Cheminée. Und die Wirtsleute sind nett. Und dieser Blick! Von der Terrasse sehen wir auf den Dschungel des Sihlwalds und auf den nussgipfelartig gekrümmten Zürichsee. Wenn kein oder wenig Schnee liegt, setzen wir fort zum Albispass (Bushaltestelle Passhöhe, Oberalbis).
8. Einer der privilegiertesten Plätze des Landes: St. Anton, ein Weiler von Oberegg, der Innerrhoder Exklave im Ausserrhoder Vorderland. Die Alpen des Rätikon und Vorarlberg betören, herrlich die Schadenfreude auf dem Balkon, wenn unten im Rheintal der Nebel wabert. Das St. Anton bietet Appenzeller Spezialitäten wie Bereflade (lauwarmer Kuchen mit Dörrbirnen-Püree). Hinauf kommt man leicht in 45 Minuten vom Kaien, einer Bushaltestelle nahe Heiden.
9. Adelboden, ein Winterwanderwunder dank Riesenwegnetz. Besonders opulent: die 4-Stunden-Route Dorfplatz-Flueweid-Schermtanne (schöne Wirtschaft)-Aebi-Gilbach-Dorf vor einem Berghorizont wie im Lande Mordor. Gut die Dramaturgie: stille und unstille (Skitourismus) Partien wechseln sich ab.
10. In zwei Stunden um den Klingnauer See, der die Aare staut kurz vor ihrer Selbstaufgabe an den Rhein. Der Weg ist kinderwagentauglich, die vielen Vögel schnattern den Silvesterkater weg. Später mit dem Zug ins nahe Zurzach und in der Krypta des Verenamünsters den Sarkophag der heiligen Verena besuchen, die 344 verstarb: Kinder werden das lieben. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 31.12.2009, 08:26 Uhr










