Ein Horrorbähnli, Bergmonster und Reste von Schnee

Ein faszinierender Panoramablick auf das wohlgeordnete Glarus und vieles mehr gewährt die Wanderung auf den Mullerenberg.

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Als ich und meine Freunde damals an einem Prachtstag den Weg von Ennenda zum Mullerenberg unter die Füsse nahmen, begann diese Unternehmung mit einem Gefühl des Gruselns. Per Bus waren wir vom Bahnhof Glarus bis «Ennenda Seilbahn» gefahren und waren nun froh, nicht in dieser Seilbahn Platz nehmen zu müssen; sie war bloss eine offene Kiste. Heitere Gemüter nennen das «Cabrio-Bähnli». Ich nenne es «Horrorbox».

Unterdessen ist das Cabrioding stillgelegt – und die Totalerneuerung bald einmal abgeschlossen. Die Aeugstenbahn wird sich diesen Sommer in moderner Gestalt präsentieren: schmucke Achterkabinen, neue Station, neue Stützen, neue Seile. Die rund 2.5 Millionen Franken sind gut investiert: oben bei Aeugsten findet man sich in einem tollen Wandergebiet, einer sogenannten Kartreppenlandschaft. Ich empfehle die Route via Rotärd zum Murgsee – muss man kennen.

Schiere Freude

Wir selber hatten einen anderen Plan. Gut 200 Meter hielten wir geradeaus auf den Hang vor uns zu, zweigten dann links ab, ade, Seilbahn! Die folgende erste Etappe der Wanderung: schiere Freude. Alles blühte, Rieseneidechsen huschten über die Trockenmäuerchen, wir labten uns am Panorama zur Linken: genau gegenüber der Klotz des Glärnisch. Weiter vorn Wiggis und Rautispitz. Dazwischen der bewaldete Riegel der Schwammhöhe, die den Klöntalersee verbirgt. Und ganz nah das wohlgeordnete Glarus. 1861 durch einen Brand zerstört, wurde der Kantonshauptort in schachbrettartiger Form wieder aufgebaut. Eine elegante Geometrie und archaische Bergmonster: Der Kontrast macht Glarus einzigartig.

Bei Ortschlag rasteten wir im Bergbeizli «Alpenblick» – leider muss ich sagen, dass es mittlerweile, da ich die Kolumne schreibe, geschlossen ist. Schlimm ist das nicht; die Wirtschaft auf dem Mullerenberg, dem höchsten Punkt der Wanderung, ist offen.

Baumwurzeln, Geröll und Felsblöcke

Wir zogen weiter, wählten dabei die leichtere Variante, das Strässchen über die Wiesenterrasse des Ennetbergs. Zwei Spitzkehren, dann wurde im Wald alles anders, dies war nun eindeutig ein Bergpfad, rundum Baumwurzeln, Geröll, Felsblöcke. Wir gelangten in eine riesige Geländemulde, gesäumt rechterhand von den Wänden jener Bergkette, die sich vom Nüenchamm zum Fronalpstock zieht. Und bald sahen wir auf der anderen Seite der Mulde die Bergwirtschaft Alpenrösli. Als sie erreicht war, liessen wir uns auf der grossen Terrasse nieder und assen, neidisch beäugt von Wanderhund Emil, der sich immerhin auf einem Rucksack bequem ausstrecken durfte.

Alles wunderbar, geblieben ist mir von dem Frühsommertag insbesondere der Schnee, der in der Mulde noch klebte. Das letzte Wegstück war dann ein schöner Abschluss. Zuerst auf dem Zubringersträsschen, hernach auf steilem Zickzack-Fussweg hielten wir durch den Strigg zu Tale. Unten in Mollis visitierten wir kurz den alten Dorfteil mit den Häusern aus dem Ancien Régime. Ich mache das immer wieder gern, Mollis ist ein Freiluftmuseum einstiger Glarner Oberschichtherrlichkeit, wir wurden in die Zeit der Anna Göldi zurückkatapultiert, die im Dorf einige Zeit lang als Magd gedient hatte.

Zur Nachahmung empfohlen

Endlich noch über die Linth, beim Ladenkiosk des Bahnhofs Näfels-Mollis eine Wasserglace gekauft und hingesessen; fertig war ein Wandertag, wie ich ihn gern zur Nachahmung empfehle.

5 Stunden. 700 Meter auf-, 750 abwärts. «Alpenrösli»: www.mullern.ch, Mo/Di geschlossen.

TA-Reporter Thomas Widmer stellt jeden Donnerstag eine Route vor. Neues Wanderbuch «Zu Fuss. Die verschwundene Seilbahn» auf www.echtzeit.ch.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.06.2010, 11:35 Uhr

Zu Fuss

Auf eine Geländeterrasse im Glarnerland

Route: Ennenda Seilbahn – Ortschlag – Mullerenberg („Alpenrösli“) – Strigg – Mollis – Bahnhof Näfels/Mollis.

Dauer: fünf Stunden.

Höhendifferenz: 700 Meter auf-, 750 abwärts.

Charakter: Mittelschwere Wanderung, recht steiler Abstieg.

Höhepunkte: Das wohlgeordnete Glarus von oben. Die Giganten Glärnisch, Wiggis, Rautispitz. Die blühenden Matten.

Einkehr: „Alpenrösli“. Wirtschaften in Mollis.

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