Höchstes Gefühl auf der Hohen Buche

Von Thomas Widmer. Aktualisiert am 15.04.2009 4 Kommentare

Drei markante Hügel in Appenzell Ausserrhoden sollte der ambitionierte Wanderer bestiegen haben: Gäbris, Sommersberg und die Hohe Buche.

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Wanderung 3: Kurz nach Wanderbeginn in Bühler.
Thomas Widmer

   

Für einmal schreibe ich meine Kolumne weder zuhause noch auf der Redaktion. In Bühler sitze ich, im abgelegenen Bauernhaus meiner Schwester, die mit Mann und Kindern für eine Woche in die Ferien verreist ist.

Ich springe jedes Jahr ein, zwei Mal bei der Schwester ein und bin dann jeweils für eine Woche der Hüter der Tiere. Es sind zwei Pferde, je vier Meerschweinchen und Kaninchen, dazu zwei Katzen und die Hündin Bella. Sie ist ein Appenzeller Bläss robuster Bauart: Hat sie Durst und die Wahl zwischen klarem Brunnenwasser und einer Dreckpfütze, schlabbert sie mit Genuss die Dreckpfütze aus.

Mit Bella begebe ich mich derzeit jeden Tag ins Gelände. Aber vielleicht ist an dieser Stelle vorerst ein wenig Geografie nötig. Gallia est omnis divisa in partes tres, lernten wir im Lateinunterricht, als wir Caesar lasen: «Gallien als Ganzes ist in drei Teile geteilt.» Das Gleiche gilt für Appenzell-Ausserrhoden. Seine drei Teile sind: das säntis- bzw. toggenburg-nahe Hinterland. Das bodensee-nahe Vorderland. Und das Mittelland dazwischen, zu dem auch Bühler zählt.

Drei markante Hügel in diesem Mittelland, alle mit stattlichen Wirtschaften versehen und alle recht nah beieinander, sollte der Wanderer von Ambition bestiegen haben; ich und Bella tun es dieser Tage zum x-ten Mal. Diese Hügel sind:

1. Der Gäbris, 1251 Meter hoch. Er ist als Schulreiseziel bekannt. Immer wieder trifft man in der Wirtschaft an Werktagen aber auch Gruppen von Leuten, die nicht hierherpassen. Sie müssten an der Arbeit sein, sind zwar meist nicht ganz jung, aber auch nicht alt genug fürs Pensioniertsein. Und warum finden sich in mancher Gruppe so verschiedene Personen? Des Rätsels Lösung: Es sind Reha-Patienten von der Klinik Gais, die Herzkrankheiten behandelt. Von dort, von Gais, steigt man in der Regel auf den Gäbris. Wandert man nach der Einkehr weiter nach Trogen, so beträgt die reine Gehzeit gut drei Stunden. Ach ja, das Wichtigste noch: Der Gäbris ist, wie die anderen beiden Erhebungen, eine grosse Sache. Die Aussicht Richtung Alpstein, ins Österreichische und über Ausserrhoden hinweg Richtung Zürcher Oberland muss man genossen haben. Die Wirtschaft sowieso.

2. Der benachbarte Sommersberg, 1172 Meter, bietet im Aufstieg und Abstieg dasselbe Gemisch aus Feld und Wald und Hemetli. Freilich hat es hier viel weniger Wanderer. Gewirtet wird einfach, doch auch auf dem Sommersberg verpflegt man sich schön, die Bank-Wirtschaft im Freien ist ein toller Platz. Mehr Spass als der Zugang von Gais macht eine wildere Version: Start in Altstätten im St. Galler Rheintal, Aufstieg via Alp Chlosmeren, Abstieg hernach nach Gais, Gehzeit fünf Stunden. Und gleich noch ein Tipp für ein schönes Wochenende: Im «Hirschen» zu Gais isst man hervorragend, Zimmer hat es auch.

3. Die Hohe Buche, 1145 Meter, ist der dritte Hügel im Bund. Knapp anderthalb Stunden dauert die Erwanderung vom Bahnhof Bühler. Empfehlung am Rand: Das Café schräg gegenüber dem Bahnhof hat die allerbeste Backware, natürlich auch süsse Appenzeller Spezialitäten. Der Weg führt aus dem Ort steil auf eine Krete. Auf ihr lustwandelt man bei mässiger Steigung durch die Fluren, schaut übers Land und erblickt bald «d'Bueche», wie die Einheimischen sagen. Das Gasthaus ist vor Jahren abgebrannt, macht nichts, Wirtin Lisbeth Dähler belebt den Ersatzpavillon mit Liebenswürdigkeit. Hier oben Siedwurst essen: das höchste der Gefühle. Hernach geht es in einer Stunde via Sand (traditionelle Bauernwirtschaft) hinab nach Trogen. Dessen Dorfplatz will vor der Heimreise besucht sein; die Bürgerpaläste zeugen vom Wohlstand, den einst die Textildynastie der Zellweger ins Dorf brachte.

Soweit meine kleine Ausserrhoder Landeskunde in drei Hügeln. Irgendwann werde ich mehr Stoff liefern, es gibt in dieser fürs Wandern geschaffenen Region noch viel, viel mehr zu empfehlen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.04.2009, 11:21 Uhr

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4 Kommentare

Ruth Pfister

16.04.2009, 13:33 Uhr
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Gab mir grad einen kleinen Stich Heimweh! Erinnerte mich an die Sonntagsspaziergänge bei meiner Gotte in Herisau, vor vielen Jahren. Muss wirklich wiedereinmal vorbeikommen. Danke für die Anregung. Antworten


Manuela Meier

16.04.2009, 09:05 Uhr
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Hohe Buche: Der Aufstieg oder Abstieg über Speicher (Speicher Bahnhof Richtung Bendlehn) ist attraktiver. (v.a. fern ab von befahrener Landstrasse (Sand - Trogen). Viel Vergnügen! Auch der Fitnessteller (frische Salate !!) auf der Hohen Buche ist fein ... mhhh.) Antworten



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