Loch Rannoch, Loch Lomond, Loch Ness, Loch Cloenvalley

Viereinhalb Stunden dauert die dieswöchige Route im Glarnerland. Wer auf der mittelstrengen Wanderung schwere Füsse kriegt, der wird garantiert durch den wunderschönen Ausblick auf den vielleicht schönsten See der Schweiz, den Klöntalersee, vertröstet.

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Das angelsächsische Element prägte unsere Glarus-Wanderung im letzten Sommer. Dabei war nicht nur Jennifer-die-Amerikanerin, ein ständiges Mitglied meines Grüppleins, sondern auch, im Gaststatus, Fraser, ein junger Schotte, der damals in Zürich lebte.

Ein Schotte, das passt. Der Klöntalersee, ein von brüsken Fluhen gesäumter Fjord, ist doch mit den schottischen Seen durchaus vergleichbar: Loch Rannoch. Loch Lomond. Loch Ness. Loch – why not? – Cloenvalley.

«Vereinigung von Grösse, Klarheit und Einfachheit»

Schön war der Aufstieg von Glarus her; er ist so gut ausgeschildert, dass ich nicht viele Worte zu verlieren brauche. Nach zwei Stunden durch Weiden und Wald langten wir auf der Schwammhöhe an – und was für ein Anblick! Tief unten der See, eine blaue Zunge. Er hat viele Dichter inspiriert. Carl Spitteler schwärmte: «Grindelwald und Engelberg zum Beispiel gelten mir als minderwertig im Vergleich zum Klöntal, vom künstlerischen Standpunkt betrachtet, oder mit anderen Worten: nach dem Stimmungsgehalt beurteilt. Es ist eine Vereinigung von Grösse, Klarheit und Einfachheit, wie sie kaum wiedergefunden wird.»

Die Schwammhöhe ist mit dem See ursächlich verbunden. In der Vorzeit verschütteten zwei Bergstürze den Talausgang und bildeten die Schwammhöhe, die ihrerseits den Bach Klön staute. So entstand der See. Vergleichsweise sehr kurz muten aus dieser Perspektive die jüngsten hundert Jahre an, in denen ein Staudamm die Stromerzeugung ermöglicht.

Zur Schwammhöhe gehört unter ebendiesem Namen ein erfreuliches Restaurant. Hat man einen Platz zuvorderst auf der Terrasse ergattert, ist der Seeblick noch appetitlicher als das Essen. Wir speisten, und ich merkte im Gespräch mit Fraser: Der Klöntalersee hat auch im internationalen Vergleich Niveau. Fraser war gar so grossmütig, ihn gegen die Seen seiner Heimat zu favorisieren, weil es die Gewaltsberge, die sich in ihm spiegeln, dort nicht gibt.

Zweite Etappe

Nach dem Essen stiegen wir auf einem steilen, aber guten Pfad nieder zum See. Unten steuerten wir auf dessen Südseite zu. Etappe zwei der Wanderung führte uns dem Ufer entlang ans hintere See-Ende. Auch dies war grossartig, wir sahen: Erstens das Gessnerdenkmal, das zwei Bewunderer in den letzten Jahren des Ancien Régime dem Zürcher Idyllendichter Salomon Gessner zueigneten. Zweitens mehrere Stellen, an denen aus der Wand ein Bach niederschiesst, bei der Dunggellaui hat sich ein Schwemmdelta ergeben, das von Huflattich überwuchert ist; im Juli fanden wir dort Schnee. Drittens den «Bärentritt». Man geht bei dieser Schmalpassage nur wenige Meter über dem See. Aber weil das Gelände rutschig ist, sind Seile montiert.

Am Bärentritt starben im Jahre 1799 einige 100 Soldaten. Den Hintergrund bildet das von Napoleon durchgerüttelte Europa. Den Franzosen und ihren Verbündeten standen die Kräfte der alten Monarchien entgegen; in der Schweiz war der russische Generalissimus Suworow aufmarschiert. Vom Pragelpass her kommend, prallten seine Truppen beim Bärentritt auf den Feind. So mancher Mann stürzte während der Kämpfe in den See und ertrank. Das ist belegt. Wohl Legende ist hingegen, dass auch Suworows Kriegskasse im Klöntalersee landete.

Unsere Wanderung endete bei der Bushaltestelle Plätz im Gasthaus Klöntal. Wir genehmigten uns etwas zu trinken, und ich einigte mich mit Fraser auf folgendes Endresultat: Schweiz - Schottland 1 : 1. Der Klöntalersee hat den Punkt für die Schweiz geliefert. Doch leider kann unser Bier nicht mit dem der Schotten mithalten, daher das Unentschieden. Wir fanden das sehr gerecht. Zum Schluss jetzt noch einmal Spitteler, der punkto Klöntalersee und seine alpine Rahmung Folgendes sagt: «Kehrt man eben frisch von dort zurück, so gemahnt einen jedes andere Gebirge an Unkraut.»

Thomas Widmers Wanderbücher gibt es im Echtzeit-Verlag, www.echtzeit.ch , oder auf www.thomaswidmer.ch. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 07.08.2009, 09:36 Uhr)

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