Motto des Tages: steil, steil, steil

Der Weg auf den Nideripass ist happig – wer ihn dennoch in Angriff nimmt, erobert sich ein tolles Stück Ostschweiz.

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Bevor wir uns ins St. Gallische begeben, kurz etwas Bernisches: Der Pfarrer von Kirchlindach nah Bern hat mir geschrieben. Michael Graf, auf dem Sprung in die Ferien, bittet, dass ich in meiner Kolumne den «Gmeindwäg» von Kirchlindach behandle. Zum Anlass seines 825-jährigen Bestehens feiert sich der Ort derzeit nämlich selber: Es gibt Feste, Konzerte, Führungen – und eben, man kann durch die Gemeinde wandern. Man sieht dann zum Beispiel 60 lustige Vogelscheuchen, gestaltet von Kindergärtlern und Schülern. Man liest Infotafeln über Bäume mit alten Obstsorten. Oder man lässt sich an der «Mauer des Lebens» beim Friedhof, einem Platz der Besinnung, in eine Kurzmeditation fallen. Bei der Gemeindeverwaltung Kirchlindach bekommt man die Karte mit den Routenvorschlägen.

Wer weiss, vielleicht gehe ich auch noch nach Kirchlindach, bis zum 19. September läuft die Aktion. Vorläufig allerdings steht mir der Sinn nach anderen Unternehmungen: nach hochsommerlichen Heftigwanderungen wie derjenigen, die mich aus der Ebene der Seez hoch hinauf auf den Nideripass führte und auf der anderen Seite wieder hinab zu einem idyllischen, Nichtostschweizern in der Regel völlig unbekannten Ort, dem Kurhaus Voralp am gleichnamigen See. In einem solchen Tagesprogramm spiegelt sich die Intensität der Jahreszeit.

Start bei einem imperialen Kastanienbaum

Ich startete in Tscherlach, das zu Walenstadt gehört; ich hatte mich vom Bus hinführen lassen, obwohl man natürlich die zwei Kilometer vom Bahnhof Walenstadt laufen könnte. Imperial übrigens der Kastanienbaum des Hotel-Restaurants Churfirsten gleich beim Bahnhof; er lässt die grosse Gartenwirtschaft klein erscheinen, unter ihm will ich diesen Sommer noch einkehren.

Steil, steil, steil: Damit ist die erste Etappe hinauf von Tscherlach zur Terrasse von Lüsis hinlänglich beschrieben, glücklicherweise absolviert man die 800 Höhenmeter im Wald. Auf Lüsis führt ein Zehn-Minuten-Abstecher nach links zum Berggasthaus Lüsis, das einen erstklassigen Blick auf den Walensee und den Flumserberg gegenüber bietet. Für die zweite Etappe zur Krete ganz oben, dem Nideripass, gilt hernach das gleiche Motto wie für die erste: steil, steil, steil. Bloss geht man nun in der Sonne. «Tscherler Chämm» heisst diese Wildheuerflanke.

Von Militärbunkern in sennisches Ambiente

Oben auf dem Pass ist die Chance gross, dass man allein ist – eben weil der Aufstieg so happig ist. Auf beiden Seiten der Nideri sind Bunker in den Fels gezwängt, sie gehören zur Verteidigungslinie des Zweiten Weltkriegs. Anschliessend, nordseitig, wird die Landschaft irgendwie idyllisch, man ist jetzt ganz in einem sennischen Ambiente und bekommt den Eindruck, dass die federnden Sumpfwiesen zur Verspieltheit der Kühe beitragen. Zur Linken hat man sozusagen das Hinterteil des Gamser Rugg, den man üblicherweise von vorne anschaut, vom Tourismusgebiet Wildhaus her. Eine lange Passage führt durch verschratteten Kalk. Und zur Rechten ragen zackende Berge und Kämme empor wie der Margelchopf.

Irgendwann erscheint tief unten der Voralpsee in seinem Kessel; er hat viele Zuflüsse, aber keinen sichtbaren, oberirdischen Abfluss. Der Wanderweg führt zuerst zum Berggasthaus Voralp, einem alten Kasten und Kurhaus. Von dort spaziert man den halben Kilometer zum See und zurück. Vor allem aber rastet man, trinkt und isst. Am Ende der militanten Wanderung gondelt man mit dem Bus nach Grabs im St. Galler Rheintal – und hat sich ein tolles Stück Ostschweiz erobert. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 29.07.2010, 09:05 Uhr)

Stichworte

Zu Fuss

Route: Tscherlach (Walenstadt) – Lüsis – Nideri-Pass – Voralpsee, Kurhaus – Voralpsee – retour zum Kurhaus (Bus nach Grabs).

Dauer: 6 Stunden inklusive Abstecher vom Kurhaus zum See und retour am Schluss.

Höhendifferenz: 1500 Meter aufwärts, 700 abwärts.

Charakter: ungefährliche, aber enorm steile und anstrengende Passwanderung.

Höhepunkte: Die schöne Terrasse von Lüsis mit dem Walensee tief unten. Die üppige Vegetation und die verkarsteten Kalkflächen auf der Nordseite der Nideri. Der liebliche Voralpsee zum Schluss.

Einkehr: Lüsis, www.luesis.ch, und Voralp, www.voralp.ch.

Landeskarte 1:25 000: Kartenblatt 1135 (Buchs)

Thomas Widmers drei Wanderbücher («Zu Fuss») gibt es im Echtzeit Verlag, www.echtzeit.ch.

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