Wie eine Wähe fast zum Wanderhöhepunkt wurde

Von Thomas Widmer. Aktualisiert am 07.05.2009 4 Kommentare

Der Dessert schmeckt, aber: Das Eigental im Kanton Luzern ist ein Naturparadies. Und die Barock-Kirche von Hergiswald muss man gesehen haben.

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Ausgangspunkt Schwarzenberg-Lifelen.
Thomas Widmer

   

Wie kleinräumig und feinräumig dieses Schweizlein doch ist! Kürzlich nahmen wir an einem Föhnsamstag in Malters das Postauto hinauf ins 300 Meter höher platzierte Schwarzenberg. Bei aller Agglo-Nähe lebt man dort oben völlig losgelöst, schwelgt im Grünen, ist ganz für sich. Die wenigsten Nicht-Luzerner dürften das abgetrennte Dorf kennen – auch für mich war es eine Entdeckung.

In Schwarzenberg begann eine bemerkenswerte Unternehmung: die erste offizielle Wanderung meines Wanderklubs Fähnlein Fieselschweif in der Warmsaison 2009. Wir waren zu neunt. Nicht übel, wenn man bedenkt, dass Hürzi unfallhalber fehlte. Dass die zweite Klubstütze, Rainer, zügeln musste. Und dass Fixstern Nummer drei, Stefan-der-Vizechefredaktor, schlicht zu viel zu tun hatte.

Nun, Freunde, ihr habt viel verpasst! Von der Bus-Endstation Schwarzenberg-Lifelen peilten wir Eigenthal an, und zwar in der Langvariante (eine Stunde, 10 Minuten). Sie führte grossteils durch einen Forst, der sich Schrebergartenhaus-hohe Findlinge durch beharrliche Bemoosung anverwandelt hat. Bald erreichten wir Eigenthal, den apart gelegenen Ortsteil Schwarzenbergs. Wir kehrten im Eigenthalerhof ein. Auf der Terrasse genossen wir die nahe Pilatuskette und assen eine Apfelwähe.

Nein, so lapidar geht das nicht! Die Apfelwähe von Eigenthal will gefeiert sein. Theoretisch ein banales Dessertobjekt, war sie in diesem Fall mit äusserster Liebe und Kompetenz bereitet worden. Der Boden: knackig, knusprig, noch lauwarm. Die geraffelten Äpfel: das Gegenteil von ins Bräunliche wegoxidiert, weder fad noch sauer und schon gar nicht mit durchsichtiger Schluder-Schwabbel-Grusel-Gelee überdeckt. Der Schlagrahm: frisch, frisch, frisch und löblich grosszügig bemessen. Schliesslich der Nussguss: süssfeuchte Poesie, ein Kuss in essbarer Form.

Die Wähe hatte das Zeug, zum Höhepunkt unserer Inaugurationswanderung zu werden. Die Konkurrenz an Attraktionen war aber doch zu gross. Nur schon das Eigental selber, diese von einem Gletscher geformte, acht Kilometer lange voralpine Kammer. Das Eigental ist ein Naturparadies. Hat jemand eine Lebenskrise, so ist es der geeignete Rückzugs- und Erholungsort. Wir eroberten uns die Vogelperspektive auf das Tal, indem wir, vorbei an einem schwer bewachten Militärstützpunkt, dann an einer Marienkapelle, hinauf zum Chräigütsch zogen. Dort wendeten wir spitzwinklig und strebten die aussichtsreiche Würzenegg an.

Nun ging es zurück in die Welt. Hinab Richtung Grossluzern. Wir sahen Kriens, eine Ecke Luzerns, ein Stücklein Vierwaldstättersee. Wir lugten aber auch zur Rigi hinüber und weit Richtung Beromünster. Und nach einiger Zeit kam die Wallfahrtskirche von Hergiswald mit ihren roten Turmspitzen in Sicht.

Die frühbarocke Anlage, inwendig mit irrer Opulenz dekoriert und möbliert, entstand in mehreren Ausbauetappen in der Nähe jenes überhängenden Felsens, unter dem der Kartäuser-Laienbruder Hans Wagner sich 1489 als Eremit niederliess.

Das Gnadenbild der Schwarzen Madonna in der Kirche muss man gesehen haben. Das Gleiche gilt auch für die berühmte Decke, ein hölzernes, doch elegant schwebendes Himmelszelt aus 324 bunten Einzelbildern, die an Jasskarten erinnern. Jedes Emblem handelt von Maria. Da ist zum Beispiel eine Hand, die an einer Brennnessel reisst. «Ihr werdet mich nicht verletzen», steht daneben auf Lateinisch. Das spielt an auf die Jungfräulichkeit und Sündlosigkeit der Maria.

Nach der geballten Gegenreformation gelüstete es uns nun umso mehr nach weltlichen Freuden. Vor der Wirtschaft gleich neben der Kirche setzten wir uns in die Sonne, bestellten Dinge wie garnierten Wurstsalat und Bier, wurden von der Frühlingswärme eingelullt und traten die Rückfahrt nach Zürich in voller Balance von Körper und Seele an. Wenn das so weitergeht, wird 2009 eine tolle Fähnlein-Fieselschweif-Saison. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.05.2009, 09:48 Uhr

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4 Kommentare

Mario Tresch

07.05.2009, 09:59 Uhr
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Bei der Wanderkarte Luzern (pdf) sind als Höhepunkte die nahen Churfirsten aufgeführt. Dies muss wohl ein Versehen sein. Auch das Thurtalerstoffel wird wohl eher in der Ostschweiz liegen. Antworten


Pat Willener

07.05.2009, 10:55 Uhr
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Ja, dort oben haben wir uns oft herumgetummelt in unserer Jugendzeit, allerding nie ganz freiwillig - lustig war es nicht! Gottlob lebe ich jetzt 10,000km ostwärts; da brauchen wir solche Spässe nicht mehr. (Die Wähe würde ich allerdings gern probieren - vielleicht bei meinem nächsten Besuch in Luzern...) Antworten



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