Der Rolls-Royce unter den Küchen
Von Ulrike Hark. Aktualisiert am 20.10.2009
Holz kann freundliche Akzente im kühlen Design setzen. (Bild: PD)
Auch ein Profikoch findet sich hier sofort zurecht. (Bild: PD)
Wie im Chicago des 19. Jahrhunderts: Mobimo-Tower in Zürich West.
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Mobimo-Tower: 33 luxuriöse Appartements in Zürich-West
Wer in Zürich exklusiv wohnen will, muss nicht mehr in eine Villa am Zürichberg ziehen. Im 81 Meter hohen Mobimo-Tower an der Pfingstweidstrasse, auf dem ehemaligen Coop-Areal, entstehen derzeit 33 Eigen- tumswohnungen mit ausserordentlich grosszügig dimensionierten Grundrissen. Das Luxuspenthouse zuoberst im 24. Stock bietet eine fantastische Sicht über Zürich und misst 1000 Quadratmeter, es ist die wohl grösste je in Zürich gebaute Wohnung. Der Kaufpreis ist geheim, doch die Quadratmeterpreise bewegen sich gegen 20'000 Franken. Eine 350-Quadratmeter-Wohnung kostet beispielsweise 6 Millionen Franken. In die unteren Stockwerke des Turms zieht das Renaissance-Hotel ein. Die Bewohner können verschiedene Service-Packages buchen, vom Catering über Reinigungs- bis zum Limousinenservice.
Entworfen wurde der Tower vom renommierten Basler Architekturbüro Diener&Diener im Auftrag der Schweizer Immobiliengesellschaft Mobimo. Die Aussengestaltung orientiert sich an Chicagoer Wolkenkratzern aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. 2011 soll der Turm bezugsbereit sein. Zurzeit sind erst wenige Wohnungen verkauft.
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Gianpiero Armiento würde jetzt am liebsten Pasta kochen, und zwar unbedingt auf einem Gasherd. «Damit kann man die Temperatur viel feiner regeln und hat ausserdem diese schöne offene Flamme», sagt der gebürtige Italiener, der in der alten Mühle Matzingen bei Frauenfeld ein Boffi-Studio betreibt. «Aber heute ist bei der Kundschaft der Induktionsherd das Nonplusultra der Küchenausstattung – eigentlich schade.» Armiento macht kein Geheimnis daraus, dass für ihn eine Küche kein Prestigeobjekt ist, sondern ein sinnlicher Werkplatz, wo Feuer, Wasser und Kälte zusammenkommen. «Die Raffinessen der Gestaltung kommen später.» Zum Ausdruck seiner Leidenschaft legt er sich für den Fotografen sogar flach auf die Küchenzeile.
Herd-Monoblock im Zentrum
Doch Armiento beschäftigt zurzeit anderes als bissfeste Spaghetti und offenene Feuerstellen – die Boffi-Küchen im Mobimo-Tower in Zürich-West. Und die wirken, wie man der Simulation im kunstvollen Lookbook für Kaufinteressenten entnehmen kann, sehr kühl, ziemlich klinisch und ein bisschen asexuell. Ideengeber ist das renommierte Basler Architekturbüro Diener&Diener, welches den 81 Meter hohen Wohn- und Hotel-Turm an der Pfingstweidstrasse entworfen hat. Die Architekten stellen sich vor, dass in der Mitte der grossen Wohnküche ein quadratischer Monoblock mit Herd, Dampfabzug sowie Lavabo steht, schneeweiss wie ein Arztkittel, die Abdeckung aus grau-weiss-geflammtem Carrara-Marmor, wie der Waschtisch von Grossvater um 1900. An der Wand befinden sich die Einbauschränke mit grossen Schiebetüren aus glänzendem weissem oder grauem Polyester – Ausführung «Klavierlack», bestückt mit den besten Geräten von Gaggenau. That’s all.
In dieser nüchternen Küche sollen also die anspruchsvollen und wohlhabenden Menschen ihr Steak in die Pfanne hauen oder einen gemieteten Profi-Koch werkeln lassen. Die Kaufinteressenten der 33 Luxuswohnungen mit der berückenden Aussicht auf das Zürcher Trendquartier (die kleinste Wohnung kostet 2,1 Millionen Franken) sind laut Werbetext der Immobilienfirma Mobimo «unkonventionelle Menschen, die etwas Extravaganteres suchen als eine Villa am Zürichberg oder in Kilchberg».
Architektonisch orientiert sich der Tower an amerikanischen Wolkenkratzern. Keine Frage, wollen diese Urbanisten exklusive Küchen; wegen ihrer skulpturalen Dimension sind jene von Boffi in den letzten Jahren zu Prestigeobjekten für Betuchte in aller Welt geworden. Boffi ist quasi der Rolls-Royce des Küchendesigns. Auch im ehrgeizigen amerikanischen «Chicago Spire» sind sie geplant, dem spiralförmigen 600 Meter hohen Wohnturm von Santiago Calatrava. Der Turm wäre der höchste Wolkenkratzer in den USA, wenn er denn gebaut würde. Wegen der Finanzkrise wurde ein Baustopp verhängt.
80'000 Franken pro Küche
Boffi-Küchen stehen eigentlich für tolles italienisches Design und Küchen-Lifestyle. Doch Diener&Diener haben für die Zürcher Klientel quasi die sittenstrengste aller Möglichkeiten vorgeschlagen. Werden die Tower-Bewohner ihre Küchen mögen? Gianpiero Armiento wiegt den Kopf von links nach rechts – die Vorgaben der Architekten seien wohl nicht ganz realistisch, drückt er sich vorsichtig aus. Aber dafür gebe es ja ihn, den Gestalter.
Armiento wird mit den künftigen Bewohnern die individuelle Ausgestaltung in Angriff nehmen, den Topf also sinngemäss wieder dorthin stellen, wo er hingehört. «Ich hoffe doch, dass sich der Geschmack der Kunden noch niederschlägt», sagt er. «Wie ich die Leute kenne, werden sie schönes Holz wollen und Regale, in denen man Gegenstände offen platzieren kann, oder einen abgewinkelten Esstisch aus Edelholz, ein schönes Sideboard – einfach eine charmante Atmosphäre.» Also mehr Wohnlichkeit und weniger Hightech-Atmosphäre. Für den Preis von rund 80'000 Franken für eine Tower-Küche lägen spezielle Lösungen absolut drin, «schlussendlich wird es wohl 33 unterschiedliche Küchen geben».
Die Trendsetter aus Mailand sind nicht nur dafür bekannt, dass sie die teuersten ihrer Branche sind, sondern auch dafür, dass es in der Gestaltung, in der Wahl der Materialien und bei den Details fast keine Beschränkungen gibt. Bis hin zu Finessen einer in den Rüsttisch eingelassenen Lebensmittelwaage, die aussieht wie ein kleiner Röntgenschirm oder ausgeklügelten Besteckkästen. Türgriffe sind übrigens out – Schränke öffnen sich diskret über fingerschmeichelnde Griffleisten. «Zu viel Chichi tut einer Küche nicht gut», sagt Gianpiero Armiento. «Auch wenn sie hochkarätig ist, soll sie ein überschaubarer Werkplatz sein.»
«Solche Leute kochen wenig»
Gern wüsste man, wie sich die künftigen Besitzer der obersten Penthousewohnung einrichten werden. 1000 Quadratmeter misst die Wohnung im 24. Stock mit den ineinanderfliessenden Räumen. Über Preis und allfällige Kaufinteressenten schweigen die Beteiligten. Es ist die grösste je gebaute Wohnung auf Stadtzürcher Boden. Armiento weiss aus Erfahrung, dass «solche Leute wenig kochen, aber wenn sie es tun, muss alles da sein und alles perfekt sein. Oft wird ein Catering bestellt, oder ein Profi-Koch kommt, und der soll dann auch professionell wirken können.»
Steht dem Tower-Bewohner der Sinn einmal nicht nach Kochen, kann er sich – wie praktisch – nachts um drei ein Steak und eine Flasche Rotwein bestellen. In die unteren Stockwerke zieht nämlich das Renaissance-Hotel mit fünf Sternen ein. Der Hotelservice ist inklusive. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 20.10.2009, 08:27 Uhr



