Fressen und verfressen werden
Aktualisiert am 11.01.2010 12 Kommentare
Doch die Ernährungsgewohnheiten der Gesamtbevölkerung sind «suboptimal»: Hamburger. (Bild: Keystone)
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Rat der Ärzte bleibt ungehört
Nur elf Prozent der Schweizerinnen und Schweizer geben den Rat des Arztes als Motivation für einen Diätversuch an. Dies zeigt eine Umfrage im Auftrag von «Reader's Digest». 71 Prozent der Schweizer und Schweizerinnen haben bereits einmal versucht abzunehmen. Damit liegt die Schweiz gleichauf mit Brasilien, also jenem Land, in dem der Schlankheitswahn nachgewiesenermassen grassiert. Gemäss Mitteilung von «Readers's Digest» vom Montag gaben ein Drittel bis fast die Hälfte der 1.001 Befragten in der Schweiz zu, dass sie es gerne sehen würden, wenn ihr Lebenspartner abnehmen würde. Das Land, in dem sich die meisten Ehemänner, also 48 Prozent, wünschen, dass ihre Frauen abnehmen, ist Indien.
Zuviele Schweizerinnen und Schweizer foutieren sich darum, was sie essen. Sie achten sich bei ihrer Ernährung auf nichts, wobei vor allem Männern egal ist, was sie in den Mund stopfen.
Dabei sind ältere und besser gebildete Männer und Frauen ernährungsbewusster als jüngere und schlechter ausgebildete. Dies geht aus einer weiteren Auswertung der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 2007 hervor. Ein Auszug davon wurde am Montag im jüngsten Bulletin des Bundesamtes für Gesundheit publiziert.
Dennoch beobachten die Statistiker, dass sich in den vergangenen 15 Jahren - seit der ersten Gesundheitsbefragung - das Ernährungsbewusstsein bei Männern verbessert hat. Konkret achten sich 37 Prozent der Männer und 23 Prozent der Frauen nicht, was sie essen.
Essenspyramide vernachlässigt
Die empfohlenen fünf Portionen Früchte und Gemüse pro Tag konsumieren nur 30 Prozent, die empfohlenen drei Portionen Milch und Milchprodukte nur 10 Prozent der Befragten. 37 Prozent essen selten oder nie Fisch, und der tägliche Fleisch/Wurstwarenkonsum liegt bei knapp 20 Prozent.
Dies deute auf suboptimale Ernährungsgewohnheiten hin, schreiben die Autoren. Risikogruppen seien insbesondere Männer, Junge und weniger gut Gebildete. Grobe Längsvergleiche über die vier nationalen Gesundheitsbefragungen ergäben nur geringe Verbesserungen im Essverhalten über die letzten fünfzehn Jahre.
Beliebte Milch, verhasster Fisch
Zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung trinkt täglich Milch oder nehmen diese in Form von Käse, Joghurt oder Quark ein. Ob die steptanzende oder rollbrettfahrende Kuh dafür verantwortlich ist, geht aus der Befragung nicht hervor. Nur gerade 5 Prozent konsumieren nie Milchprodukte.
Fisch hingegen landet seltener auf dem Teller. Zwar essen 58 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer ein bis zwei Mal pro Woche Fisch. Gleichzeitig essen 37 Prozent selten oder nie Fisch.
Aus der Gesundheitsbefragung, die alle fünf Jahre durchgeführt wird und bei welcher beinahe 19'000 Schweizerinnen und Schweizer ab 15 Jahren befragt werden, geht auch hervor, dass die Schweiz schwer wiegt.
Fast die Hälfte wiegt zu viel
29 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer ist übergewichtig, 8 Prozent adipös. Fast die Hälfte (46 Prozent) der Schweizer und beinahe ein Drittel der Schweizerinnen (29 Prozent) bringen zuviele Kilos auf die Waage.
In den meisten europäischen Ländern und auch in der Schweiz stehen fünf der sieben wichtigsten Risikofaktoren für nicht übertragbare Krankheiten mit Ernährung und Bewegung in Verbindung: Bluthochdruck, Dyslipidämie, Übergewicht, geringer Früchte- und Gemüsekonsum und körperliche Inaktivität. (sam/sda)
Erstellt: 11.01.2010, 14:12 Uhr
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12 Kommentare
Gesunde Ernährung ist eine Einkommensfrage. 12 Bratwürste sättigen mehr und kosten weit weniger, als frisches Gemüse. Fertigprodukte mit viel Fett und Zucker sind weitaus günstiger als Rohkost und Biowaren. Fisch essen ist ein ökologischer und ökonomischer Unsinn. Mehr Bildung = höheres Einkommen = Lösung. Wer sorgt denn in der CH für Bildung für alle? Wer ist gegen Bildung für alle? Nachdenken! Antworten
Die Frage des Geldes stellt sich vor allem in Bezug der Prioritäten. Häufig haben in bildungsferneren Schichten Genussmittel wie Tabak und Alkohol oder Luxus wie Auto, TV oder Vergnügen die höhere Priorität. Darunter leidet vor allem die Qualität der Ernährung. Allerdings sollten wir froh sein, wenn nicht mehr Schweizer Fisch essen. Die Meere und Seen sind schon heute überfischt. Antworten



