Leben

Künstlicher Käse auf der Pizza

Von Niklaus Bernhard. Aktualisiert am 14.05.2009

Die Lebensmittelindustrie kann Käse auch ohne Milch herstellen. Diese Käse-Imitate werden aus günstigerem Pflanzenfett und künstlichen Eiweissen hergestellt. Auch in die Schweiz wird solcher «Käse» importiert.

Der falsche Mozzarella auf der Pizza sieht von blossem Auge aus wie richtiger. Auch vom Geschmack her würde der Laie nichts merken. In der Schweiz ist solcher Käse noch Seltenheit.

Der falsche Mozzarella auf der Pizza sieht von blossem Auge aus wie richtiger. Auch vom Geschmack her würde der Laie nichts merken. In der Schweiz ist solcher Käse noch Seltenheit.
Bild: Keystone

Die Lebensmittelindustrie wird immer raffinierter. Lebensmittelhersteller in Deutschland und seit längerem auch in den USA können Käse herstellen, der niemals mit dem Rohstoff Milch in Berührung kam. Stattdessen besteht der sogenannte Analogkäse aus Pflanzenfetten, Eiweisspulver und Geschmacksverstärkern. Die Käseproduktion aus diesen Bestandteilen ist bis zu 50 Prozent günstiger als die herkömmliche Methode und innerhalb von 20 Minuten fertig.

Die Verwendung dieses billigen Mozzarella-Imitats ist erlaubt. Allerdings darf es nicht als «Käse» deklariert werden. Die Etikette oder die Speisekarte in der Pizzeria muss die Kunden darüber aufklären, dass die Pizza oder der Tomaten-Mozzarella-Salat mit «Käseersatz» zubereitet ist.

Im deutschen Bundesland Baden-Württemberg wurden kürzlich 158 Restaurants und Imbissstände kontrolliert. Es stellte sich heraus, dass bei 36 Proben oder 23 Prozent der Tests anstatt richtigen Mozzarellas oder Feta-Käses Imitate aus Pflanzenfett verwendet wurden.

Mengen sind nicht klar

Analogkäse wird auch in die Schweiz importiert. Das bestätigte die Oberzolldirektion gegenüber der Zeitung «Schweizer Bauer». Um welche Mengen es sich dabei handelt, konnte die Oberzolldirektion allerdings nicht sagen, weil Analogkäse zusammen mit anderen Produkten in einer Gruppe zusammengefasst wird.

Unklar ist aber, wer den Analogkäse in der Schweiz verwendet. Die grossen Lebensmittelhersteller und die Detailhändler Coop und Migros verwenden laut dem Zeitungsbericht den Falschkäse bei ihren Fertigprodukten nicht. Einzig die Firma Findus habe in der Vergangenheit in Produkten solchen Käse verwendet. Doch auf Grund der Umstellung der Rezepturen nimmt Findus nun wieder richtigen Käse für die «Chäsplätzli».

Möglich ist, dass einzelne Pizzerias oder Pizzastände den günstigen Analogkäse verwenden. Auch in abgepackten Sandwiches kann falscher Mozzarella vorkommen. Doch im gleichen Mass wie in Deutschland oder den USA wird Analogkäse in der Schweiz nicht verbreitet.

«Ich kann mir nicht vorstellen, dass Analogkäse hier zu Lande im grossen Stil angewendet wird», sagt Hans-Peter Bachmann, Lebensmittelingenieur an der Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux (ALP) in Bern. Das Risiko wegen des Gebrauchs von künstlichem Käse in Verruf zu geraten sei für hiesige Firmen und Restaurants viel zu gross. In der Schweiz seien die Konsumenten gegenüber solchen Themen sehr sensibel.

«Zudem gibt es in der Schweiz eine sehr strikte Lebensmittelkontrolle», sagt Bachmann. Kontrolliert wird unter anderem, ob die verwendeten Lebensmittel auch entsprechend deklariert werden und die Angaben mit den Produkten übereinstimmen.

Vermehrte Kontrollen

Otmar Deflorin, Kantonschemiker des Kantons Bern, kennt Falschkäse schon seit längerem. Bisher habe man aber bei den Kontrollen keinen Schwerpunkt darauf gerichtet. «Es ist aber denkbar, dass wir künftig vermehrt auf die richtige Deklaration von Käse achten werden», sagt Deflorin. Laut Gesetz muss das Personal einer Pizzeria oder eines Pizzastandes sogar mündlich Auskunft darüber geben können, ob richtiger oder künstlicher Mozzarella verwendet werde. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.05.2009, 08:37 Uhr

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