Was den Kellner am Gast nervt

In die Stoffserviette schneuzen, Cocktailstäbchen zerstückeln, halbvolle Kaffeerähmli: Die 18 grössten Ärgernisse für das Servicepersonal.

Die Umgangsformen sind entscheidend: Die Servicecrew nimmt an der Eröffnung des Helvti Diner Urania Anweisungen entgegen. Foto: PD

Die Umgangsformen sind entscheidend: Die Servicecrew nimmt an der Eröffnung des Helvti Diner Urania Anweisungen entgegen. Foto: PD

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Es gehört in Zürich zum guten Ton, über das Servicepersonal zu meckern. Ein Artikel zu diesem Thema ist in den Onlinemedien mit Garantie ein Quotenhit - Kommentare von Wutbürgern inklusive. Der Tenor: Die Stadt sei eine Servicewüste, man müsse das Personal geradezu beknien, um ein Schnitzel oder einen Kaffee zu bekommen. Bei Licht betrachtet, verrichten Zürichs Servicekräfte ihren Dienst aber in der Regel zumindest passabel. Allen Schmähungen zum Trotz. Zwischendurch trifft man sogar immer wieder aussergewöhnliche Menschen an, die wie Entertainer durch den Abend im Restaurant führen. Schliesslich ist die Interaktion mit den Gästen die grösste Motivation, in diesem Job zu arbeiten. Schwarze Schafe gibt es natürlich ebenso. Doch die hat es auch in anderen Berufszweigen.

«Dem Serviceberuf fehlt es nicht zuletzt an Wertschätzung», sagt Andrin C. Willi, Chefredaktor des Kulinarikmagazins «Marmite» und Initiant des Wettbewerbs Marmite Youngster Selection, der seit 2013 auch in der Kategorie Service Auszeichnungen vergibt. Es dürfe nicht sein, dass Kellnerinnen und Kellner zu Tellerschleppern degradiert würden. Das schade Motivation und Geschäft. «Im Idealfall fungieren die Servicekräfte als Genussberater und bekommen die entsprechende Achtung von den Gästen.» So wie die zehn Finalisten der Marmite Youngster Selection, von denen übrigens drei in Zürich arbeiten: Rima Habibullin (The Artisan), Benjamin Vienings (Park Hyatt) und Patrick Marugg (Schweizerhof).

Stammgäste mit Namen begrüssen

Natürlich sei Fachwissen im Service sehr hilfreich, es komme aber eben auch auf die sogenannten Soft Skills an, betont Andrin Willi, der einst selber die Hotelfachschule absolvierte. «Wir legen grossen Wert darauf, wie die Kandidaten am Tisch wirken.» Denn wer im Service arbeite, habe den direktesten Kontakt zu den Gästen. «Ein Wirt, der ein kleines Investment in das Wohlbefinden und die innerbetriebliche Ausbildung seiner Servicekräfte tätigt, wird davon sehr profitieren. Es kann schon viel bewegen, wenn er die Angestellten anhält, Stammgäste mit Namen zu begrüssen.»

Der «Züritipp» wollte aber auch wissen, was die Gäste tun können, um dem Service die Arbeit angenehmer zu machen, und hat sich darum in der Branche umgehört. Ein Begriff, der immer wieder fiel, ist «Respekt». Keiner versteht sich gern als Diener, dessen Person nicht zählt. Auch Hektik und Ungeduld werden als belastend empfunden, zumal viele Lokale personell knapp besetzt sind. Und dann gibt es noch zahlreiche Unarten, die dem Service- und Bar­personal das Leben zusätzlich schwermachen. Unsere Liste ist ein Best-of aus den gesammelten Voten.

Die lange Liste der Unarten

  • Cocktailstäbchen in geschätzte 25 Teile zerstückeln und dann auf dem Tisch ver­streuen. Gilt übrigens auch für Bierdeckel.
  • «Können wir bestellen?» rufen, bevor man weiss, was man will.
  • Über die Bar fassen und sich Röhrchen, Nüsschen oder Gläser von da nehmen, wo sie versorgt sind.
  • Alles einzeln bestellen. («Am Ende hat man sechs Stücke Kuchen verkauft, und jedem Gast ist einzeln eingefallen, dass er Lust auf Süsses hat. In der Zeit, in der man sechsmal hin- und hergelaufen ist, hätte man sich um die andern Gäste kümmern können, die jetzt alle winken.») Beim Bezahlen den Preis einer Flasche Mineralwasser durch vier teilen wollen. («Wenn man gerade gemeinsam ein Abendessen eingenommen hat, könnte man sich wohl auch auf 0,75 Liter Mineralwasser einladen.»)
  • Kein Trinkgeld geben. («Jetzt mal ehrlich: Kein Mensch macht diesen Job länger als zwei Wochen, wenn er kein Trinkgeld bekommt.»)
  • Billige Anmachsprüche fallen lassen. («Die Nummer auf dem Tisch liegen lassen, wenn man gegangen ist, ist hingegen in Ordnung und sogar charmant.»)
  • Winken, pfeifen und «Fräulein» oder «Monsieur» rufen.
  • Hinter die Bar laufen. («Nie und nimmer! Auch nicht, um einen Abfallkübel zu suchen. Und schon gar nicht, um sich von der Bardame zu verabschieden.»)
  • Der Bedienung einen leeren Teller hinstrecken, wenn sie schon beide Hände voll hat. («Vielleicht lasse ich irgendwann ja wirklich einfach alles fallen und nehme den leeren Teller.»)
  • Kaugummi in Aschenbecher und Kerzenschalen kleben. Oder unter Stühle und Tische. («Jemand muss die wieder abkratzen.»)
  • In die Stoffserviette schneuzen.
  • In den Eisbehälter spucken.
  • Kaffeerähmli halb voll mit dem Deckel stehen lassen. («Die leert man immer aus beim Abräumen, man sieht nicht, dass sie nicht leer sind.»)
  • Dem Personal erklären, wie es seinen Job machen muss. Mit Sprüchen wie: «So macht man einen Cappu­ccino!», oder: «Du musst im Fall wissen, was Bond in ‹Casino Royale› getrunken hat!»
  • «Ja» sagen, wenn der Service fragt, ob das Essen schmecke, und beim Abräumen erklären, es sei alles versalzen gewesen.
  • Heimlich das Bier ex runterschütten und behaupten, man habe es ausgeleert und müsse deshalb gratis ein neues bekommen.
  • Die Bedienung fragen, was ihre Meinung zur amerikanischen Politik oder der französischen Filmkultur sei. («Jetzt mal im Ernst, wir sind am Arbeiten.»)
  • Mit vollem Mund reden und aufgeweichte Essensreste am Weinglas kleben lassen. («Selbst wenns alle am Tisch nicht graust, uns grausts.»)
(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.10.2016, 10:04 Uhr

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