In der Not schauen die Banker in die Sterne
Von Susanne Loacker. Aktualisiert am 04.03.2009 23 Kommentare
Links
zur Person
Monica Kissling alias Madame Etoile erstellt Horoskope, berät Privatpersonen und hält astrologische Referate in Firmen.
Frau Kissling, haben sich die Themen in letzter Zeit verändert, von Beziehungs- zu Jobproblemen?
Meine Schwerpunkte sind schon immer eher im Bereich Beruf und Persönlichkeitsentwicklung gelegen: Standortbestimmungen, Berufs- und Laufbahnberatung, Potenziale und Lebensaufgaben. Das hat wohl damit zu tun, dass ich mich im Wirtschaftsumfeld bewege. Anfragen aus der Wirtschaft, speziell von Banken, nehmen im Moment stark zu, denn in der Krise sind Unternehmen offener für eine neue Sichtweise.
Wenn man nicht mehr weiter weiss, befragt man die Sterne. Welche Banken suchen denn Ihren Rat? Die UBS?
Darauf kann ich aus Diskretionsgründen keine Auskunft geben. Referate habe ich zum Beispiel bei Kundenanlässen der Glarner und Obwaldner Kantonalbank gehalten. Weitere Kundenanlässe zum Thema «Globaler Ausblick/Finanzmärkte» sind für Privatbanken in Planung.
Gibt es Momente, wo Sie nicht weiterhelfen können?
Zum Glück selten, aber ich übe ja auch nicht in erster Linie eine «helfende» Tätigkeit aus, sondern eine analytische: Ich mache Prozesse mit Hilfe der planetaren Zyklen bewusst. Bei Privatberatungen bin ich oft mit Menschen konfrontiert, die unsicher sind bei einem Stellenwechsel oder beim Sprung in die Selbstständigkeit. Hier kann die Astrologie helfen, weil man aufgrund der persönlichen Zyklen sehen kann, ob Zeitpunkt und Richtung stimmen. Bei Referaten für Unternehmen ist das Thema Finanzkrise natürlich allgegenwärtig. In der Regel sind bei solchen Veranstaltungen auch Fachleute vor Ort, Ökonomen zum Beispiel, und es gibt im Anschluss an die Referate Podiumsdiskussionen.
Was sind dann die dringenden Fragen?
Der gemeinsame Nenner ist die grosse Frage: Was bringt die Zukunft? Man kann sie aus verschiedenen Perspektiven zu beantworten versuchen. Bis jetzt waren es vor allem die Wirtschaftsfachleute, die Antworten auf diese Frage gaben, inzwischen sind es auch Astrologen. Zumal einige von ihnen diese Krise klar vorausgesagt haben. Einer der Ersten war mein amerikanischer Kollege Raymond A. Merriman, der seit 13 Jahren in seinen jährlichen Publikationen darauf hinweist. Dass wir mit der Astrologie globale Entwicklungen lange im Voraus beschreiben können, ist faszinierend.
Wenn eine prognostizierte Krise wirklich eintritt, ist das erste Gefühl dann Schreck oder Genugtuung?
Ich war mir über die Tragweite der Ereignisse sehr früh im Klaren. Als im letzten Herbst Lehman kollabierte, wusste ich: «Jetzt geht es los!» Ich kannte ja die astrologischen Zyklen und hatte auch in Referaten darauf hingewiesen. Trotzdem konnte ich mir nicht vorstellen, wie sich das dann in der Praxis genau abspielen würde. Das weiss ich auch heute nicht - sicher ist aber: Das ist nicht einfach eine Korrektur, sondern ein eigentlicher Zeitenwechsel. Und die Krise ist längerfristig, auf erste Erschütterungen werden weitere folgen.
Haben Sie da als Privatperson reagiert und Ihre Aktien verkauft?
(Lacht) Ich bewege mich nicht so in Aktienwelten, das ist kein Problem für mich.
Und jetzt wollen alle von Ihnen wissen, wie es weitergeht.
Ja, das ist die grosse Frage: Wie geht es weiter, wann wird es wieder besser? Ich werde sehr oft sehr konkret gefragt, zum Beispiel wie es mit der UBS weitergeht. Kürzlich wollte eine Radiostation von mir «rasch am Telefon» eine Fünf-Jahres-Prognose. Da musste ich schon lachen, denn ich kann das ja auch nicht aus dem Ärmel schütteln. Natürlich studiere ich das Horoskop der UBS, aber eine solche Analyse ist sehr komplex, und man muss laufend die aktuellen Entwicklungen berücksichtigen.
Wie machen Sie ein Firmenhoroskop? Gehen Sie vom Gründungsjahr aus, wie bei der Geburt eines Menschen?
Bei der UBS ist das Basisdatum der 8.12.1997. An diesem Tag fand in Zürich die Pressekonferenz statt, an der der Zusammenschluss der UBS mit dem Bankverein kommuniziert wurde. Mit einem Unternehmenshoroskop kann ähnlich gearbeitet werden wie mit einem Personenhoroskop. Das Basishoroskop zeigt die Potenziale, Herausforderungen und Schwachstellen einer Firma (analog zu den Stärken und Schwächen bei einem Menschen) und schliesslich auch so etwas wie eine «Bestimmung» – was das Unternehmen ausmacht und von anderen unterscheidet. Für den Blick in die Zukunft setzt man dann die laufenden planetaren Zyklen in Bezug zum Basishoroskop und bekommt Informationen über Chancen und Gefahren, die in der Zukunft liegen.
Sie sind keine Bankfachfrau – wo sehen Sie selber Ihre fachlichen Grenzen?
Ich kenne meine Grenzen und weise die Leute dann an entsprechende Experten weiter. Im Zweifelsfall tausche ich mich auch mit Kollegen aus – zum Beispiel mit dem US-Finanzastrologen Raymond A. Merriman oder meinem Schweizer Kollegen Claude Weiss. Aber ich interessiere mich sehr für die globalen Entwicklungen. Am liebsten hätte ich ein Forschungsteam von 10, 20 professionellen Astrologen, denn im Alleingang fehlt oft die nötige Zeit. Auch private Beratungen drehen sich zunehmend um finanzielle Fragen: Soll ich Aktien kaufen/verkaufen, mir Gold oder eine Immobilie zulegen?
Dabei wäre der Frühling ja die Zeit, sich zu verlieben.
Den Sternen nach wären wir ja eigentlich in Frühlingslaune. Die Liebesgöttin Venus ist im Widder, das müsste Frühlingsgefühle wecken. Es ist also durchaus eine gute Zeit, sich zu verlieben. Aber vermutlich spüren das genau die Leute, die zu mir kommen, weniger. Sie stecken oft in einer schwierigen Phase im Leben. Meistens steht eine Entscheidung an – ein Jobwechsel, oder Fragen in der Partnerschaft: Lohnt es sich, auf den verheirateten Geliebten zu warten? Soll man gehen, soll man bleiben? Es muss schon ein bisschen weh tun, bevor man meinen Rat sucht. Es sei denn, zwei frisch Verliebte seien totale Astro-Freaks, die schon von Anfang an wissen wollen, wie es weitergehen könnte mit ihnen.
In Deutschland soll das angeblich ein Trend sein: Junge Leute lassen sich, kaum haben sie sich verliebt, von Astrologen die Chancen ihrer Beziehung darlegen.
(Lacht) Ziemlich unromantisch. Und es kann wohl auch total daneben gehen. Klar sieht man die Anlagen im Horoskop, das Beziehungsverhalten und die Erwartungen an einen Partner. Aber wie eine Beziehung am Ende herauskommt, das weiss niemand; das hängt stark vom Bewusstsein und von der persönlichen Reife ab. Ich selber würde, obwohl ich Astrologin bin, nie eine Entscheidung für oder gegen einen Partner aufgrund eines Horoskops fällen. Für Menschen, die auf Partnersuche sind oder gerade jemanden kennen gelernt haben, haben wir vor kurzem auch ein neues Angebot lanciert: Kleingruppen von zwei bis sechs Personen, Singles oder Paare, sitzen im lockeren Umfeld, einer Lounge zum Beispiel, zusammen und bekommen von meiner Beraterin Elvira Kindlimann Tipps für die Partnersuche und das Zusammenleben. Dabei erfahren sie, was das Horoskop über ihr Partnersuchbild und ihre Beziehungsthemen aussagt. Hier geht es aber mehr darum, sich und auch den Partner besser kennen zu lernen, als um Prognosen.
Wenn ich Sie nun ganz naiv frage, was der Frühling bringt.
Dann würde ich schon sagen: neue Liebe. Es ist eine Zeit des Um- und Aufbruchs, vielleicht auch der Befreiungsschläge. Die Venus steht in der Astrologie symbolisch für die Liebe, aber auch für das Geld.
Das klingt ein bisschen widersprüchlich.
Auf den ersten Blick vielleicht. Die Venus symbolisiert Werte, also alles, was uns «wert-voll» ist und unser Selbstwertgefühl steigert. Studien zur Partnerwahl zeigen zum Beispiel, dass Frauen vereinfacht gesagt bei einem Mann vor allem Status, also auch Geld, suchen. Der Mann hingegen wertet sich durch die Jugend und die Schönheit einer Frau auf. Beidem liegt das Venus-Prinzip zu Grunde.
Haben es dann im Moment die Frauen schwerer, oder doch eher die Männer?
Männer, sagen wir Banker, die von dieser Krise betroffen sind, fallen oft in ein grosses Loch. Wenn sie den Job verlieren, dann haben sie Angst, ihren Frauen nichts mehr bieten zu können, weil sie ihren eigenen Wert stark über Status und Geld definieren. Umgekehrt haben es Frauen, die Männer mit sicheren Jobs suchen, im Moment wohl auch etwas schwerer.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 04.03.2009, 22:20 Uhr
Kommentar schreiben
23 Kommentare
Wirtschaft und Astrologie? Jetzt wundert mich auch nicht mehr, weshalb Alfred Nobel keinen Preis für Wirtschaftswissenschaften spenden wollte, sie gar Hokuspokus, Scharlatanerie nannte. 60 Jahre nach seinem Tod wurde der "Preis für Wirtschaftswissenschaften in Gedenken an Alfred Nobel" schliesslich doch eingeführt. Man hätte besser die Oscar-Palette erweitert :-) www.thomas-braendle.ch Antworten
Leben
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Grandioses Berg-Erleben.
Weltberühmte Berge und 100 Jahre Jungfraubahn: Sommerurlaub vor der schönsten Kulisse der Welt!







