Leben

Nina Merli
Reporterin


Ansturm auf die Partydrogen-Klinik

Aktualisiert am 20.04.2012 7 Kommentare

In der britischen Hauptstadt wurde die erste Club Drug Clinic eröffnet. Partydrogen-Süchtige sollen sich hier gratis behandeln lassen können. Nun wird die Klinik von Patienten überrannt.

Wo Party ist, da sind auch Drogen: Jedes Jahr beschlagnahmt die Polizei im Rahmen der Zürcher Street-Parade kiloweise Designerdrogen.

Wo Party ist, da sind auch Drogen: Jedes Jahr beschlagnahmt die Polizei im Rahmen der Zürcher Street-Parade kiloweise Designerdrogen.
Bild: Keystone

Klinik für Partydrogen-Süchtige: Die neu eröffnete Club Drug Clinic ist im Londoner Spital Chelsea & Westminster integriert und liegt mitten im Londoner Nobelviertel Chelsea. (Bild: Reuters )

Meistverkaufte Partydrogen

Ketamin
Wirkung: Das Schmerzmittel löst partielle oder vollständige Schmerzunempfindlichkeit, Koordinationsstörungen, bruchstückhafte Auflösung der Umwelt und des Körperempfindens, Gefühle der Schwerelosigkeit oder des Schwebens aus. Bei hoher Dosis komplette Loslösung vom eigenen Körper oder Verschmelzen mit der Umgebung sowie Unfähigkeit, sich zu bewegen und zu kommunizieren.
Risiken und Nebenwirkungen: Schwächeempfinden, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, unkoordinierte Muskelbewegungen, Schwindel, verwaschene Sprache, erhöhter Puls und Blutdruck sowie Herzrhythmusstörungen, Muskelsteifheit, Lähmungserscheinungen und Narkose, bei sehr hohen Dosen epileptische Anfälle und Koma.
Ketamin belastet das Herz-Kreislaufsystem.
Mephedron
Wirkung: Stimulans/Empathogen, starke Euphorie, starker Rededrang, klares Denken, Verbundenheitsgefühl mit anderen Menschen, erhöhte Leistungsfähigkeit, veränderte Sinneswahrnehmungen.
Risiken und Nebenwirkungen: starke Erhöhung des Blutdruckes, Herzrasen, Hyperaktivität, unangenehmes Kältegefühl, unangenehmes Gefühl in der Herzgegend. Bei hohen Dosen sind Wahnvorstellungen bis hin zu Paranoia möglich.
GHB
Wirkung: Das Wirkspektrum reicht von Euphorie, Entspannung, Enthemmung, Wahrnehmungsintensivierung, eventuell Rededrang (Laberflash), leichtem Schwindel über Schläfrigkeit bis hin zu tiefem (komaähnlichem) Schlaf oder Bewusstlosigkeit.
Risiken und Nebenwirkungen: Übelkeit, Erbrechen und Schwindelgefühle. Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Atembeschwerden und Gedächtnisstörungen können bei sehr hoher Dosierung auftreten, ebenso unkontrollierbare Muskelzuckungen, die leicht mit Epilepsie verwechselt werden können, aber auch in eine Epilepsie übergehen können.
Anzeichen einer GHB-Überdosis sind starke Schläfrigkeit und danach mehrstündiger tiefer, nicht oder nur schwer störbarer Schlaf, Verschwinden von Reflexen und Atembeschwerden. Im Zusammenhang mit Alkohol grosse Koma-Gefahr.

(Quelle: www.eve-rave.ch)

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Seit Dienstag dieser Woche hat London seine erste Entzugsklinik, die auf Partydrogen spezialisiert ist. Die neu eröffnete Club Drug Clinic ist im Londoner Spital Chelsea & Westminster untergebracht. Einzigartig an der Klinik ist nicht nur der Fakt, dass sie sich ausschliesslich auf die Problematik von Partydrogen spezialisiert hat, sondern auch dass es sich um eine NHS-Klinik handelt. NHS (National Health System) bezeichnet das staatliche Gesundheitssystem Grossbritanniens und bietet jeder in Grossbitannien wohnhaften Person kostenlose medizinische Versorgung (Hausarzt und Krankenhaus).

Partydrogen-Klinik dringend nötig

Die meisten Entzugskliniken sind auf einen Heroin- und Kokainentzug eingestellt. Über die Konsequenzen und die Problematik der Party- oder Designerdrogen wie Ketamin, Mephedron oder GHB gäbe es keine genauen Angaben, sagte Owen Bowden-Jones, Chefarzt der Klinik, gegenüber der britischen Tageszeitung «The Guardian» aus. Der renommierte Psychiater war in einer Pilot-Phase der Kliniksgründung von siebzig jungen Menschen kontaktiert worden, sie alle wiesen ein massives Problem mit Partydrogen auf und wollten sich in ärztliche Behandlung begeben. Nach diesen Gesprächen sei ihm der Bedarf eines spezialisierten Therapiezentrums erst richtig bewusst geworden.

Die Partydrogen-Konsumenten sind laut Bowden-Jones eher jünger, angestellt und manchmal auch vermögend. «Sie leben oft in einer Beziehung und sehen sich selber nicht unbedingt als Süchtige.» Die meisten hätten zu Beginn ihrer «Drogenkarriere» den Gebrauch der Partydrogen sehr genossen, wie etwa ein 19 Jahre alter Wirtschaftsstudent, der drei Jahre zuvor zum ersten Mal Mephedron geschnupft hat, mittlerweile ist sein Konsum auf praktisch täglich sieben Gramm gestiegen. Er habe seine Kosten und sein Studium nicht mehr im Griff. Mephedron zählt zur Gruppe der sogenannten Research Chemicals, die momentan den Drogenmarkt regelrecht überfluten. In Grossbritannien wurden bereits 48 Todesfälle im Zusammenhang mit Mephedron vermeldet. Im April letzten Jahres reagierte die britische Regierung und verbot die Substanz, allerdings mit wenig Erfolg: In den letzten 12 Monaten (Stand August 2011) haben in England laut Umfragen rund 300'000 Jugendliche die Droge konsumiert.

Ein weiterer Proband des Pilotprojektes ist ein 27-jähriger Mann, der an einer Party vor fünf Jahren zum ersten Mal die Droge GHB (auch bekannt als K.-o.-Tropfen oder Liquid Ecstasy) probiert hatte. «Inzwischen braucht er es zweimal pro Stunde, er stellt nachts den Wecker, damit er seine Dosis nehmen kann, bevor ihn Entzugserscheinungen plagen könnten», sagt Bowden-Jones. Diese seien gerade bei GHB «besonders schrecklich» und beinhalten Zittern, übermässiges Schwitzen, Rastlosigkeit, Halluzinationen und Schlaflosigkeit.

Keine ernsthaften Probleme, kein Therapieplatz

Beide Männer seien durch Bowden-Jones erfolgreich therapiert worden. Aus diesem Grund habe man sich entschlossen, ein eigenes Therapiezentrum zu eröffnen. Allerdings bietet die Klinik nur jenen konsequente Hilfe an, die ein ernsthaftes Problem durch den Drogenkonsum entwickeln. «Wer Drogen nimmt und keine Bedenken damit hat, für den ist unsere Klinik der falsche Ort», so Bowden-Jones. Die Club Drug Clinic sei für Menschen gedacht, die ihr Leben nicht mehr im Griff haben. Und angesichts des rasant wachsenden Drogen-Marktes sollte es davon genug haben. Allein im letzten Jahr wurden in der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) 41 neue Designerdrogen gemeldet, im Jahr 2008 waren es lediglich 13.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.09.2011, 12:04 Uhr

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7 Kommentare

Markus Lüthi

29.09.2011, 08:13 Uhr
Melden 20 Empfehlung 0

Dank Tabuisierung und Nichtaufklärung auf dem Weg zur Hölle. Sieht euch Amerika mit Crack und Metaamphetaminen an, diese Leute kurieren auch in 30 Jahren nicht mehr zur alten Farbe hin. Es muss endlich aufgeklärt werden, Fachkunde in Schulen, Erfahrungen mit Ex-Abhängigen in der Schule scheinen nach hinten loszugehen. Es braucht Information, nicht Desinformation. Plus weniger Pharmazeutikas. Antworten


martin haber

29.09.2011, 17:29 Uhr
Melden 13 Empfehlung 1

Dann bin ich ja beruhigt: In meinem Umfeld vertraut man auf die "Klassiker", wenn man mal richtig Party machen will, also MDMA und Amphetamin. Und damit scheint es ja nicht so die Probleme zu geben. Letztendlich ist sowieso alles eine Frage des Masses, denke ich... Antworten



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