Leben

Breivik trägt das Krokodil am falschen Fleck

Von Oliver Meiler. Aktualisiert am 08.09.2011 10 Kommentare

Das Label Lacoste wehrt sich dagegen, dass der Attentäter von Oslo die Marke öffentlich trägt.

Werbung, wo sie nicht erwünscht ist: Anders Behring Breivik im roten Lacoste-Pullover. (Bild: Keystone )

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Man kann sich als Kleiderfirma wohl keinen düstereren Werbeträger vorstellen als einen weltbekannten, geständigen Terroristen. Das noble französische Label Lacoste, bekannt für sein Krokodil-Logo, ist ausgerechnet die liebste Marke von Anders Behring Breivik, dem Massenmörder von Oslo, der im Juli ein Massaker von schier unfassbarem Ausmass angerichtet hat.

Die norwegische Polizei berichtet, Breivik weigere sich, etwas anderes zu tragen als einen roten Pullover von Lacoste. Zu sehen etwa auf dem Foto, auf dem man ihn in einem Polizeiauto sitzen sieht, das ihn zurückbringt zu seinem zweiten Tatort, der Insel Utoya. Auch bekannt ist ein Bild von früher, auf dem er ganz so aussieht, wie Träger von Lacoste-Leibchen im gängigen Klischee aussehen: frisch, sportlich, geföhntes Haar.

«BCBG», sagen die Franzosen, was für «Bon chic, bon genre» steht: elegant im Auftreten, aus gutem Haus. Lacoste war immer schon BCBG. Und so wollte Breivik in der Öffentlichkeit auch erscheinen.

Eigener Kleiderkodex

Im langen Elaborat auf Facebook, in dem Breivik sein Wesen und seine Ideologie umreisst, gibt es direkte Hinweise auf den Kleiderkodex, den jene beachten sollten, die seiner rechtsextremen Armee beitreten wollen: Bomberjacken seien zu vermeiden. Um als gebildeter, konservativer Europäer durchzugehen, seien Produkte von Lacoste ideal. Die Kleider würden die gewünschten Signale aussenden, um das Publikum zu täuschen.

Nun ist es natürlich eine mittlere Katastrophe für die Marketingabteilung von Lacoste, dass einer wie Breivik Werbung für sie macht. Zunächst teilte die Firma mit, sie sei tief betroffen von der Tragödie in Oslo und von Breiviks Geschwätz, was die Marke angehe. Offenbar drückt der Imageschaden aber so sehr, dass das Unternehmen nun die Polizei gebeten hat, dafür zu sorgen, dass Breivik nicht mehr in Lacoste auftreten könne. Dies berichtete die norwegische Zeitung «Dagbladet».

Mit dem Krokodil hat es übrigens eine besondere Bewandtnis: René Lacoste, der französische Tennisstar der 1920er-Jahre, galt als zäher Kämpfer, der auch seine stärkeren Gegner nicht davonziehen liess. Sein Übername war Le crocodile. Ein Freund entwarf das Logo, das Lacoste fortan immer auf seiner Brust tragen sollte, wenn er spielte. Am rechten Fleck, knapp über dem Herzen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.09.2011, 06:21 Uhr

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10 Kommentare

Markus Gnädinger

08.09.2011, 09:54 Uhr
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Die Intervention von Lacoste ist, freundlich ausgedrückt, höchst delikat! Wir haben den Tot vieler junger Menschen zu beklagen und diese Firma weiß nichts besseres, als über den Imageschaden ihres Labels zu jammern. Antworten


Christoph Geiser

08.09.2011, 11:28 Uhr
Melden 13 Empfehlung

Soll der jetzt nackt auftreten? Freier Markt, das heisst, der Breivik darf tragen, was er will und wenn es halt Lacoste ist, dann hat das diese Firma zu schlucken. Aber schon interessant, wie Menschen ticken... Als ob die Hemden was damit zu tun hätten. Antworten




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