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Das islamische Facebook soll die Einheit der Muslime in der Welt stärken
Von Sonja Zekri. Aktualisiert am 25.04.2012 6 Kommentare
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Es ist ja nicht so, als sei da nichts, als hätte das Netz Muslimen nichts zu bieten. Per Onlineversand könnten sie zum Beispiel den Amira-Hijab bestellen, zweiteilig, Länge des Kopftuchs unter dem Kinn 40?Zentimeter, Preis umgerechnet knapp 8?Franken. Oder eine Kinder-Abaja für Mädchen bis zu 10 Jahren, das Schwarz des Überwurfs bestickt, Massanfertigung, gut 27 Franken. Onlinemetzgereien bieten Fleisch an, das nach islamischen Vorschriften geschlachtet wurde, also halal ist – ein Prinzip, das in Frankreich zuletzt sogar zum Wahlkampfthema wurde.
Sind Krabben erlaubt? – Nein!
Scheichs bieten spirituelle Anleitung, Koran-Exegese, Anweisungen zum Fasten, Wohltätigkeit, Erziehung, auch Online-Fatwas. «Sind Krabben für Muslime erlaubt?» – Nein. «Sind Lebensversicherungen zugelassen?» – Wenn es vom Gesetz vorgeschrieben ist, ja. Die Rolle von Facebook und Twitter für die arabische – und das heisst meist: die muslimische – Region beschäftigt Tagungen und Proseminare. Wozu um Himmels willen brauchen Muslime also Salamworld?
«Auf der Welt gibt es 1,7?Milliarden Muslime. Rund 300 Millionen nutzen das Internet, und etwa die Hälfte davon besucht soziale Netzwerke. Leider wird kein einziges davon von Muslimen gemacht», sagt Jawus Selim Kurt, PR-Direktor des Hauptquartiers in Istanbul. Diese Lücke will Salamworld schliessen – als globales soziales Netzwerk auf der Basis islamischer Prinzipien. Es will ein Forum für Muslime und interessierte Nichtmuslime sein, «Harmonie und Frieden» bewahren, moralische, also islamische Werte stärken und die Einheit der muslimischen Gläubigen, der Umma.
Die Umma, die Gemeinschaft aller Muslime, soll online zusammenfinden
Mitte Juli, zum Ramadan, dem grossen islamischen Fasten- und Feiermonat, geht es los. In drei Jahren sollen 50?Millionen Muslime von Indonesien bis Amerika auf Salamworld.com Podcast-Predigten herunterladen und Reisepakete für Pilger, Stadtführer mit Hinweisen auf die nächste Moschee und theologische Fernstudien. Neben dem Hauptquartier in Istanbul gibt es Büros in Ägypten und Russland. Der Hauptfinancier, Abdul Wahid Nijasow, ist ein kasachischer Unternehmer, sagt Kurt, andere Geldgeber stammten aus Russland und der Türkei.
Anfangs soll in acht Sprachen kommuniziert werden, Englisch natürlich, Arabisch und Türkisch, auch Urdu und Russisch, später mehr. Die Umma, die Gemeinschaft aller Muslime, jene sentimentale, oft auch politisch aufgeladene Vorstellung einer ozeanischen Einheit aller Gläubigen, die an den Grenzen von Kultur und Sprache so oft zerschellt, weil ein DJ in Istanbul mit einem afghanischen Taliban eben doch nichts gemeinsam hat, diese Umma soll wenigstens online zusammenfinden – in der geschützten Welt von Salamworld.
Ohne anstössige Inhalte
Pornografie, Terroraufrufe, Menschenrechtsverletzungen werden gefiltert, Chats moderiert, die Gemeinschaften sind aufgerufen, anstössige Inhalte zu melden oder gleich zu entfernen. Nur: Was heisst anstössig? Und wirkt auf junge Menschen in konservativen Ländern wie Ägypten oder drastisch gegängelten Gesellschaften wie Saudiarabien nicht gerade die Aussicht verlockend, im Internet zu plaudern, zu flirten – alles das, was im realen Leben so schwierig oder verboten ist? «Wir sind keine Moschee», sagt Kurt, «wir üben keine Zensur aus, und natürlich wird bei uns jene Atmosphäre der Freiheit herrschen, die die Nutzer anderer sozialer Netze schätzen.» Es wird möglich sein, Videos hochzuladen, auch Fotos, aber nicht mit Nackten: «Jede Freiheit auf der Welt hat Grenzen», sagt Kurt.
Ein Mittel zur Triebabfuhr
Berichte über Salamworld zitieren eine Onlinestudie des Internetgiganten Google, der zufolge im konservativen, islamischen Pakistan mehr als anderswo der Suchbegriff «sex» eingegeben wird. Wo Sexshops und Prostitution verboten sind, steigt offenbar die Bedeutung des Internets als Mittel der Triebabfuhr. Ob tatsächlich junge Muslime im russischen Kaukasus, in Algerien und in Malaysia millionenfach auf die gesäuberten Seiten von Salamworld strömen oder ob es doch eher ein Netz ist für fromme Familien, die ihren Kindern – wie im Westen – Jugendgefährdendes ersparen wollen, wird sich zeigen.
Das Projekt selbst jedenfalls muss schon deshalb mit hohen Nutzerzahlen operieren, weil es sich eher als Shoppingmall denn als politische Plattform begreift: «Wir sind ein kommerzielles Projekt, wir unterstützen keinerlei politische Ideen», so Kurt. Die Unterstützung sei beachtlich, das Interesse mit bereits jetzt 100'000 registrierten und erwartungsvollen Nutzern gross. Und selbst wenn es mit der Einigung der Online-Umma nicht sofort klappt – als Marketinggedanke ist es sicher halal. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 25.04.2012, 21:08 Uhr
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6 Kommentare
Bin wohl nicht der Einzige, der annimmt, dass dieses neue Facebook eine möglicherweise gefährliche Hetz- und Hassplattform gegen die Kultur sein wird, welche (unter vielen anderen) eben ein solches technisches "Fabrikat" hervorgebracht hat.
Wer im Internet sonst schon herumgestöbert hat, findet solches allenthalben bereits jetzt schon en masse!
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