Leben

Der Auftritt des Trophäenmanns

Von Seraina Mohr (Clack). Aktualisiert am 20.01.2012

Um Kind und Karriere zu vereinen, braucht eine Frau vor allem eines: den richtigen Kerl. Und den gibts immer zahlreicher.

Die Herren sollen intelligent, feinfühlig, haushaltstauglich und im besten Fall selber erfolgreich sein: Brad Pitt und Angelina Jolie.

Die Herren sollen intelligent, feinfühlig, haushaltstauglich und im besten Fall selber erfolgreich sein: Brad Pitt und Angelina Jolie.

Manchmal steht der Mann hinter der erfolgreichen Frau auch vorne: Familie Jolie/Pitt.

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Der Begriff Trophäenfrau ist eine zweifelhafte Bezeichnung. Das sind die jungen, dünnen oder gelifteten Freundinnen älterer Herren, die sich aufgrund ihres Erfolges eine solche Frau leisten können und wollen. Bei den Männern dagegen ist mit Trophäenmann eine andere Spezies gemeint: Hier sind es die Männer, die zugunsten ihrer Frau die eigene Karriere zurückstellen und das Leben jenseits von Bilanzen und Sitzungszimmern managen. Es sind sie, die all die Funktionen übernehmen, die einst die klassische Ehefrau innehatte und sich im Bonmot «hinter jedem erfolgreichen Mann steckt eine starke Frau» manifestierte. (Lesen Sie auch: «Mann, o Mann, Schweizer Mann!»)

Weibliche CEO und ihre Männer im Backoffice

Dass hinter fast jeder Mutter an der Spitze von Unternehmen ein Ehemann steht, der durch die Kleinigkeiten des Familienalltags navigieren hilft, das war der Zeitschrift «Bloomsberg Business» kürzlich eine Titelgeschichte wert. Sie titelte «The perfect husband» und meinte damit all jene Männer, die der neuen Generation CEO Moms den Rücken freihalten. Das Phänomen ist nicht ganz neu. Bereits im Jahr 2002 berichtete das Magazin «Fortune» über die «trophy husbands» und stellte schon damals fest, dass über die Männer hinter vorgehaltener Hand getuschelt wird, sie wie ein Schatz gehegt und gepflegt werden, sich aber nur wenige öffentlich dazu äussern mochten. Daran hat sich bis heute wenig geändert, auch weil allein der Begriff «Hausmann» vielen ein Graus ist. (Lesen Sie auch: «Geld oder Zeit? Was ist wichtiger?»)

Rollentausch statt gleichberechtigte Karrieren

Die Rede ist nämlich für einmal nicht von den «Dual Career Couples», die dank akribischer Organisation und Beihilfe von allen Seiten zwei Karrieren parallel lancieren und pflegen. Nein, die Rede ist von den Männern, die zu Hause bleiben und zugunsten der erfolgreichen Gattin und der Familie auf die eigene Karriere zumindest vorübergehend verzichten. Durchaus konservative Rollenmodelle also, die sich in der Praxis zu bewähren scheinen. So berichtet «Bloomsberg Business», dass 7 von 18 Frauen, die derzeit als CEO in einem der Fortune 500 Unternehmen agieren, einen Ehemann haben, der zu Hause zum Rechten schaut oder schaute – sogenannte «stay-at-home-dads». Andere wie etwa der Ehemann von Ginni Rometty, neue CEO von IBM, stecken in der eigenen Karriere zurück, um ihren Partnerinnen als «chief domestic officers» zur Seite zu stehen. (Lesen Sie auch: «So sabotieren Sie Ihre Karriere»)

Man braucht gar nicht in die Ferne zu schweifen, es gibt die Trophäenmänner auch in Griffweite. Denken wir nur an die neue Post-Chefin Susanne Ruoff, die bei der Frage nach der Vereinbarkeit von Karriere und Familie gleich auf die tragende Rolle ihres Mannes verwies. Denn auch hierzulande haben erfolgreiche Mütter in vielen Fällen eines gemeinsam: Einen Partner, der diesen Titel auch verdient. Und die Männer kriegen langsam das, was sich manche Hausfrau wünschte – öffentliche Anerkennung.

Allerdings greift der Vergleich mit dem früheren Bild der Ehegattin, die zu Hause die Kinder versorgt, Dinnerpartys für den Mann organisiert und keine eigenen beruflichen Ambitionen verfolgt, zu kurz. So leicht wird keiner zur Trophäe, denn Frauen haben ziemlich gut gelernt, hohe Ansprüche an sich und ihr Umfeld zu stellen. Hohes Anforderungsprofil für ein wenig Anerkennung.

Der kleine Unterschied: Das Anforderungsprofil an einen Trophäenmann ist unendlich viel grösser als an eine Trophäenfrau. Die Herren sollen intelligent, feinfühlig, haushaltstauglich und im besten Fall selber erfolgreich sein. Denn die Erfolgsfrauen von heute suchen kein männliches Heimchen am Herd und auch kein Dekorationsobjekt, sondern einen, der die Familie in ihrer Abwesenheit managt, von dem aber nicht zu befürchten ist, dass er dereinst mit einer Jüngeren abhaut und auf eine satte Abfindung hofft. Die Ausgangsbedingungen sind auch ganz anders. Anders als die Trophäenfrauen kommen die Trophäenmänner nicht erst mit dem Erfolg. Sie waren schon lange da. Sie haben ihre eigene Karriere verfolgt und miterlebt, wie dünn die Luft an der Spitze ist und wie unglaublich schwierig die Anforderungen eines Topjobs mit dem Familienleben vereinbar sind. Sie haben häufig lange an zwei Karrieren gearbeitet und sich dann für dieses Modell entschieden.

Im Gegensatz zu den Dual Career Couples haben es Trophäenmänner schwerer. Sie stehen im Schatten ihrer Frauen, werden zum emotionalen Anker und Abfalleimer für die Kinder und verzichten zugunsten ihrer Frau auf eine Intensivierung der eigenen beruflichen Karriere. Sie kämpfen also mit all den Problemen, die Frauen so bekannt sind.

Nicht hinter jeder erfolgreichen Frau steckt ein starker Mann

Gibt es nun einfach das herkömmliche Muster, in flexibler Geschlechterrollen-Besetzung? Das greift wohl zu kurz, genau wie die Schlussfolgerung, dass hinter jeder erfolgreichen Frau ein starker Mann steht.

Dafür gibt es zu viele beruflich erfolgreiche Frauen, die in Sachen Beziehungen erfolglos agieren oder aus Zweifel an der Vereinbarkeit von Kind und Karriere auf den Nachwuchs verzichteten. (Lesen Sie auch: «Weshalb schöne, erfolgreiche Frauen keinen Partner finden») Nicht hinter jeder erfolgreichen Frau steckt ein starker Mann, doch die, die einen haben, wissen seine Verdienste zu schätzen. Die Hochachtung, die den Trophäenmännern von ihren Gattinnen entgegengebracht wird, ist gross, auch wenn sie sich nur ungern in der Öffentlichkeit dazu äussern. Und nicht umsonst bezeichnete Sheryl Sandberg, COO von Facebook, die Partnerwahl bei jungen Frauen als «wichtigste Karriereentscheidung des Lebens».

Der Rollentausch mag nicht der Weisheit letzter Schluss sein, sondern eher eine pragmatische Lösung. Das Problem der Vereinbarkeit von Karriere und Kindern ist damit nicht gelöst, sondern verlagert – spätestens beim Wiedereinstieg der Trophäenmänner nach der Familienphase dürfte dies zum Prüfstein in mancher Beziehung werden. Auch das nichts Neues.

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Dann lesen Sie auch: «Chic im Beruf: 10 wirklich gute Tipps» auf Clack.ch – Ihrem Online-Magazin. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.01.2012, 21:33 Uhr


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