«Der Tsunami veränderte mein Leben und Schaffen total»
Von Katrin Hafner. Aktualisiert am 22.12.2009 2 Kommentare
Erlebte die Tsunami–Katastrophe hautnah: Der einstige Kriegsfotograf Joseph Khakshouri.
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Der Schweizer Fotograf Joseph Khakshouri (31) war bis zum Tsunami Kriegsfotograf. Er arbeitete für grosse US-Agenturen. In Sri Lanka fotografierte er die Folgen der
Naturkatastrophe und rührte danach vier Jahre lange keine Kamera mehr an. Kürzlich stellte er erstmals wieder aus: abstrakte Bilder, die in Richtung Kunstfotografie gehen. (TA)
Warum sind Sie damals ins Tsunami-Gebiet gereist?
Ich war in Israel stationiert, es lief gerade nichts, und ich suchte nach einer Geschichte. Da sah ich auf CNN den Tsunami. Zwei Tage später sass ich im Flugzeug.
Um eine heisse Story abzuliefern?
Absolut, ja. Ich habe mich fast darauf gefreut, dass endlich was läuft. Ich war ein wenig jung und naiv, habe die Extremsituation romantisiert.
Was geschah vor Ort?
Ich versuchte, wie in meiner Rolle als Kriegsberichterstatter, so wenig wie möglich an mich heranzulassen. Es ging nicht. Ich sah auf einmal den einzelnen Menschen in seinem Schmerz. Das tat echt weh. All dieses Elend!
Wieso auf einmal solche Emotionen? Sie hatten zuvor verschiedenste Kriegssituationen fotografiert.
Im Krieg tut ein Mensch einem Menschen etwas an. Bei einer Naturkatastrophe wie dem Tsunami sind alle Menschen Opfer. Zudem war das Ausmass der Tragödie unvorstellbar gross.
Dennoch fotografierten Sie.
Ja, auch die Leichenberge. Menschliches Leiden ist ein sehr fotogenes Thema. Aber diese Bilder schickte ich meiner Agentur nicht. Aus Respekt vor diesen Menschen. Ich wollte ihnen helfen, indem ich der Welt ihre Geschichte erzähle – und zwar nicht mit Totenbildern.
Gelang das?
Es schockierte mich, zu sehen, wie die Medien mit dem Tsunami umgingen. Sie wollten Elendsbilder oder Fotos von Prominenten, die ihre Ferien abbrechen mussten. Einheimische wurden praktisch nicht thematisiert. Das hat mich desillusioniert. Dass nur ein, zwei Fotos von mir veröffentlicht wurden, störte mich weniger, eher widerte mich das ganze Business an. Ich sah die Massenmedien plötzlich mit ganz andern Augen.
Wie verdauten Sie das Erlebte?
Nach zweieinhalb Wochen Sri Lanka war ich traumatisiert. Konnte kaum schlafen. Es wurde mir übel, wenn ich die Kamera in die Hand nahm. Der Tsunami raubte mir das fotografische Auge. Ich konnte nicht mehr. Und stieg in den Textil- und OrientteppichGrosshandel meiner Familie ein.
Was halten Sie heute von Katastrophen- und Kriegsfotografie?
Ich finde es eine immens wichtige Sache. Wir sind verpflichtet, hinzuschauen, was auf dieser Welt passiert. Die Frage ist, wie man das macht.
Mit Joseph Khakshouri sprach Katrin Hafner (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 22.12.2009, 04:00 Uhr

































































































































