Die Stars wollen seine Flügel
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Urs Bachmann aus Wetzikon gilt in der Schweiz als grösster Verleiher von Konzertflügeln. «Man sagt sogar, ich sei der grösste in Europa», sagt der 56-Jährige. Musiker mit klingenden Namen musizierten während ihrer Auftritte auf seinen Instrumenten. Dazu gehört der Abba-Pianist Benny Andersson, Schlagerbarde Udo Jürgens, aber auch Klassikgrössen wie Andras Schiff und Martha Argerich.
Bachmanns Firma befindet sich in einem alten Ökonomiegebäude in Wetzikon. In einem hallenartigen Raum sind alle Konzertflügel aufgestellt. Die genaue Anzahl ist schwierig abzuschätzen. Insgesamt besitzt Bachmann etwa fünfzig Flügel, zehn Klaviere, zehn Cembalos, fünf Celestas und fünf Hammerflügel. Das ist aber nicht alles. Auch eine Hammondorgel, eine Rhodes- und Wurlitzer-Electropiano sowie ein Harmonium gibt es in Bachmanns Fundus. Also fast alles, was Tasten hat und den Klang auf mechanischem Weg produziert.
Flügel soll hart und scharf tönen
Doch der Wetziker vermietet nicht nur Instrumente, er ist auch dafür besorgt, dass sie genau so klingen wie vom Musiker gewünscht. Er stimmt die Flügel jeweils vor Ort unter Berücksichtigung der jeweiligen Saal-Charakteristika.
Je nach Stilrichtung werden ganz bestimmte Qualitäten von den Instrumenten verlangt. Ende Oktober gastierte Stones-Drummer Charlie Watts mit seiner Boogie-Woogie-Formation im Zürcher Kaufleuten. «Für seine Pianisten wollte er Flügel, die hart, scharf und laut tönen», sagt Bachmann Auch Jazzpianisten würden die Instrumente so mögen. Für klassische Musik sei eine andere Klangcharakteristik gefragt. «Bei der klassischen Musik geht es eher darum, dass sich der Ton langsam aufbaut, es ist quasi eine atmende Klangentwicklung.»
Mit Hardrockband auf Bühne
Obwohl Bachmann tagtäglich mit seinen Instrumenten arbeitet, spielt er heute nur noch selten bewusst auf ihnen. «Bei meiner Arbeit sitze ich genügend am Klavier.» Früher war das anders. Der Wetziker spielte Klassik und stand mit einer Hardrockband auf der Bühne. Dadurch kennt er beide Seiten: jene des Instrumentenbauers und jene des Musikers. Der Wetziker spielte bereits als Kind Klavier: Er machte mit den Eltern Hausmusik. Als er älter wurde, stand zur Diskussion, dass er Musik studiere. Bachmann wollte jedoch lieber etwas Handwerkliches machen. Der Berufsberater habe ihn dann auf die Idee gebracht, Klavierbauer zu werden. So absolvierte Bachmann bei Jecklin in Zürich diese Lehre und arbeitete später in bekannten Klaviermanufakturen wie Bechstein in Berlin und Bösendorfer in Wien. «Ich wollte die Finessen der Spitzenfabrikate kennen lernen.»
Sprungbrett Radiostudio
Daneben begann er als selbstständiger Klavierstimmer zu arbeiten. Irgendwann kam dann die erste Anfrage. Anfang der 80er-Jahre wollte die Kulturgemeinschaft Uster wissen, ob er Instrumente vermiete. Einen einzigen älteren Flügel habe er damals zum Verleihen gehabt. Nach und nach häuften sich diese Anfragen, und Bachmann kaufte sich weitere Instrumente.
Eines Tages konnte er einen Auftrag des Radiostudios Zürich ergattern, für Aufnahmen ein Instrument zu stellen. «Das war mein Sprungbrett. Die Tätigkeit für das Radio öffnete mir viele Türen, ging dort doch die ganze schweizerische Musikszene ein und aus.» Der Wetziker wurde bekannt als der Mann, der die Instrumente liefert. Und zwar so, dass es passt. «Das Problem jedes Pianisten ist, dass er sein eigenes, vertrautes Instrument nicht auf die Bühne nehmen kann.» Seine Rolle sei nun jene des Vermittlers zwischen Pianist, Instrument und Musik.
Chef will in Werkstatt arbeiten
Bachmann führt zusammen mit seinem jüngeren Bruder im Wetziker Ortsteil Medikon den Betrieb mit mehreren Angestellten. In seiner Werkstatt stehen verschiedene Klaviere und Flügel. Auf einem Tisch ist eine komplett zerlegte Klaviatur aufgereiht. Und überall liegt Werkzeug herum. «Wenn man Chef eines Betriebes wird, steigt man normalerweise ins Büro auf», sagt Urs Bachmann. Doch der 56-Jährige hat sich Angestellte für das Büro gesucht, damit er in der Werkstatt bleiben kann.
Die Arbeit dort macht ihm Spass. Bachmann schwärmt davon, wie er eben ein altes Piano restauriert hat. «Es war in einem extrem schlechten Zustand, eine Ruine. Eigentlich lohnte sich die Sanierung gar nicht.» Trotzdem hat er die Arbeit auf sich genommen. Nun ist das Instrument ein Schmuckstück. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 13.02.2012, 00:14 Uhr
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