Leben

Martin Wilhelm
Redaktor News


Die schönsten Cafés der Schweiz

Aktualisiert am 13.02.2013 39 Kommentare

Viele Schweizer Tearooms und Cafés und ihre Besitzer sind in die Jahre gekommen. Es gehe auch anders, als Platz für Starbucks zu machen, sagt der Schweizer Heimatschutz – und zeigt, wie die Lokale zu retten sind.

1/11 Beliebter Quartiertreffpunkt: Café, Bar Salü, Luzern.
Bild: Schweizer Heimatschutz

   

Die Publikation

«Die schönsten Cafés und Tea Rooms der Schweiz», Schweizer Heimatschutz, Broschüre, zweisprachig deutsch/französisch.

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Vier Monate lang durften ein Kunsthistoriker und ein Fotograf im Auftrag des Heimatschutzes durch die Schweiz reisen und Kaffee trinken. Ihre Aufgabe: Aus einer Liste von 130 Betrieben die schönsten Cafés der Schweiz auswählen. Entstanden ist daraus eine Broschüre, die 74 Lokale von der Espressobar bis zum Arvenstübli vorstellt.

Die beiden vielleicht bekanntesten Klassiker unter den Schweizer Cafés fehlen nicht: das Café Sprüngli und das Café Odeon in Zürich. Der Erfrischungsraum der Confiserie Sprüngli war 1909 eine Neuheit in der Stadt, zwei Jahre später folgte das Odeon, geplant als Grand Café im Wiener Stil. Hundert Jahre später können sie sich immer noch halten.

Viele Cafés vor Besitzerwechsel

Bei anderen Tearooms und Cafés ist dies nicht so. Viele alterten über die Jahre mit ihren Besitzern und stehen nun vor einem Besitzerwechsel. «Dies ist eine der Erkenntnisse unserer Arbeit», sagt Patrick Schoeck vom Schweizer Heimatschutz. Von den 2004 im Buch «Die schönsten Tea Rooms der Schweiz» poträtierten Lokalen sei inzwischen die Hälfte verschwunden.

Die noch vorhandenen Tearooms sollen nach Ansicht des Heimatschutzes nun nicht einfach verschwinden, auch wenn sie staubig und altbacken wirken mögen. «Viele Inhaber haben lange wenig renoviert, wodurch die Lokale nun auch charmant wirken», sagt Schoeck. Viele dieser klassischen Tearooms würden nun entweder sinnlos verändert oder würden ganz einfach zugehen, weil man keinen Umgang damit finde.

Trendlokal mit viel rotem Plüsch

Als Beispiel, was stattdessen aus einem alten Café werden kann, nennt Schoeck das Odéon in Biel. Das mit viel rotem Plüsch eingerichtete Café aus dem Jahr 1930 war mit der Zeit etwas heruntergekommen. Als neue Besitzer das Lokal übernahmen, hätten sich diese gesagt: «Unser Konzept ist es, nichts zu machen.» Dennoch sei das Odéon heute ein Trendlokal. «Es ist den Besitzern gelungen, den Charme zu erhalten, der so ein Café ausmacht», sagt Schoeck.

Der Mitarbeiter des Heimatschutzes versteht die Broschüre mit den schönsten Cafés der Schweiz auch als Aufruf an die Cafébesitzer, stolz auf ihre Lokale zu sein und für diese auch in einer neuen Zeit Kundschaft zu finden.

Gegen Vintage nur im Designladen

Schoeck wehrt sich dagegen, dass alte Gebäude ausgehöhlt werden und womöglich mit viel Geld künstlich Altes eingebaut wird. «Was im Innern der Häuser geschieht, vergisst man häufig. Wenn Vintage nur noch im Brockenhaus und im Designladen steht, ist eigentlich nicht mehr viel da. In der Gesamtheit der Innenausstattungen besteht ein grosser Wert, der viel mehr umfasst als der einzelne Designerstuhl.»

Schöne Beispiele, wie alte Lokale in die neue Zeit gerettet werden können, sind das Caféstübli Angelika Kauffmann in Chur und das Café Etter in San Niclà im Unterengadin. Beide wurden sanft renoviert und zeigen heute ihr Holztäfer und ihre teilweise originalen Möbel dezent, aber stolz. Womöglich überdauern sie damit ja sogar den Zürcher Jugendstil. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.02.2013, 16:31 Uhr

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39 Kommentare

Marcel Zürcher

13.02.2013, 00:16 Uhr
Melden 180 Empfehlung 9

Werde ich mir besorgen diese Broschüre. Mal wieder was Schönes. Es ist mir ein Rätsel wie Starbucks erfolgreich sein kann. Kaffeeverschnitte haben mit Kaffeekultur nichts zu tun. Warum ich auch noch mehr bezahlen soll, wenn ich die Ware auch noch selbst abholen muss, entzieht sich meinem Verständnis für Gastronomie. Ganz zu schweigen von Menschen die aus Kartonschnabeltassen trinken. Antworten


Manfred Kern

12.02.2013, 22:12 Uhr
Melden 53 Empfehlung 17

Gibt es eigentlich das Café Huguenin in Basel am Barfuesserplatz noch - mit seinem Klavierspieler?
Ich kenn mich eben nur in Basel etwas aus, besser: "kannte". Neuerdings liebe ich auch das neuere Café in der Kirche neben dem Tangueli-Brunnen. Herzig!
Aber bald werde ich es wissen: ich werd mir das Büchlein des Schweizer Heimatschutzes nicht entgehen lassen.
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