Diese Eltern sind selber noch Kinder
Von Nadja Noldin. Aktualisiert am 11.01.2012 81 Kommentare
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Wie weiter?
Wo wächst ein Kind auf, dessen Eltern noch selber kaum dem Kindesalter entwachsen sind? Wer trägt die Verantwortung? Und wer zahlt? Wenn unmündige Jugendliche unerwartet Nachwuchs bekommen, stellen sich Fragen über Fragen – hier ein paar allgemeine Antworten ohne konkreten Bezug zum aktuellen Fall.
So bekommt jedes Baby, dessen Eltern noch nicht mündig sind, automatisch einen Vormund. Dieser begleitet das Betroffene durch seine Kindheit, betreut die Eltern und deren Familien und vermittelt wo nötig Hilfen, seis in Form von Coachings, seis aber auch ganz praktisch in Form von Unterstützung im Haushalt. Oft wohnt das Kind bei der Familie seiner Mutter und wird in engem Kontakt mit den dortigen Grosseltern gross. Je nachdem können auch eine Pflegefamilie oder eine Mutter-Kind-Institution den Rahmen für die junge Mutter und deren Kind bieten – dass die zwei möglichst zusammenbleiben, steht für die Fachleute im Zentrum.
Der Vater bleibt bei alledem immer im Spiel. Zwar werden er und seine Familie kaum zu Unterhaltszahlungen verpflichtet, so lange jedenfalls, wie er selber nichts verdient. Über das gemeinsame Kind bleibt sich das jugendliche Paar ohnehin zeitlebens verbunden – auch dann, wenn die beiden später andere Partner suchen. Angesichts ihres Alters ist das ja die Regel.
Sie ist 13 Jahre, er gerade mal 14 Jahre alt. Die Siebtklässlerin aus Hettiswil und der Achtklässler aus Krauchthal besuchen beide das Oberstufenzentrum in Hindelbank. Ab diesem Frühling wird für die beiden Teenager nichts mehr so sein, wie es war: Sie werden Eltern. Im April soll das Baby zur Welt kommen.
Die Schwangerschaft wurde erst entdeckt, als das Mädchen bereits im fünften Monat war. Eine Abtreibung kam zu diesem Zeitpunkt nicht mehr infrage, wie ein Kollege des Kindsvaters gegenüber der Pendlerzeitung «20 Minuten» sagte. Sie machte den Fall gestern publik. «Der werdende Vater nimmt es recht gelassen», so der Kollege weiter, «was bleibt ihm anderes übrig?» Die 13- und der 14-Jährige seien noch ein Paar. Ob sich die werdende Mutter auf das Kind freue, wisse er dagegen nicht.
Vor anderthalb Monaten wurden erst Schulleitung und dann die Kameraden in der Schule informiert. In der Folge wurde die Schwangerschaft auf dem Pausenplatz zum grossen Thema. Die Neuigkeit machte in Hindelbank und Krauchthal rasch die Runde, wurde zum Dorfgespräch.
Verschiedene Anfragen
Gestern Dienstag wollten sich die zuständigen Behörden zur Schwangerschaft des Teenagers nicht mehr gross äussern. Ihnen war es wichtig, die Privatsphäre der Betroffenen zu schützen. Die Vormundschaftsbehörde verwies auf das Amtsgeheimnis. Dieses sei in Fällen wie diesem von besonderer Bedeutung, schrieb sie gestern Mittag in einem Communiqué. «Solche Ereignisse können für Kinder und Jugendliche, welche die üblichen heiklen Phasen der Pubertät durchleben, extreme Krisen sein. Sie benötigen daher besondere Unterstützung und Schutz.»
Die Schulleitung des Oberstufenzentrums ihrerseits sah sich gestern mit diversen Medienanfragen konfrontiert. Sie berief eine Sondersitzung ein und diskutierte das weitere Vorgehen intensiv. «Das Interesse nach den Bericht war erstaunlich gross. Wir sind beinahe belagert worden», sagte Schulleiterin Barbara Fuhrer am Telefon. Weitere Fragen wollten sie und ihr Leiterkollege Jean-Daniel Sutter nur schriftlich beantworten. Die E-Mail, die Stunden später eintraf, fiel allerdings ziemlich dürr aus. Der Schutz der beiden Minderjährigen müsse im Vordergrund stehen, hiess es darin.
Und: «Wir werden unseren Beitrag leisten, damit die zwei weiterhin in einem geordneten Rahmen ihre restliche Schulzeit angehen können».
Thema Nummer eins
Mittlerweile wissen auch die Gemeinderäte von Krauchthal und Hindelbank über die Schwangerschaft Bescheid. «Bei uns war sie eine Zeitlang Thema Nummer eins, die Sache hat die Leute arg beschäftigt», sagte Krauchthals Gemeindepräsident Claude B. Sonnen. «Als Behörden sind wir zwar nicht direkt betroffen, als Dorf aber schon.» Zumal ja auch Hettiswil zur Gemeinde gehöre – zuständig seien aber die Oberstufenkommission, die Schulleitung sowie der Regionale Sozialdienst in Hindelbank.
Dies betonte auch der dortige Gemeinderatspräsident Werner Gertsch. Er wies ein weiteres Mal darauf hin, dass die Situation für die Betroffenen «schon schwierig genug» sei. Umso wichtiger sei es, sie zu schützen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 11.01.2012, 06:49 Uhr
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81 Kommentare
Ich frage mich schon ein bisschen, wieso solche Geschichten etwas in der Öffentlichkeit verloren haben. Vor allem noch mit solchen Details, dass jeder, der die Betroffenen auch nur im entferntesten kennt gleich Bescheid weiss, um wen es sich handelt. Man hätte genau so gut noch Namen, Adressen und Telefonnummern ergänzen können. Antworten
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