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Ein Aufpreis für verantwortliches Handeln?

Von Peter Schneider. Aktualisiert am 06.02.2013

Unter welchen Bedingungen wir bereit sind, für fairere Produkte mehr zu bezahlen.

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Rolf Dobelli beschreibt in «Die Kunst des klugen Handels» die sogenannte Motivationsverdrängung. Diese besagt, dass eine monetäre Motivation Menschen von der Sache ablenkt bzw. die ureigene Motivation des Menschen, etwas Positives zu tun, entscheidend stört. Ist der Konsument bereit, zusätzliche Kosten für vorbildlich wahrgenommene Unternehmensverantwortung bei der Herstellung von Produkten zu tragen, wenn zugleich unrealistische Boni ausgeschüttet werden?
H. C.

Lieber Herr C.

Die Entgegenstellung von finanziellen Interessen auf der einen und einer «ureigenen menschlichen Motivation» auf der anderen Seite halte ich für eine ideologische Sackgasse. Wenn Geld so eine schlechte Motivation ist, wie wir auch aus der ökonomischen Glücksforschung immer wieder zu hören bekommen, warum laufen dann die ökonomisch erfolgreichen Menschen so heiter und sehenden Auges direkt in ihr pekuniäres Unglück? Dies aber nur am Rande.

Es gibt tatsächlich Marktsegmente, in denen der «Verantwortungs-Aufpreis» ein Verkaufsargument ist: keine Kinderarbeit, keine Sklavenarbeit in Arbeitslagern, fairer Handel, ökologisch schonende Produktion usw. sind etwas, das sich viele Konsumenten auch etwas kosten lassen. Andererseits haben die Berichte über die katastrophalen Arbeitsbedingungen bei Foxconn der Beliebtheit des iPhones kaum Abbruch getan. Die «Gemeinde» diskutiert lieber über Gerüchte, wie das iPhone 6 aussehen wird, als darüber, wie die Arbeiter behandelt werden, die das Ding zusammenschrauben.

Abgesehen davon hängt die Bereitschaft der Konsumenten, einen Aufpreis für verantwortungsvoll (wem gegenüber?) hergestellte Produkte zu zahlen, von mehr Faktoren ab als nur dem Willen zu einem guten Gewissen. Zum einen muss man erst einmal das Geld für den Aufpreis haben. Frisch auf dem Bauernhof einzukaufen ist nicht unbedingt etwas, das man sich vom gesetzlichen Mindestlohn locker leisten kann. Zu unterschätzen sind auch nicht die Opportunitätskosten, die ein solches Konsumieren voraussetzt. Man hat in der Regel noch etwas anderes zu tun als sich fortwährend über Produktionsbedingungen zu informieren und sein Leben in einen fortwährenden «Kassensturz» zu verwandeln.

Was nun die exorbitanten Gehälter und Boni in der Oberklasse mancher Firma angeht, so haben diese, glaube ich, einen allgemeinen, derartigen Degout erzeugt, dass der Hinweis auf sonst noch so verantwortungsvolles Firmenverhalten schlicht verpufft. Wer sich derart eigennützig zeigt, dem traut man nicht über den Weg. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.02.2013, 11:32 Uhr

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