Ein Auto, ein Computer, zwei Männer

Seit drei Jahren schrauben die Brüder Roland und Michael Hirter aus Lyss an ihrem Bubentraum: Die beste K.I.T.T.-Replika der Schweiz soll in ihrer Garage stehen.

Schon fast geschafft: Sichtlich stolz präsentieren Roland Hirter (links) und sein Bruder Michael in ihrer Lysser Garage die Replika der Kultkarre K.I.T.T.

Schon fast geschafft: Sichtlich stolz präsentieren Roland Hirter (links) und sein Bruder Michael in ihrer Lysser Garage die Replika der Kultkarre K.I.T.T. Bild: Beat Mathys

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Mädchen schauten die Sendung wegen David Hasselhoff. Jungs wegen Bonnie, Hasselhoffs sexy Begleiterin mit brauner Mähne und ölverdrecktem Overall. Roland und Michael Hirter aus Lyss schauen die US-Serie «Knight Rider» aus den 80er-Jahren noch heute – und zwar wegen K.I.T.T. Die sprechende Kultkarre hats den beiden Brüdern dermassen angetan, dass sie einen eigenen in der Garage stehen haben wollen.

Seit drei Jahren schrauben Hirters an einer Replika. Den grössten Teil ihrer Zeit und ihres Einkommens investieren sie in ein Auto, das nicht nur fahren, sondern auch denken, sprechen und ganz viel Charme versprühen kann. Von Aussen sieht der Bolide nun schon richtig echt aus (ja, die rote Scannerleiste unterhalb der Motorhaube leuchtet, wenn er spricht). Nun fehlt noch K.I.T.T.s Seele, das dank komplizierter Elektrotechnik funktionierende Innenleben. Dies sei der schwierigste Part überhaupt, sagen Michael und Roland Hirter. Im September wollen sie fertig sein.

Hasselhoff hat unterschrieben

Vor wenigen Tagen erst ist K.I.T.T. nach Lyss zurückgekehrt. Zuvor war er während Wochen in einer Basler Garage, wo ein Oldtimer-Profi die Lackierung ausgebessert hat. «Wir haben es nur knapp ausgehalten, ihn so lange nicht bei uns zu haben», sagt der 24-jährige Roland Hirter, gelernter Autoelektriker- und elektroniker. Auch sein 26?jähriger Bruder, Michael ist Automechaniker, kam ins Schwitzen: «Vor allem weil der Garagist selber mit K.I.T.T. nach Basel gefahren ist.»

Nun stehen sie da. Ein Auto. Ein Computer. Zwei Männer. Vom ehemals feuerroten Pontiac Firebird mit Jahrgang 1990 ist nichts mehr zu sehen. Der schwarze Lack glänzt in der Abendsonne, die Scheinwerfer leuchten und K.I.T.T. begrüsst seine Fahrer, wenn diese den Motor starten, mit seiner rauchigen Stimme. Stolz präsentieren die Brüder die Unterschrift von David Hasselhoff auf dem linken Rückspiegel und all die Arbeiten, die sie seit dem letzten Besuch dieser Zeitung vor über eineinhalb Jahren gemacht haben. «Mittlerweile haben wir gegen 50 000 Franken investiert», sagt Michael Hirter, der für die Erfüllung seines Traums seit Jahren «sehr bescheiden» lebt.

100 leuchtende Knöpfe

Zig teure Einzelteile aus der ganzen Welt verbauen Hirters in der Replika. Nun warten sie sehnsüchtig auf die letzte Lieferung:?die Elektronikware aus den USA. Auf den grossen Moment, den Einbau von K.I.T.T.s Seele, bereiten sich die Zwei schon lange vor:?Stundenlanges Tüfteln vor dem Computer, Schaltpläne zeichnen, Sequenzen aus der Serie herausschneiden und digitalisieren. Hundert Knöpfe müssen eine Funktion erhalten, K.I.T.T. muss Sprachbefehle ausführen und Antworten geben können.

Weiter wird es im Cockpit einen PC und einen Drucker geben. «Und der wird im Gegensatz zu anderen Replikas auch funktionieren», betont Roland Hirter. Sowieso machen die beiden keine halben Sachen:?«Wir sind die einzigen in der Szene, die es so genau nehmen. Schliesslich wollen wir auch die beste K.I.T.T.-Replika der Schweiz bauen.» Dazu gehört auch der richtige Sound. Und der kommt bei Hirters nicht etwa im MP3-Format daher, sondern, wie es sich für die 80er Jahre gehört, ab Kassette.

K.I.T.T. kutschiert Bräutigam

Doch soll die Kultkarre nicht nur in der Garage verstauben, sondern auch «ein bisschen Aufmerksamkeit erregen». Weil K.I.T.T. fahrtauglich sein soll, darf nichts gegen das Gesetz verstossen. Einige Features müssen die Freaks deshalb weglassen:?Den Turbo-Booster zum Beispiel, der den TV-K.I.T.T. jeweils durch die Lüfte katapultiert. «Und die eingebaute Pumpe, die hinten Öl rausspritzt, um andere Fahrzeuge ins Schlittern zu bringen, würde sich wohl auch nicht so gut machen», lachen die beiden.

Letztes Jahr hatte K.I.T.T. schon ein paar Auftritte. Hirters sind mit ihm zu Szenetreffs gefahren, und an einer Hochzeit liess sich der Bräutigam vom Coiffeur zum Standesamt kutschieren. Hirters erhalten zwischendurch Anfragen für Auftritte an Geburtstagen oder anderen Anlässen. «Wir wollen damit kein Geschäft aufziehen, aber vielleicht können wir ja die Investitionskosten decken», hofft Michael Hirter. Doch diesen Sommer wird der Bubentraum in der Garage bleiben und warten, bis ihm seine Schöpfer Leben eingehaucht haben. Im September dann wollen die Brüder den Boliden an einem grossen K.I.T.T.-Treffen präsentieren. Der Event wird anlässlich des Knight-Rider-Jubiläums stattfinden (siehe Box).

Und dann? Wenn die letzte Schraube sitzt, der letzte Knopf leuchtet, K.I.T.T. zu seinen Machern spricht? «Dann kommt K.A.R.R.», sagt Roland Hirter. Er ist das böse Gegenstück zu K.I.T.T. Weil er fehlerhaft programmiert wurde (Selbsterhaltung statt menschliches Leben schützen), wurde die Karre K.A.R.R. in der TV-Serie eingelagert und vergessen. Vielleicht holen ihn ja die beiden Brüder originalgetreu in die Köpfe der Fans zurück. (Berner Zeitung)

(Erstellt: 03.04.2012, 10:52 Uhr)

Knight Rider

Die US-Serie wird 30 Jahre alt

Die US-amerikanische Fernsehserie Knight Rider feiert dieses Jahr Jubiläum:?Am 26. September 1982 wurde die Actionserie mit David Hasselhoff erstmals ausgestrahlt. Von 1982 bis 1986 wurden in vier Staffeln 90 Episoden gezeigt. Die wilden Geschichten um Polizist Michael Knight und seinen sprechenden Boliden K.I.T.T. (Knight Industries Two Thousand) erreichte weltweit Kultstatus.

2008 wurde eine Neuauflage von Knight Rider lanciert, die jedoch nach der ersten Staffel wieder eingestellt wurde. Weltweit gibt es drei originale K.I.T.T.s: Zwei stehen in Museen in Amerika, einer in der Garage des Berners Nic Megert.

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