Ein ganzer Hang surft talwärts

Über dem Sarnersee hat sich ein Hang selbstständig gemacht, weil ihm stabile Felsen fehlen. Für einige der Bewohner eine beunruhigende Erfahrung, denn ihre Häuser rutschen mit.

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Der Obwaldner Bauer Paul Britschgi muss machtlos mit ansehen, wie ihm der Berg buchstäblich den Boden unter den Füssen wegzieht. Im Sarner Ortsteil Stalden, rund 400 Meter über dem Sarnersee, betreibt er neben seinem Hauptberuf als Fels- und Sprengtechniker in vierter Generation den Familienhof. Doch ein ganzer Hang ist ins Rutschen geraten – an der Anrissstelle auf einer Breite von 300 Metern, in der Falllinie auf 1000 Metern Länge.

Gebäude in der Mitte des Hangs schwimmen an der Oberfläche mit und nehmen wenig Schaden. Britschgis Stall am Rand der Zone jedoch hat es voll erwischt. Die talseitige Wand neigt sich bedrohlich nach aussen, der Sturz der Tür ist aus dem Lot. Der Stall vermag sich nur noch zu halten, weil der Bauer innen meterlange Baumstämme und Dutzende Bauspriessen verkeilt hat, die sich gegen den Bergdruck stemmen.

«Da wirken unglaubliche Kräfte»

Die Schuld an der Rutschung, deren Ende nicht abzusehen ist, trägt die besondere Geologie. Die Berge westlich des Sarnersees sind ein sogenanntes Flyschgebiet, teilweise geprägt von einer instabilen Mischung aus Sandstein, Mergel und Lehm. Unterspült vom Wasser, das darunter auf dem Fels abfliesst und wie ein Schmiermittel wirkt, ist die ganze Schicht in Bewegung gekommen. An einer Stelle, wo die Gemeinde eine Überwachungsbohrung vornahm, ist die Schicht zehn Meter dick. Mit technischen Massnahmen sei die Rutschung nicht aufzuhalten, sagt der Projektleiter Naturgefahren, Urs Hunziker vom kantonalen Amt für Wald und Landschaft: «Die Masse ist viel zu gross, da wirken unglaubliche Kräfte.» Etwas beruhigend ist nur, dass am unteren Ende der Fläche eine Felsformation liegt, die den Rutsch dereinst bremsen wird.

Dass der Hang seit der letzten Eiszeit gleitet, war den Landwirten vor Ort und den Geologen schon lange bekannt. Ein Stall auf Britschgis Hof sei deswegen schon 1919 einmal eingestürzt, sagt Hunziker. Danach hat sich die Rutschung beruhigt. Doch im Dezember 2010 begann sich die Talfahrt der Masse plötzlich wieder zu beschleunigen. Statt eines Zentimeters pro Jahr rutscht der Hang jetzt einen bis zwei Zentimeter pro Woche, und im wasserreichen Frühling könnte sich die Talfahrt noch akzentuieren.

«Ich kann an der Situation nichts ändern, so ist halt die Natur»

Seinen Stall hat Britschgi im Januar zur Sicherheit geräumt. Fünf der zehn Rinder, die er hielt, musste er deswegen verkaufen. Das Gebäude müsse er vermutlich trotz der Baumstützen abreissen, sagt der Bauer. Etwas mulmig sei ihm schon, sagt Britschgi, doch er bleibt erstaunlich ruhig: «Ich kann Zwei-Meter-Sprünge machen, und es ändert sich gar nichts an der Situation. So ist halt die Natur.» Schäden wurden auch andernorts entdeckt, so an einem alten Wohnhaus und an zwei Scheunen.

Akute Gefahr für die Menschen besteht zwar nicht, doch die Gemeindebehörden haben an kritischen Stellen Zufahrtsstrassen und eine rissige Brücke gesperrt. Mit 40 Kontrollpunkten, die mit der Satellitennavigation alle zwei Wochen eingemessen werden, behalten Kanton und Gemeinde den Hang im Auge.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 04.03.2011, 08:59 Uhr)

Die Schuld an der Rutschung trägt die besondere Geologie. Die Berge sind eine instabile Mischung aus Sandstein, Mergel und Lehm: Bauer Paul Britschgi vor seinem einsturzgefährdeten Stall. (Bild: Josef Reinhard)

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