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«Eine Frauenquote ist rassistisch»

Diskriminierung oder Gerechtigkeit? Die Frauenquote wird derzeit in Deutschland diskutiert und auch im Forum von Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Auffallend ist: Es sind fast durchwegs Männer, die sich äussern.

«Man kann nicht den Apfel rundherum essen lassen und das Bütschgi isst der Mann»: Das schreibt ein Leser auf Tagesanzeiger.ch/Newsnet zur Frauenquote.

«Man kann nicht den Apfel rundherum essen lassen und das Bütschgi isst der Mann»: Das schreibt ein Leser auf Tagesanzeiger.ch/Newsnet zur Frauenquote. Bild: Keystone

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«Bisher 32 Kommentare und kein einziger von einer Frau!», wundert sich ein Leser im Forum von Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Es geht schliesslich um das Thema Frauenquote. Die Wirtschaftsprofessorin Sita Mazumder hat gestern in einem Interview dazu Stellung genommen.

Egoistischer Schwangerschaftsurlaub

Tatsächlich scheint das Thema eher die Männer zu beschäftigen als die Frauen, wie ein Blick ins Forum zeigt. Die einen versuchen ihre Stellung zu verteidigen. «Man kann nicht den Apfel rundherum essen lassen und das Bütschgi isst der Mann», schreibt ein empörter Leser. Solange der Staat den Mann generell für alle familiären Abläufe finanziell verantwortlich mache, gebühre dem Mann ein angemessenes höheres Recht.

Auch ein anderer Leser schiesst gegen das weibliche Geschlecht und findet, dass es schon genügend Frauen an Kaderstellen gebe, von denen ein Grossteil durch den Frauenbonus auf diese Stellen gehievt worden sei. Ein Reizthema scheint für einige der Schwangerschaftsurlaub zu sein. Wenn Frauen Kinder bekommen und egoistisch Urlaub beziehen würden – besonders in kleineren Firmen, also KMU –, hätten alle anderen Teammitglieder darunter zu leiden, weil sie die Mehrarbeit auffangen müssten. Die Lösung dieses Herrn: ein frauenloses Arbeitsumfeld.

«Unmoralisch und verabscheuenswert»

Der Grossteil der Diskutierenden dagegen hält viel von Frauen, sowohl als Kolleginnen als auch als Chefinnen. Deswegen jedoch gleich eine Frauenquote einführen? Eher nicht. «Ich arbeite gerne mit, unter und über Frauen. Aber Quoten braucht es nicht und ich werde auch niemals so einem Schwachsinn zustimmen», äussert sich ein Leser, der froh ist, «wenn die ganze Emanzengeneration endlich in die Pension geht».

Viele Kommentarschreiber finden, dass Fähigkeiten entscheiden sollen und nicht das Geschlecht. Andere sehen in der Frauenquote eine Gefahr für die Gleichberechtigung: «Schaffen wir die Wehrpflicht ab, passen wir das Rentenalter für beide Geschlechter auf gleicher Höhe an, revidieren wir das Scheidungsrecht so, dass Mann und Frau gleich sind», fordert einer. Noch deutlicher äussert sich ein weiterer Leser: «Eine Frauenquote zu fordern, finde ich völlig unmoralisch und verabscheuenswert. Das ist eine Diskriminierung der Männer und für mich auf der gleichen Stufe wie Rassismus.»

Frauen sagen wenig

Nur wenige Kommentarschreiber plädieren ausdrücklich für die Frauenquote: «Freiwillige Selbstverpflichtung ist nicht genug.» Solange Männer die Regeln bestimmten, hätten es Frauen schwer, Karriere ohne Quote zu machen, ist ein anderer überzeugt. Und was sagen die Angesprochenen selber? Wenig. Das Thema scheint sie nicht wirklich zu interessieren. Ist es Überdruss, wie ein männlicher Kommentarschreiber findet?

Nur eine Handvoll Frauen äussert sich im Forum. Karriere könne man nicht durch Qualifikation und Leistung machen, sondern leider nur durch Beziehungen, findet eine. Und eine andere: «Solange Frauen, die Karriere machen und trotzdem nicht auf Familie verzichten wollen, von allen Seiten angegriffen werden, ist der Weg dermassen steinig, dass eine Quote notwendig ist.» Eine dritte schreibt: «Quoten können in meinen Augen nur Krücken sein. Im Einsatz, wenn sie dringend benötigt werden, weggelegt, wenn sie nicht mehr gebraucht werden.»

(dj)

Erstellt: 04.02.2011, 15:28 Uhr

Die Wirtschaftsprofessorin Sita Mazumder hat sich gestern in einem Interview mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet zur Frauenquote geäussert.

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