Eine Zahnarztrechnung und schon pleite

Eine Studie zeigt: Überraschend vielen Menschen in der Schweiz fehlt das Geld für Alltägliches. Deutlich wird auch, wo in der Schweiz am meisten gespart wird – und wer am unzufriedensten mit seinem Budget ist.

Flattert eine unerwartet hohe Rechnung ins Haus, kommt jeder Fünfte in der Schweiz ins Schwitzen: Eine Frau erledigt ihre Rechnungen. (Archivbild: Keystone)

Flattert eine unerwartet hohe Rechnung ins Haus, kommt jeder Fünfte in der Schweiz ins Schwitzen: Eine Frau erledigt ihre Rechnungen. (Archivbild: Keystone)

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Mal schnell eine Woche an die Sonne reisen? Zum Zahnarzt gehen? Eine gemütliche, geheizte Wohnung? Kein Problem für Herrn und Frau Schweizer, könnte man meinen. Nicht ganz. Grundsätzlich lebt es sich zwar gut in der Schweiz: Das Einkommen ist im vergangenen Jahr gestiegen, der Lebensstandard gehört zu den höchsten in Europa. Das zeigt eine Studie des Bundesamtes für Statistik zu Einkommen und Lebensbedingungen in der Schweiz.

Doch: Jedem Vierten in unserem Land liegen die Finanzen von Zeit zu Zeit auf dem Magen. So sind rund 20 Prozent der Bevölkerung nicht in der Lage, eine unerwartete Rechnung von 2500 Franken innerhalb eines Monats zu zahlen. Am knappsten bei Kasse sind junge Leute zwischen 18 und 24 Jahren. Jeder Vierte kommt bei einer derart hohen Zahlung in Not. Mit zunehmendem Alter liegt mehr Geld auf der hohen Kante: Ab 65 Jahren trifft dieses Problem nur noch 12 Prozent der Bevölkerung.

Weniger ausgeprägt sind die Unterschiede beim Ferienbudget. Rund 9 Prozent der Bevölkerung können sich keine Woche Ferien im Jahr leisten. Mit 9,6 Prozent führen zwar auch hier die 18- bis 24-Jährigen die Rangliste an, doch der tiefste Wert – 7,8 Prozent bei den 50- bis 64-Jährigen – liegt nur geringfügig darunter.

Selbst für elementare Dinge wie eine beheizte Wohnung fehlt manchen Menschen das Geld. Im Schnitt 3,4 Prozent hierzulande können es sich nicht leisten, ihre Wohnung ausreichend zu beheizen. Die 15- bis 49-Jährigen sind davon am meisten betroffen (4,3 Prozent), während ab 65 Jahren dieses Problem fast nicht mehr auftritt (1,5 Prozent).

Wohneigentum macht zufrieden

13,3 Prozent der Schweizer Einwohner gelten als armutsgefährdet. Das heisst, sie verfügen über weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens. Die am stärksten gefährdeten sozialen Gruppen sind Personen in Familien mit nur einem Elternteil, Personen ohne weitere Ausbildung nach der obligatorischen Schulzeit und Ausländer aus dem aussereuropäischen Raum.

Interessant sind die Unterschiede bei der subjektiven Einschätzung des eigenen Budgets. In städtischen Gebieten, wo es mehr Jobs gibt, ist die finanzielle Zufriedenheit nicht unbedingt grösser. In diesen Regionen ist der Anteil Menschen, die sehr zufrieden mit ihrer finanziellen Situation sind, mit rund 54 Prozent markant tiefer als in ländlichen Gebieten (65 Prozent).

Positiv hingegen wirkt sich Wohneigentum auf das Haushaltsbudget aus: Wohnungs- oder Hausbesitzer sind zu 70 Prozent sehr zufrieden mit ihrer finanziellen Situation, legen öfter Geld zur Seite und verschulden sich weniger als Mieter. Bei diesen wiederum ist nur jeder Zweite zufrieden mit seinen Finanzen.

Die Westschweizer sind am unglücklichsten

Und wer ist am zufriedensten mit seinem Geld und spart am meisten? Es sind die Zentralschweizer, gefolgt von den Nordwestschweizern. Bewohner der Genferseeregion hingegen sehen am meisten Verbesserungspotenzial bei ihren Finanzen.

Die Statistik zeigt aber auch: Trotz allem steht die Schweiz im internationalen Vergleich gut da. Gemessen in Kaufkraftstandards, also um unterschiedliche Preisniveaus in den Ländern bereinigt, lag das verfügbare Einkommen 2013 in der Schweiz 1,7-mal höher als in Italien und 1,3-mal höher als in Deutschland oder Frankreich. Nach Luxemburg und Norwegen ist es damit weiterhin das dritthöchste Einkommen in Europa. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 11.11.2014, 17:17 Uhr)

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