Leben

«Einmal ist keine Katastrophe»

Von Katrin Hafner. Aktualisiert am 23.04.2009

Erektionsmittel sind für Männer mit organischen Potenzstörungen gedacht. Gemäss dem Urologen kommen diese bei Jugendlichen nur sehr selten vor.

Hubert John ist Lehrbeauftragter der Universitäten Zürich und Tübingen und ab 1. Juli Chefarzt an der Urologischen Klinik am Kantonsspital Winterthur.

Hubert John ist Lehrbeauftragter der Universitäten Zürich und Tübingen und ab 1. Juli Chefarzt an der Urologischen Klinik am Kantonsspital Winterthur.

Wann ist Viagra aus ärztlicher Sicht empfehlenswert?
Viagra ist ein Medikament, das bei organischen Potenzstörungen eingesetzt wird, vor allem bei Minderdurchblutung des Schwellkörpers. Dafür gibts verschiedene Gründe; zum Beispiel können Männer nach vollständiger Entfernung der Prostata impotent werden.

Wie häufig leiden junge Männer unter Erektionsstörungen?
Nur sehr selten leiden sie an organischen Erektionsstörungen. Ich verschreibe Viagra eigentlich nie für 16- bis 20-Jährige. Das heisst aber nicht, dass Jugendliche keine Erektionsmittel konsumieren.

Man kann sich diese Mittel im Internet aus dem Ausland bestellen. Warum braucht es in der Schweiz ein Rezept dafür?
Weil es sich um Medikamente handelt und diese Nebenwirkungen haben.

Inwiefern kann Viagra schädlich sein?
Gefährlich ist Viagra nicht; man wird nicht abhängig, und Schäden gibt es keine davon. Im Gegenteil: Es wird derzeit diskutiert, ob regelmässig eingenommenes Viagra aufgrund der gefässerweiternden Wirkung als Anti-Aging-Medikament eingesetzt werden könnte.

Spricht also nichts dagegen, dass auch Männer ohne Erektionsstörung Viagra nehmen? Zum Beispiel Jugendliche?
Wenn einmal ein 16-Jähriger ein Viagra schluckt, ist das keine Katastrophe. Das Mittel bringt allerdings nichts, wenn man eine normale Potenz hat. Heikel ist der Mix mit Partydrogen. Und gefährlich kanns werden, wenn man die Tabletten im Internet bestellt und nicht weiss, welche Substanzen enthalten sind.

Was halten Sie von der These, dass mehr Männer Erektionsprobleme haben wegen steigenden Leistungsdrucks?
Das hat etwas. Wenn ein Mann beruflich gestresst ist oder unter Erwartungsdruck steht, hilft jedoch eine gezielte Sexualberatung manchmal mehr als eine Tablette.

Mit Hubert John sprach Katrin Hafner

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.04.2009, 08:48 Uhr

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