Leben

Elternglück gleich Partnerstress

Aktualisiert am 17.11.2008

Die eingespielte Paarbeziehung kann mit dem Nachwuchs zur Zerreissprobe werden. Was zählt um Partnerschaft und Elternsein unter einen Hut bringen? Drei Erfahrungsberichte über diesen Spagat.

Kinder können zur Belastungsprobe werden.

Kinder können zur Belastungsprobe werden. (Bild: colourbox.com)

Im Sommer noch konnten Fans und Voyeure in der Dokusoap «Sarah and Marc crazy in Love» zuschauen, wie die Liebe bei dem Promipaar funktioniert. Und nun haben sich die deutsche Sängerin Sarah Connor und ihr weniger erfolgreich singender Ehemann Marc Terenzi getrennt. Sie seien «mit der Zeit bessere Freunde als Ehepartner geworden», heisst es auf Connors offiziellen Homepage. Ob die Elternschaft von zwei kleinen Kindern (2 und 4 Jahre alt) ihren Teil zu dieser Entfremdung beitrug, sei dahingestellt.

Fakt ist, dass Kinder trotz der Freude, die sie in eine Partnerschaft bringen, sie auch herausfordern können. Drei Frauen erzählen, wie sie Elternglück und Partnerschaft erleben.

Verständnis

Mit der Geburt jedes Kindes sei die Zeit für den Partner weniger geworden. Pascale 34 ist Mutter von vier Kindern zwischen 2 und 12 Jahren. «Ob am Mittagstisch, am Abend oder im Bett, es ist immer ein Kind dazwischen», schildert sie die Situation. Es sei nicht immer einfach für die Partnerschaft. «Vor allem wenn die Kinder klein sind, braucht es sehr viel Verständnis vom Mann.» Umgekehrt der Appell an die Frauen, sich nicht von der Mutterrolle voll und ganz einnehmen zu lassen. Über Themen reden, die nicht direkt mit den Kindern zu tun haben, Interesse am anderen bekunden oder alleine etwas zu unternehmen, dies alles sei in ihren Augen wichtig. «Leider kommt dieser Aspekt bei uns momentan zu kurz.» Trotzdem, die drei Jahre vor der Mutterschaft, die sie mit ihrem Mann «alleine» war, vermisst sie bislang nicht. «Es war ein ganz anderer Lebensabschnitt. Jede Partnerschaft, ob mit oder ohne Kinder, verändert sich mit der Zeit.»

Verantwortung

Die neun Jahre mit ihrem Mann ohne die Kinder möchte Stephanie nicht missen. Noch weniger aber die Zeit mit den knapp zweijährigen Zwillingen. «Unser Kinderwunsch hatte sich mit der Geburt der beiden endlich erfüllt», berichtet die 35-Jährige. Am Anfang überwog die Freude alle anderen Gefühle. Mit der Zeit wurde sich das Paar der Verantwortung bewusster. Diese Phase, die von der Zwei- zur Viersamkeit führte, wurde vor allem von ihrem Partner als schwierig empfunden. «Die gemeinsame Beteiligung am sozialen Leben verminderte sich», erzählt sie. Vor der Geburt hätte sie eine Abmachung mit ihrem Mann getroffen: Mindestens an einem Abend in der Woche wollten sie bewusst Zeit miteinander zu verbringen. Diese Abende seien aber nie zu Stande gekommen. Die eigenen Freizeitaktivitäten seien dazwischen gekommen. «Ich rate Paaren, die solche Abmachungen treffen, diese zu notieren und nach einem Jahr eine Standortbestimmung zu machen.» So könnten die Abmachungen angepasst und über die Beziehung reflektiert werden. «Nun sind wir so weit, dass wir einmal in der Woche als Paar Essen gehen können.»

Isolation

«Im ersten Moment war der Nachwuchs eine Belastung», erinnert sich Kathrin. Vor 12 Jahren kam ihr erstes und einziges Kind zur Welt. «Dass wir mit dem Kind weniger spontan sein konnten, störte uns weniger. Wir waren ja auch älter», so die 47-Jährige. Ihre Isolation machte ihr und der Beziehung mehr zu schaffen: «Im Grunde genommen lebt der Mann oft sein bisheriges Leben weiter. Der grösste Teil der Verantwortung liegt bei der Frau.» Die daraus resultierende Unzufriedenheit könne sich rasch negativ auf die Partnerschaft auswirken. «Heute haben wir diese Phase überwunden», versichert sie. Die Pflege ihrer Beziehung sei genauso wichtig wie das Wohl des Kindes: «Wir können deshalb nicht auf jeden Wunsch des Kindes eingehen.» Am Anfang sei es sehr hart gewesen. «Ich musste lernen, mein schlechtes Gewissen abzulegen.» Dies sei auch ihr Tipp für werdende Eltern. «Man darf sich und die Partnerschaft nicht wegen des Nachwuchses aufgeben. Das Kind muss lernen, dass die Eltern auch eigene Bedürfnisse haben.»

Diese Tipps kommen für Sarah Connor und Mark Terenzi zu spät. Ein kleines Trostpflaster bleibt ihnen aber: ein mögliches Angebot für ihre nächste Dokusoap «Sarah und Marc im Rosenkrieg». fka



> (rue/bz)

Erstellt: 17.11.2008, 15:49 Uhr


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