Erstes Altersheim für Homosexuelle geplant

Rund 143'000 über 65-Jährige in der Schweiz sind laut Schätzungen schwul oder lesbisch. Der neue Verein «queerAltern» träumt von einem «Haus der Vielfalt».

Wollen unter ihresgleichen den Lebensabend verbringen: Ein schwules Paar beim Frühstück.

Wollen unter ihresgleichen den Lebensabend verbringen: Ein schwules Paar beim Frühstück. Bild: Keystone

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Am Dienstag gründet sich der Verein «queerAltern». Sein Ziel ist es, in drei bis vier Jahren die ersten Alterswohnungen für Homosexuelle und andere nicht heteronormative Menschen zu eröffnen, wie die «Schweiz am Sonntag» berichtet. Als «queer» werden Schwule, Lesben, Bisexuelle, Intersexuelle, Transgender oder andere Personen bezeichnet, die von der Heteronormativität abweichen. «Ein Haus der Vielfalt soll es werden», sagt Vincenzo Paolino, Mitglied des Kernteams von «queerAltern». In einem ersten Schritt will das Team um Paolino dem Projekt zuerst Gehör verschaffen, dann einen Businessplan erstellen und die richtige Rechtsform sowie das notwendige Kapital finden.

Entsprungen sei die Idee einer Umfrage im Jahr 2012 mit 240 Teilnehmern. Diese habe gezeigt, dass sich ältere, queere Menschen nach einer Pflegeeinrichtung sehnen, wo sie unter ihresgleichen den Lebensabend verbringen können. Denn solche Menschen werden – vor allem von Älteren oder in ländlicheren Gebieten – auch heute noch stigmatisiert. In einer Pflegeinstitution zu leben, wo man sich selbst verleugnen müsste, ist für viele nicht mehr vorstellbar.

Paolino, der selber auch schwul ist, sagt: «Wenn es bei mir einmal so weit ist, möchte ich nicht etwas aufgeben, das ich bisher frei leben konnte.» Man schätzt, dass in der Schweiz demnach rund 143'000 über 65-Jährige schwul, lesbisch, bi- oder transsexuell sind. Die Vereinsgründer sagen, eine Umfrage habe gezeigt, dass sich viele Homosexuelle nicht mit dem Gedanken anfreunden können, in Pflegeinstitutionen zu ziehen, wo sie aufgrund ihrer sexuellen Orientierung ausgeschlossen werden. Homosexuelle, die jetzt ins Alter kommen gehören zur ersten Generation, die offen mit ihren Neigungen gelebt hat. Diese gewonnene Freiheit wollen sie sich in einer Alterswohnung nicht nehmen lassen. (wid)

(Erstellt: 26.10.2014, 07:00 Uhr)

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