Hintergrund

Essen für eine «bessere Welt»

Veganismus heisst Hollywoods neues Zauberwort. Was steckt hinter der radikalen Ernährungs- und Lebensweise und wie ernst ist es den Stars damit?

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Die als Teenie-Göre bekannt gewordene Schauspielerin («Clueless») Alicia Silverstone setzt sich für eine bessere Welt ein. Die 34-Jährige ist überzeugte Veganerin. Das heisst, auf ihren Teller kommt nichts, was im Entferntesten von Tieren stammen könnte. Keine Eier, kein Honig, keine Milch.

Menschen, die sich vegan ernähren, bezeichnet Alicia Silverstone als «Superhelden», denn laut Autorin entfesselt die vegane Ernährung «übernatürliche Kräfte». Und für diese «Superhelden» und solche, die es werden wollen, hat die Schauspielerin ein Kochbuch mit dem Titel «Meine Rezepte für eine bessere Welt» (Arkana Verlag) veröffentlicht. Nebst den positiven Nebeneffekten wie «mehr Energie, strahlende Haut und eine schlanke Figur» preist Silverstone auch den eigenen Umwelt-Beitrag an, denn wer sich vegan ernährt, schont die Umwelt und hilft «den Klimawandel zu stoppen».

Mehr als nur eine Ernährungsform

Denn Veganismus ist mehr als nur eine radikale Diät, es ist eine ethisch begründete Lebensweise, die die Nutzung von Tieren und tierischen Produkten konsequent ablehnt. Ein echter Veganer verzichtet also nicht nur beim Essen auf tierische Produkte, sondern auch im Alltag: Er trägt weder Pelz- noch Lederwaren, verzichtet sogar auf Wollsachen und benutzt auch nur tierversuchsfreie Medikamente, Kosmetika oder Putzmittel. Ob es allen Hollywoodstars, die sich im Augenblick als Veganer outen, derart ernst mit der radikalen Lebensweise ist oder ob sie einfach über allfällige Schönheitseingriffe mit der Begründung «ich ernähre mich vegan» hinwegtäuschen wollen, sei dahingestellt. Fest steht, dass in der Traumfabrik ein regelrechtes Vegan-Fieber ausgebrochen scheint: Natalie Portman, Alyssa Milano, Pamela Anderson oder Demi Moore – sie alle schwören auf die Loha-Diät, die Ernährungsweise der Anhänger des «Lifestyle of Health and Sustainability». Und dann kommen noch eine ganze Reihe von bereits bekennenden Yoga- oder Meditationsfans wie Moby, Jason Mraz oder Alanis Morisette dazu. Doch auch Männer wie Box-Legende Mike Tyson, den man nicht unbedingt als den typischen Gutmenschen bezeichnen würde, oder Ex-US-Präsident Bill Clinton gehören inzwischen zur Veganer-Gilde.

Verschiedene Formen des Veganismus

Letzterer bezeichnet sich allerdings selber als «fast Veganer», genauso wie Schauspielerin Reese Witherspoon, die wann immer es geht auf vegan setzt. Überhaupt umfasst der Veganismus verschiedene Formen: etwa den Bio-Veganismus, der aus rein biologischen und ökologisch korrekt angebauten Produkten besteht. Oder die äusserst extreme Form von Frutarismus – der Konsum von pflanzlichen Lebensmitteln, die nicht durch Zerstörung oder Schädigung der Pflanze gewonnen wurden: Kartoffeln sind für Frutarier ein No-go, weil die Wurzel der Pflanze beschädigt wird, Salat ist auch Tabu, weil die Blätter einer Pflanze beschädigt würden. Allerdings wird die Anzahl Frutarier laut Ernährungsexperten als äusserst klein geschätzt. Schon für Veganer ist es nicht einfach, sich korrekt zu ernähren. Silverstone lässt sich aus diesem Grund, wenn sie gerade am Filmset ist, von ihrer Assistentin vegane Gerichte zubereiten – die sie dann an die gesamte Crew verteilt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.05.2011, 15:46 Uhr

Jonathan Safran Foer: Der Autor von «Tiere Essen» brachte viele Leser dazu, sich nach der Lektüre vegetarisch zu ernähren. Natalie Portman wurde durch ihn sogar zur Veganerin. (Bild: Keystone )

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