«Fleisch essen wird einst so verpönt sein, wie betrunken Auto fahren»

Lord Nicholas Stern, einer der führenden Experten zur globalen Erwärmung, fordert den radikalen Verzicht auf Fleisch. Nur so könne der Klimawandel abgewendet werden. Fleischproduzenten sind empört.

Wir essen zu viel Fleisch: Ein Metzger zerteilt eine Sau.

Wir essen zu viel Fleisch: Ein Metzger zerteilt eine Sau. Bild: Keystone

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Ende 2006 rüttelte Lord Nicholas Stern die Welt auf, als der damalige Weltbank-Chefökonom den politischen Führern die wirtschaftlichen Kosten aufzeigte, die ein klimapolitisches Nichtstun mit sich brächte.

Jetzt macht der Weltklimaökonom wieder Schlagzeilen: Mit einem radikalen Vorschlag ruft er in der britischen Zeitung «Times» die Menschen zum Kampf gegen die Klimaerwärmung auf. Lord Nicholas Stern fordert im Interview, auf Fleisch gänzlich zu verzichten. Denn Fleischessen sei für unseren Planeten ungesund: Der Wasserverbrauch ist gigantisch und die bei der Produktion entstehenden Treibhausgase schaden dem Klima enorm.

«Die Fleischproduktion verursacht viel Methan und führt zu einem verschwenderischen Verbrauch von Ressourcen. Ein vegetarischer Lebensstil wäre besser», sagt Lord Stern. Methan (CH4) ist ein Treibhausgas und in seiner klimaschädlichen Wirkung viel stärker als Kohlendioxid (CO2). Klimaforscher stufen Methan in seiner klimaschädigenden Wirkung als 21 Mal so stark ein wie CO2.

Die steigende Anzahl von Rinderfarmen führen so zu einer Verstärkung des Treibhauseffektes. Ein Rind stösst aus dem Darm täglich etwa 150 bis 250 Liter Methan aus.

Fleischpreise erhöhen

Lord Nicholas Stern sagt: «Es ist wichtig, dass die Leute darüber nachdenken, was sie essen.» Und er prophezeit gar, dass der Fleischverzehr in Zukunft gesellschaftlich so geächtet sein wird, wie es heute das Autofahren in betrunkenem Zustand ist.

«Ich bin jetzt 61 und die Einstellung gegenüber Alkohol am Steuer hat sich seit meiner Studentenzeit radikal verändert», so Lord Stern. Der Ökonom rät den Teilnehmern der Weltklimakonferenz Ende Dezember in Kopenhagen, darauf hinzuwirken, dass die Preise für Fleisch erhöht werden.

Die Fleischproduzenten reagieren empört auf den Vorschlag von Lord Stern. Jonathan Scurlock, vom britischen Verband National Farmers Union, sagt: «Es ist keine Lösung, wenn jetzt alle Vegetarier werden.» (bru)

(Erstellt: 30.11.2009, 11:45 Uhr)

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