«Flirten ist trainierbar»

Harzt es in Herzensdingen, weiss der Dating-Coach weiter. Unser Autor wagte den Selbstversuch und verabredete sich mit Flirt-Expertin Chantal Heller.

«Der Mann ist der Jäger»: Chantal Heller beim Test-Date.

Nicola Pitaro

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Chantal Heller ist eine gross gewachsene, attraktive Blondine. Und ich bin ihr Versuchskaninchen. Das Date findet über Mittag in der Rio-Bar statt. Die Wahl des Lokals gibt Abzüge. Der Ort sei nicht ideal für ein erstes Treffen, wird Chantal Heller bei der Manöverkritik sagen: «Es ist nicht gemütlich.» Und tatsächlich braust just in dem Moment eine Ambulanz über die Gessnerbrücke und stört mit lautem Sirenengeheul die junge Zweisamkeit. Man solle besser in eine Bar gehen, wo man ungestört miteinander reden könne. Diskretion sei wichtig. Warum nicht in eine Lounge? Sie empfiehlt das Frascati im Seefeld. «Es darf schon etwas romantisch sein.»

Imponiergehabe bringt nichts

Ich bezahle Chantal Hellers Mineralwasser und frage sie, wie ihr Wochenende war. Entspannt, wie meines auch. Dann reden wir übers Reisen und unsere Berufe. Der Smalltalk funktioniert ziemlich gut. Kommunikation dürfe nie einseitig sein. Sie sei, wie alle Liebesdinge, ein Geben und Nehmen. Viele Männer hätten die Tendenz, eine Frau vollzuschwafeln. Dabei würden die Frauen gar nicht auf solches Imponiergehabe stehen. «Echtes Interesse am Gegenüber zu zeigen, ist viel wichtiger, als sich selber möglichst gut zu verkaufen.»

Chantal Heller ist diplomierte Imageberaterin und zertifizierte Kniggetrainerin. Seit 2002 verhilft sie Menschen zu einem sichereren Auftritt. Vor anderthalb Jahren kam ihr die Idee, auch Singles zu beraten. Einen hoffnungslosen Fall habe sie noch nie erlebt. «Die richtig harten Knacknüsse kommen nicht zu mir.» Kunden, die beim Test-Date vor lauter Zittern die Kaffeetasse kaum heben können, bietet Heller Lektionen an, um Selbstvertrauen zu tanken. Flirten und Daten könne und müsse man trainieren, sagt Chantal Heller. «Man muss rausgehen. Der Traumprinz wird nicht an die Tür klopfen.» Meistens reiche ein Lächeln, das erwidert wird, um ins Gespräch zu kommen.

Die Dating-Trainerin ist zufrieden mit mir. Der erste Eindruck habe gepasst. Bei der Begrüssung sei mein Händedruck nicht zu schwach gewesen, aber auch nicht zu fest. Daraus schliesst Chantal Heller: Ich sei weder unsicher noch dominant veranlagt. Bei Männern wie mir geniesse die Frau ein Mitspracherecht. Auch an meiner optischen Erscheinung – Hemd, Jeans, Halbschuhe – gebe es nichts zu beanstanden, sagt sie: «Die ist absolut gut.» Mein Gesichtsausdruck sei freundlich und offen, was für ein erfolgreiches Rendezvous von zentraler Bedeutung sei. «Trägt einer ein Gesicht zur Schau, als ob nächstens die Welt untergehen würde, löscht es dem Gegenüber schnell einmal ab.»

Flirten ist trainierbar

Als sich der Himmel über Zürich schliesst und ein kühler Wind über die Sihl fegt, frage ich Chantal Heller, die über ihrer Bluse nur einen schwarzen Blazer trägt, ob sie gerne nach drinnen wechseln würde. Sie will. Und notiert: «aufmerksam». Weniger gut ist meine Sitzhaltung: Die Hände baumeln verloren unter der Tischplatte oder liegen unmotiviert auf den Oberschenkeln. Die Hände gehören aber auf den Tisch, sagt Chantal Heller. «Sonst hat man das Gefühl, da versuche jemand etwas zu verbergen.»

Bei der Verabschiedung ist es dann am Mann, den – sofern vorhandenen – Wunsch nach einem baldigen Wiedersehen zu äussern. «Der Mann ist der Jäger, er soll sich bemühen», sagt Heller. Viele Frauen hätten von ihren Müttern gelernt: «Renne nie einem Mann nach!» Aus Angst vor einem Korb würden Männer sich jedoch oftmals zu passiv verhalten. Abwarten bringe aber nichts. Und ein Zappelspiel noch viel weniger. Laut Heller könne man bereits nach dem ersten Date am Gesichtsausdruck des Gegenübers erkennen, ob Interesse an einem Wiedersehen bestehe. Und falls man glaubt, in den Pupillen des anderen kleine rote Herzen blinken zu sehen, soll man fragen: «Wie siehts aus? Hast du nächste Woche schon was vor?»

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Erstellt: 27.04.2010, 06:15 Uhr

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