«Für Frauen fängt mit 50 das Leben noch einmal richtig an»

Die zweite Scheidung, Erschöpfung, schwindende Lust, Schriftstellerin zu sein: Im neuen Buch «Das Glück sieht immer anders aus» schreibt Milena Moser (51) über die Überwindung ihrer Lebenskrise.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Milena Moser, sind Sie jetzt glücklich?
Milena Moser: Ja. Wobei das Glück kein Dauerzustand ist. Es ist eher eine Ansammlung von Momenten. Aber meine Fähigkeit, die glücklichen Momente wahrzunehmen, ist sehr gestiegen, seit ich mich entschieden habe, wieder nach Amerika zu gehen. Doch, who knows, vielleicht bin ich in einem Jahr Grossmutter, und dann komme ich wieder zurück.

Glück heisst für Sie also, Glücksmomente wahrzunehmen?
Ich glaube schon. Je weniger man gegen die eigene Natur lebt, desto häufiger sind die Momente, in denen man gar nicht darüber nachdenkt, ob man glücklich ist. Wie der Fisch im Wasser.

Ist das für Sie neu?
Es ist eine Entwicklung. Als ich jung war, wollte ich nie etwas anderes als Schriftstellerin sein. Ich hatte das Gefühl, wenn ich einmal ein Buch veröffentliche, bin ich für immer glücklich. Oder wenn ich eine Familie habe. Wenn ich ein Kind habe. Wenn ich noch ein Kind habe. Wenn ich heirate. All das stimmte auch, aber es war nicht nachhaltig. Zum Glücklichsein braucht es eine Grundbasis, die man sich selber schaffen muss. Wobei, ich bin keine Selbsthilferatgeberin.

Entspricht das noch immer Ihrem «Schlampenideal»?
Für mich war die «Schlampe» immer ein Gegenprogramm zu den weiblichen Idealen. Zum einen gab es das Hausfrauen-Mutter-Ideal, das in der Schweiz immer noch sehr verbreitet ist. In den 80er-Jahren kam die Superfrau auf, die tough ist, berufstätig ist, gut aussieht und alles im Griff hat. Dann gab es auch das feministische Ideal, dass Frauen bessere Menschen sind und keine Gewalt kennen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, wir haben ja überhaupt keine Chance. Wo man sich hinwendet, selbst als Punk, muss man einem Ideal entsprechen.

Und die «Schlampe»?
Die «Schlampe» war die Frau, die sagt, es tut mir leid, ich mache, was ich kann, aber es reicht halt nicht für ein Ideal. Das konnte ich relativ lange für mich in Anspruch nehmen. Der Ausdruck kam ursprünglich aus der Schwulenszene, er war zärtlich gemeint, man bezeichnete eine Freundin damit. Aber während ich das erste Mal in Amerika war, hat der Begriff gerade unter jungen Frauen die sexuelle Bedeutung wieder angenommen. Seither brauche ich den Begriff nicht mehr.

Den Inhalt, das Gegenprogramm zu den Idealen, aber schon?
Das ist mein Thema. Versucht man, einem Ideal zu entsprechen, ist das ein sicherer Weg zum Unglück.

Hat sich in den letzten Jahren Ihr Gegenprogramm geändert?
Manche Dinge sind die Konsequenz davon. Je älter ich werde, desto weniger Energie habe ich auch, um an etwas festzuhalten, was nicht stimmt.

Die berühmte Midlife-Crisis?
Ich bin ja jetzt schon älter als 50 und habe nicht vor, 104 zu werden. Von daher finde ich Midlife ein bisschen hoch gegriffen. Bei Midlife-Crisis denkt man an Sportwagen und Blondinen. Eine klassische Midlife-Crisis bedingt, dass das Leben vorher viel gradliniger verlaufen ist. Die Midlife-Crisis ist dann wirkliche ein Umbruch oder ein Ausbruch. Mein Leben verlief immer in nicht allzu starren Bahnen. Aber die letzten Jahre waren sicher eine Umbruchphase, und das war nicht immer angenehm.

Sie haben Ihre zweite Scheidung überwunden. War das anders als bei der ersten Scheidung?
Beim ersten Mal dachte ich noch, beim nächsten Mal schaffe ich es. Ich habe mit 21 das erste Mal geheiratet und war mit 24 wieder geschieden. In diesem Alter hatte ich das Gefühl, es liegt noch alles vor mir. Das zweite Mal war viel stärker ein persönliches Scheitern. Ich wollte unbedingt eine richtige Familie haben. Es war sehr schwer, mir einzugestehen, dass ich das nicht geschafft habe.

Ist eine neue Liebe noch ein Thema?
Check! (Macht in der Luft ein Häkchen und strahlt.) Ich bin total verliebt. Am 15. August habe ich mein Manuskript abgegeben, und am 16. August habe ich mich verliebt und bin sehr glücklich. Ich bin eine totale Romantikerin, das war ich immer schon. Die Vorstellung von der grossen romantischen Liebe habe ich nie ganz aufgeben können.

Verändert sich das Verliebtsein mit dem Alter?
Nein, dünkt mich nicht.

Ändern sich die Erwartungen?
Jedes Mal, wenn ich mich verliebt habe, hatte ich das Gefühl, das ist es jetzt, für immer und ewig. Wenn man jung ist, hat das eine logische Konsequenz: Zusammen wohnen, heiraten, Kinder machen. Das ist in meinem Alter nicht mehr so, es gibt biologische Grenzen.

Bedauern Sie das?
Ich denke eher, ich könnte ja noch mal Grossmutter werden. Aber: kein öffentlicher Druck auf meine Söhne. Ich habe zwei Kinder, die sind super.

Sie sind jetzt 51, was bedeutet dieses Alter für Sie?
Meine Mutter war ein gutes Vorbild. Sie hat immer gesagt, für eine Frau fängt mit 50 das Leben noch einmal so richtig an. Sie meinte natürlich, für eine Frau mit Kindern. Man muss im Alltag nicht mehr für die Kinder da sein. Das gibt Freiheiten.

Und körperlich?
Auch mit der Menopause. Für mich ist jede Hitzewallung eine Erinnerung an all die Energie, die jetzt frei ist: Mach etwas! Mach etwas! Mach etwas! Ich habe mich immer darauf gefreut, 50 zu werden. Das war aber nicht nur angenehm: Was, wenn da nichts ist? Was, wenn ich nichts will? Wenn ich nichts kann? Wenn da nichts mehr kommt?

Die wenigsten freuen sich auf Hitzewallungen.
Meine Bühnenpartnerin Sybille Aeberli hat einen Rocksong geschrieben, «Feel the Heat». Sie ging sehr frei und offen damit um. Als bei mir die erste Wallung kam, war ich fast stolz. Wie mit der Mens in der Pubertät – (lacht zum Fotografen) sorry –, wenn man zu der besten Freundin rennt: Juhui, ich bin auch im Club.

Die Freude über die Veränderung?
Ja. Man sagt ja immer, Männer haben einen Riesenvorteil, dass sie bis 100 noch Kinder zeugen können. Ich finde, das ist überhaupt kein Vorteil. Ich finde es sehr angenehm, dass sich das für uns Frauen irgendwann mal erledigt. Wie immer schmerzhaft es dann ist. Aber man kann sich mit etwas anderem befassen.

Ist das auch für eine neue Partnerschaft eine Befreiung?
(überlegt) Ja. Seit langem ist es das erste Mal, dass ich verliebt bin, eine Beziehung habe, bei der die Kinder nicht hineinspielen. Vielleicht fühlt es sich deshalb so pubertär an. Freiheit, Freiheit im hohen Alter.

Sind Sie stolz auf Ihren Mut, mit 50 allein nach Amerika auszuwandern?
Eher erleichtert. Stolz nicht unbedingt. Wir haben ja schon mal 8 Jahre da gelebt. Es ist eher ein Zurückgehen zu etwas, von dem ich immer gewusst habe, da ist etwas noch nicht fertig.

Was bedeutet Heimat für Sie?
In den Jahren, in denen ich wieder zurück in der Schweiz war, habe ich gemerkt, dass ich überall leben kann. Das ist ein sehr gutes Gefühl. Ich kann mich überall zurechtfinden, mich wohl fühlen, Beziehungen knüpfen, mich in die Gesellschaft einfügen. Aber es braucht immer eine gewisse Grundanstrengung. Der einzige Ort, an dem das nicht so ist, war bisher San Francisco. Und in Santa Fe ist das jetzt noch stärker. Es ist ein Gefühl, wie wenn man zu Hause im Pijama sitzt. Die absolute Entspannung.

Wie einfach ist es für Sie, sich in Santa Fe zu integrieren?
Am Anfang ist es immer einfach, weil die Leute sehr offen sind. Aber Santa Fe ist ein hartes Pflaster, schon vom Klima her. Im Sommer ist es irrsinnig heiss, im Winter irrsinnig kalt. Doch die Leute sind extrem hilfsbereit, es gibt dort noch Pioniergeist. Man muss sich aber auch beweisen. Die, die im Winter auch dort sind, oder im Frühling, wenn es die Frühlingsstürme gibt, alle rote Augen von den Pollen haben und alles nicht so romantisch und schön ist, die halten dann zusammen.

Sie können tiefere Beziehungen mit Amerikanern knüpfen?
Beziehungen mit Amerikanern sind immer sehr verbindlich, wenn man da ist, aber man pflegt sie nicht wie in der Schweiz. Wenn du da bist, bist du da, wenn du nicht da bist, bist du nicht da. Das hat etwas sehr Pragmatisches, was ich schätze. Auch etwas Informelles.

Und Ihre Freundschaften in der Schweiz?
Es gibt Freundschaften, vor allem als die Kinder klein waren, die stark auf dem gemeinsamen Alltag basieren. Sie haben nicht überlebt. Andere Freundschaften sind tiefer geworden, durch das Schreiben, durch Besuche, dadurch, intensive Zeit miteinander zu verbringen.

Haben wir andere Erwartungen an Freundschaften?
Ja. Aber es ist auch eine Altersfrage. Gewisse Sachen habe ich in Amerika gelernt. Ich erlaube mir zum Beispiel, etwas abzusagen. Wenn ich nicht mag, wenn ich zu viel zu tun habe oder krank bin, rufe ich an und sage «Du, es tut mir total leid», ohne eine Ausrede zu erfinden. Oder wenn jemand zum Essen kommt, sage ich «Du, es hat zum Kochen nicht gereicht, aber es gibt eine Pizza». Das hätte ich früher nicht gemacht.

Was sagen Ihre Freunde dazu?
Die sagen «Wow, das will ich mich auch mal trauen». Vor allem Frauen. Es geht ja darum, dass man Zeit zusammen verbringt, und nicht, dass das Tischtuch zu den Servietten passt. Der Perfektionswahn in der Schweiz ist schon erschreckend. Mir ist das erst stärker bewusst geworden, als ich aus San Francisco zurückgekommen bin und dem eine Zeit lang nicht ausgesetzt war.

Santa Fe ist ein hartes Pflaster, gerade auch, was die soziale Sicherheit angeht. Wie gehen Sie damit um?
In der Schweiz arbeite ich mit schwachen Schulklassen. Das mache ich extrem gerne. Vielleicht kann ich dieses Projekt exportieren. Schreibförderung ist ja nicht sprachgebunden. Und die Schulen in Santa Fe sind eine Katastrophe. Es gibt dort noch viel mehr Jugendliche, die Probleme haben: Drogen, kein Geld, Schwangerschaften. In Rankings steht Santa Fe überall an der letzten Stelle in den Vereinigten Staaten. Wenn ich weniger darauf angewiesen bin, Geld zu verdienen, kann ich es mir leisten, etwas Ehrenamtliches zu machen. Probiert man, etwas dagegen zu tun, ist es einfacher, die soziale Ungerechtigkeit auszuhalten.

Wie wird es für Sie sein, in den USA zu leben, wenn Obama nicht mehr Präsident ist?
Ich habe während der Bush-Jahre in den USA gelebt. Da habe ich gemerkt, dass die Regierung und die Bevölkerung nicht gleichzusetzen sind. Es ist ein bisschen so, wie wenn man sagen würde: «Wie kannst du in der Schweiz leben, wo es einen Herrn Blocher gibt?». Was ich an Amerika schätze, hat vor allem mit den Leuten zu tun. Was man hier in den Nachrichten hört und sieht, habe ich im Alltag nie so erlebt. Und wieso haben Sie jetzt ein Buch über ihre Reise und den Entscheid, nach Amerika auszuwandern, geschrieben?
Die Reise war für mich sehr wichtig. Das Aufschreiben war Teil des Verarbeitungsprozesses. Interessant war, dass mein Verleger und mein Agent, beide Männer und beide 10 Jahre jünger, fanden: «Ui, das ist spannend, das will ich unbedingt lesen.» Ich bin ehrlich gesagt überrascht, dass das Buch jetzt so viel Aufmerksamkeit bekommt.

Was ist die Herausforderung bei einem autobiografischen Buch?
Auf den ersten Blick sieht es aus, als würde ich mehr von mir preisgeben als im Roman. Das stimmt aber nicht. In einem Roman weiss ich nie genau, was ich preisgebe, das passiert unbewusst. Im autobiografischen Schreiben ist die Entscheidung, was ich schreibe und was nicht, viel bewusster. Es ist nichts erfunden, aber viel ist ausgelassen oder komprimiert.

Eine Ihrer Freundinnen im Buch sagt, Schreiben sei Heilung. Gilt das auch für Sie?
Heilung, weiss ich nicht. Aber sicher Klärung. Durch die Zeit, die vergangen ist, aber auch durch das Aufschreiben und das Ordnen der Ereignisse sehe ich plötzlich einen Faden, der sich durchzieht. Dann denke ich «Ah, doch, so macht das eigentlich Sinn» oder «Ah, darum musste das so sein, damit nachher das passiert. Ist ja eigentlich super». Das hat mir sehr geholfen, mit der Trennung abzuschliessen und meine Erschöpfungszustände zu akzeptieren.

Geht es bei den fiktiven Texten auch um Klärung?
Da ist das Schreiben eher ein Rausch oder ein Trip. Ich weiss ja selber nie, was als Nächstes passiert. Das Erfinden gibt mir einen ungeheuren Kick. Und über das Leben mit den Figuren habe ich relativ wenig Kontrolle. In eine andere Welt einzutauchen hat etwas sehr Suchtartiges. Nicht, dass es immer nur angenehm wäre. Aber es ist magisch. Und viel weniger analytisch.

In Ihren Texten schwingt viel Ironie mit. Was bedeutet Ihnen die Ironie?
Das ist eine Lebenshaltung. Es ist meine Art, mit Sachen umzugehen. Ich weiss nicht, wie man ohne ein bisschen Humor, vor allem ohne über sich selber zu lachen, durchs Leben kommen soll.

Und Ihre vielen Krisen sind keine Koketterie, kein Stilmittel fürs Buch?
(lacht schallend) Das wäre super. Doch vielleicht, das gäbe doch den Krisen einen Sinn. Nein, das Leben ist halt so.

Haben Sie mehr Pech als andere?
Im Gegenteil. Ich finde, ich habe mehr Glück als andere, und zwischendurch passiert halt etwas. Es ist eher meine Haltung. Ich probiere nicht, etwas zu beschönigen, etwas glattzustreichen, eine perfekte Oberfläche herzustellen. Aber: Ich finde ehrlich gesagt, mein Leben ist dramaturgisch nicht wahnsinnig durchdacht. Es könnte sich ein bisschen mehr Mühe geben mit dem gezielten Einsatz der Krisen. Man könnte den Rhythmus ein bisschen anders machen.

Gewisse Erlebnisse haben eine hohe Wiedererkennbarkeit. Haben Sie keine Angst vor Klischees?
Offensichtlich nicht. Dieses Thema verfolgt mich seit meinen ersten Büchern vor 25 Jahren. Ich habe nie ganz verstanden, was damit gemeint ist.

Die Wiedererkennbarkeit.
Das ist keine bewusste Entscheidung. Ich erzähle einfach, wie es für mich war. Wenn sich die Leute wiedererkennen, umso besser. Bei meinen Kolumnen habe ich sehr deutlich gemerkt: Je näher ich bei mir bleibe, umso mehr Leute erkennen sich in der Essenz des Erlebten wieder. Das ist etwas Schönes. Schreiben ist eine Form von Kommunikation. Man muss wirklich etwas von sich preisgeben. Ich glaube, die Leute erkennen sich im Menschlichen: in der Unsicherheit, in den Zweifeln, im Humor oder im Grössenwahn. Was immer es für menschliche Emotionen sind.

Für wen schreiben Sie?
Zuerst einmal für mich.

Im Buch sagen Sie, Sie schreiben gerne, sind aber nicht gern Schriftstellerin..
nicht mehr.

Muss man Angst haben, dass es keine neuen Bücher mehr geben wird?
Bücher wird es vermutlich immer geben. Aber letztes Jahr an der Buchmesse Leipzig hatte ich plötzlich das Gefühl, das habe ich alles schon mal gemacht. Das hat mich sehr erschreckt. Seit ich 8 bin, will ich Schriftstellerin werden. Das plötzliche Gefühl, dass ich nicht mehr sicher bin, ob mich das noch erfüllt, war ein erschreckender Moment. Aber dann gab es eben auch wieder die Freiheit darin. Was bleibt denn noch? Das Schreiben bleibt.

(Berner Zeitung)

(Erstellt: 23.02.2015, 15:05 Uhr)

Das neue Buch

Drei Monate auf Reisen, ein Roadtrip durch Amerika, um sich selber neu zu erfinden: Milena Moser hat immer davon geredet, zu ihrem 50.Geburtstag setzt sie ihr Vorhaben um. Die Trennung von ihrem zweiten Ehemann liegt hinter ihr, ist aber noch nicht ganz vergessen. Milena Moser will wieder glücklich sein, sie will tanzen, will sich neu verlieben. Um herauszufinden, was Glück sein könnte, besucht sie auf ihrer Reise durch die Vereinigten Staaten befreundete Paare, die, so meint sie, es geschafft haben, glücklich zu sein.

Doch dann kommt alles anders. In Santa Fe, einem Wüstenstädtchen in New Mexico, auf 2200 Metern über Meer, verliebt sich Moser nicht in einen Mann, sondern in ein winziges Häuschen. Wider alle Vernunft ringt sie sich zu dem Entscheid durch, das Haus zu kaufen, und damit auch, nach Amerika zurückzukehren. Moser hat mit ihrem Exmann
und ihren beiden Söhnen schon einmal 8 Jahre in San Francisco gelebt. Doch mit dem Entscheid fangen die Probleme erst richtig an. Das Buch aber, in dem sie über ihre Suche und über ihre Reise schreibt, wird lebensnäher.

«Das Glück sieht immer anders aus»: Milena Moser, Nagel& Kimche, 224 Seiten. Lesung: Di, 31.3., 20 Uhr, Buchhandlung Stauffacher, Neuengasse, Bern.

Milena Moser im Gespräch

Zum Treffen lädt Milena Moser in ihre Schreibstube in einem Hinterhof in der Aarauer Altstadt: ein kleines, leicht zu übersehendes Häuschen, das früher von einer Confiserie genutzt wurde. Heute gibt die 51-Jährige Schriftstellerin in dem schlichten Raum Schreibkurse, in einem Nebenraum hat sie ihr eigenes Schreibatelier eingerichtet. Eine Bildergalerie ziert die Wand, darunter eine Schwarzweissfotografie ihres älteren Sohnes von einer gemeinsamen Reise nach New York, eine von ihrem Haus in San Francisco. Auf kommenden Juli hat Milena Moser die Schreibstube und ihre benachbarte dreistöckige Wohnung gekündigt. Milena Moser macht eine Geste, wie wenn ihr jemand an die Gurgel wollte: In der verbleibenden Zeit muss sie sich von praktisch ihrem ganzen Besitz trennen. Ihr neues Haus in Santa Fe ist kaum grösser als das Schreibatelier, zudem möbliert, die Miete eines Einstellraumes würde ihr «schönes Projekt», von der Miete ihres Hauses in San Francisco zu leben, zerstören. Mitnehmen kann sie nur, was in zwei Koffer passt: beängstigend und befreiend.

Milena Moser redet oft mit ihren grossen, kräftigen Händen, immer wieder bricht ihre lebhafte Energie hervor. Das sind Momente von charismatischer Schönheit. Als sie von ihrem «Schlampen»-Gegenprogramm erzählt, kommt sie in Fahrt, bei der Frage nach ihren vielen Krisen wirft sie den Kopf in den Nacken und bricht in schallendes Gelächter aus. Milena Moser wirkt sehr offen und ehrlich, sie nimmt sich Zeit, Fragen zu beantworten. Im Allgemeinen aber wirkt sie müde. Es ist nicht der Jetlag, vermutlich sind es auch nicht die Nachwehen einer Grippe. Eher ist es die Veränderung, die noch nicht ganz abgeschlossen ist. Und die Tatsache, dass sie mit Ihrem neuen Buch und vielen Terminen wieder als Schriftstellerin unterwegs ist.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Kostenlose E-Books

Laden Sie in unserem Weiterbildungs-Channel kostenlos Ebooks herunter.

Werbung

Kommentare

Service

Für Selbstständige und KMU

Tragen Sie Ihre Firma im neuen Marktplatz des Tages-Anzeigers ein.

Die Welt in Bildern

Wimmelbild: In Jakarta, Indonesien, protestieren Gewerkschaftsmitglieder gegen eine Steueramnestie für die Regierung. Ein Polizist bahnt sich ein Weg durch die demonstrierende Menschenmasse. (29. September 2016)
(Bild: Darren Whiteside) Mehr...