Leben

Hotel Schweizerhof Bern und die Legende um Jack Gauers Hoteltresor

Von Nina Merli. Aktualisiert am 22.06.2011

Das historische Hotel Schweizerhof Bern feiert diesen Freitag mit grossem Pomp seine Wiedereröffnung. Es ranken sich viele Legenden um das historische Hotel. Brancheninsider Max Keller erzählt eine davon.

1/7 Das Hotel Schweizerhof in den 1950er-Jahren: mit VW-Bus, Studebaker-Auto, oberirdischer Solothurn-Zollikofen-Bern-Bahn (SZB) und vielen (!) Parkplätzen. (zvg)

   

Max Keller

Max Keller wurde 1943 am Bodensee geboren und wuchs dort auf. Während Jahren war er in verschiedene Funktionen in europäischen Luxushotels und als Generaldirektor in den führenden Häusern von Hongkong, St. Moritz und Wien tätig. Vor zwei Jahren erschien sein Buch «Via St. Moritz nach Hongkong und zurück – Hotelgeschichten». Seit Ende 2008 lebt er mit seiner Frau im Südwesten von Seeland in Dänemark.

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Mit Ursula Andress und Topmodel Julia Saner als Patinnen feiert das Hotel Schweizerhof Bern mit einer «Grand Opening Night» für geladene Gäste seine Wiedereröffnung. Zwei Jahre lang war das geschichtsträchtige Hotel am Bahnhofplatz 11 in Bern wegen Umbau geschlossen, nachdem die Zukunft des Hotelbetriebes mehrere Jahre ungewiss gewesen war und nur dank Investoren aus Katar gesichert werden konnte .

Geprägt hatte den Schweizerhof seinerzeit vor allem Jack Gauer, der zu Beginn des Zweiten Weltkrieges das Hotel gekauft hatte und die goldene Ära des Schweizerhofs einläutete. Über diesen Kauf kursierte in der Branche jahrelang ein Gerücht. Dieses wird Tagesanzeiger.ch/Newsnet aus erster Hand von Max Keller, ehemaligem Hoteldirektor verschiedener Luxushotels im In- und Ausland und Autor des Buches «Via St. Moritz nach Hongkong und zurück – Hotelgeschichten», mit dem Vermerk «Se non è vero, è ben trovato!» («Wenn es nicht wahr ist, so ist es doch gut erfunden») verraten:

Die Tresor-Legende

«In Sachen Schweizerhof Bern kommt mir lediglich eine Geschichte über dessen Erwerb durch Jack Gauer in den Sinn. Eine Geschichte, die noch während Jahren kursierte. Ob Jägerlatein oder Tatsache, das kann ich nicht beurteilen – sehr wohl möglich gewesen ist sie aber schon.

Während des Zweiten Weltkrieges waren sehr viele, wenn nicht gar die meisten der Schweizer Hotels arg vernachlässigt, komplett heruntergekommen und nicht wenige in Nachlassverfahren oder gar in Konkurs. Dazu gehörte auch der Schweizerhof in Bern.

Sehr verdient gemacht hat sich in jener Zeit ein gewisser Oskar Michel, Sohn einer Hotelierfamilie, Direktor der Schweizerischen Hoteltreuhandgesellschaft. Er hat nicht nur viele Hotels vor dem kompletten Verschwinden bewahrt, sondern auch mehreren, damals jungen und engagierten Hoteliers den Weg ins selbstständige Unternehmertum ermöglicht, indem er durch Bürgschaften diesen damals jungen Berufsleuten, den Erwerb von solch heruntergekommenen Objekten mit sehr geringen Eigenmitteln ermöglichte (er verhalf übrigens auch Ernst Scherz zum Gstaad Palace).

Jack Gauer arbeitete als junger Mann für das Grand Hotel des Wagons-Lits in Peking (wie es damals noch hiess). Durch die Kriegswirren war er gezwungen, in die Schweiz zurückzukehren. Sein persönliches Hab und Gut soll damals hauptsächlich aus erworbenen Chinoiserien bestanden haben, die aber auf dem Rücktransport einer Havarie zum Opfer fielen.

Man erzählte sich, dass er mit zehntausend Franken und den Bürgschaften von Oski (wie er in der Branche bekannt und legendär war) Michels Hoteltreuhand den Schweizerhof in Bern kaufen konnte. Nach erfolgter Überschreibung soll sich Jack Gauer an eine detaillierte Inventaraufnahme gemacht haben und dabei in einem Büroraum hinter einem Bild einen eingelassenen Tresor gefunden haben. Da leider keine passenden Schlüssel dazu gefunden werden konnten, brach er diesen auf und fand darin fünfzehntausend Franken in bar. Womit sein persönlicher Einsatz abgedeckt war und ihm ein zusätzliches Startgeld von fünftausend Franken blieb – für jene Zeit und damalige Verhältnisse keine unbedeutende Summe.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.06.2011, 16:18 Uhr

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