Leben

Jede fünfte Person in der Schweiz ist konfessionslos

Aktualisiert am 19.06.2012 139 Kommentare

Die Zahl der Personen, die keiner Kirche angehören, hat sich im letzten Jahrzehnt fast verdoppelt. Besonders vom Mitgliederschwund betroffen sind die beiden grossen Landeskirchen.

Die Reihen in den Kirchen-Holzbänken lichten sich: Ein Gottesdienstbesucher faltet die Hände zum Gebet. (18. Oktober 2009)

Die Reihen in den Kirchen-Holzbänken lichten sich: Ein Gottesdienstbesucher faltet die Hände zum Gebet. (18. Oktober 2009)

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Die Kirche findet immer weniger Zuspruch: In der Schweiz ist jede fünfte Person ab 15 Jahren konfessionslos. Zu diesem Ergebnis kommt das Bundesamt für Statistik (BFS) nach einer Auswertung der Strukturerhebung 2010.

Ende 2010 waren in der Schweiz demnach über 1,3 Millionen Personen oder 20,1 Prozent konfessionslos. Im Jahr 2000 hatte das BFS im Rahmen der Volkszählung rund 664'000 Konfessionslose gezählt, wie es heute mitteilte. Damals betrug der Anteil der Konfessionslosen 11,4 Prozent.

In der Altersgruppe der 25- bis 44-Jährigen gehörte per Ende 2010 sogar jede vierte Person keiner Kirche an. Am wenigsten Konfessionslose gab es unter den Senioren: In der Altersgruppe ab 65 Jahren betrug ihr Anteil 11,3 Prozent.

Die Konfessionslosen sind auch bezüglich ihres Denkens keine einheitliche Gruppe, wie Roger Husistein vom Schweizerischen Pastoralsoziologischen Institut sagt. Tendenziell seien sie überdurchschnittlich gut ausgebildet.

Strikte Ablehnung selten

«Personen, die Religion strikt ablehnen, sind auch bei den Konfessionslosen nur in der Minderheit», erklärte der Religionswissenschaftler. Ein Teil von ihnen pflege alternative Formen von Religiosität.

Die grosse Mehrheit gehöre jedoch – ebenso wie ein grosser Teil der Katholiken und der Reformierten – zur Gruppe der «Distanzierten». Husistein verweist in dem Zusammenhang auf eine Studie des Nationalen Forschungsprogramms «Religionsgemeinschaften, Staat und Gesellschaft» aus dem Jahr 2011.

Gemäss dieser Studie verfügen die «Distanzierten» über gewisse religiöse und spirituelle Vorstellungen, die in ihrem Leben allerdings nicht besonders wichtig sind. Am meisten Konfessionslose leben in den Kantonen Basel-Stadt und Neuenburg, wo sie 2010 einen Anteil von 42,2 Prozent respektive 37 Prozent ausmachten.

Am meisten Katholiken

Die grösste Konfessionsgruppe der Schweiz bildete gemäss BFS auch im Jahr 2010 die römisch-katholische Kirche. Sie erreichte einen Anteil von 38,8 Prozent oder rund 2,5 Millionen Mitglieder über 15 Jahre. Zur evangelisch-reformierten Kirche gehörten zu dem Zeitpunkt rund 2 Millionen Personen, dies entspricht einem Anteil von 30,9 Prozent.

Beide grossen Landeskirchen mussten gemäss BFS in den letzten zehn Jahren ein Stück des Kuchens an andere Gemeinschaften respektive die Konfessionslosen abgeben. Im Jahr 2000 hatte der Anteil der Katholiken rund 42,2 Prozent betragen. Im Vergleich zu 2010 verloren sie somit 3,4 Prozentpunkte. Der Anteil der Reformierten sank zwischen 2000 und 2010 um 3,1 Prozentpunkte.

Islamische Gemeinschaften mit Zuwachs

Die islamischen Glaubensgemeinschaften machten Ende 2010 einen Anteil von 4,5 Prozent aus, das sind 0,9 Prozentpunkte mehr als im Jahr 2000. Die muslimische Glaubensgemeinschaft ist eher jung: In der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen war der Anteil der Muslime mit 7,7 Prozent deutlich höher als in den anderen Altersgruppen.

Ganz anders zeigt sich das Bild bei der evangelisch-reformierten Kirche, die stärker überaltert ist. In der Altersgruppe 65 Jahre und älter war der Anteil Reformierter 2010 mit 41,9 Prozent am höchsten – dort war selbst die katholische Kirche mit einem Anteil von 41,6 Prozent schwächer vertreten. Die Muslime in dieser Altersklasse machten gerade einmal 0,7 Prozent aus. Die jüdische Gemeinde blieb zwischen den Jahren 2000 und 2010 mit einem Anteil von 0,2 Prozent stabil.

Die Strukturerhebung ist eine neue, 2010 im Rahmen der modernisierten Volkszählung eingeführte jährliche Stichprobenerhebung. Sie beruht auf einer Stichprobe des BFS von mindestens 200'000 Personen (2,7 Prozent der Wohnbevölkerung). Nicht erfasst werden in der Strukturerhebung alle Personen, die jünger sind als 15 Jahre, sowie sogenannte Kollektivhaushalte wie Altersheime oder Gefängnisse. (rbi/sda)

Erstellt: 19.06.2012, 19:52 Uhr

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139 Kommentare

Marco Iten

19.06.2012, 20:02 Uhr
Melden 163 Empfehlung 0

Hervorragend!
Es wird auch höchste Zeit, dass die Schweizer hier mal vorwärts machen. Mitglied einer Religion hat nichts mit glauben zu tun. Wer an einen Gott glauben will, kann das doch prima auch tun, ohne den Vatikan Steuer zahlen zu müssen. Leider zahlen immernoch sehr viele Kirchensteuer, obwohl sie nichtmal an Gott, Jesus oder ähnliches glauben...
Antworten


Thomas Tschan

19.06.2012, 19:58 Uhr
Melden 138 Empfehlung 0

Wenn ich schaue, wie viel die Kirchensteuer vom Einkommen wegfrisst und dies ins Verhältnis zu dem setze, was ich persönlich als Nutzen davon habe, so stelle ich ein krasses Missverhältnis fest. Ergo war ein Austritt aus der Kirche nichts als naheliegend. Antworten



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