Jeder dritte Hund ist zu fett
Von Roger Zedi. Aktualisiert am 24.02.2009 3 Kommentare
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So macht Futter keinen Kummer
- Ausgewogene Nahrung ist das Wichtigste. Grundsätzlich braucht ein Hund Eiweiss (Fleisch, Fisch, usw.), Kohlenhydrate (Getreide, Teigwaren, Reis, usw.), Mineralien und Vitamine sowie Ballaststoffe (Fasern). Ein gutes Hundefutter, trocken oder feucht, deckt alle diese Bedürfnisse ab.
- Mass halten. Das gilt insbesondere für das Total der zugeführten Nahrung, also bei mehr Leckerlis zwischendurch weniger Futter bei den Hauptmahlzeiten. Essensreste nicht zusätzlich zum Futter geben, sondern dessen Menge entsprechend verringern.
- Regelmässigkeit. Es macht durchaus Sinn, den Hund immer um dieselbe Uhrzeit zu füttern – er gewöhnt sich daran und bettelt dann in der Zwischenzeit weniger. Man kann ihn nur einmal am Tag füttern, aber zweimal ist besser, dann hat er weniger Heisshunger dazwischen.
- Ruhe vor und nach dem Füttern. Also nicht direkt nach dem grossen Spaziergang oder dem Spielen füttern, auch nicht kurz vorher. Eine Pause von 30 Minuten ist empfohlen.
- Und vom Tisch? «Gehört sich nicht» ist die allgemeine Ansicht. Wer hingegen damit leben kann, dass sein Hund bettelt, dem steht es frei. Auch dabei gilt: die Gesamtfuttermenge im Auge behalten.
- Wie erkenne ich, ob mein Hund zu dick ist? Als Faustregel gilt: Wenn man dem Hund über die Flanke streicht, sollten die Rippen gut zu spüren sein. Wer unsicher ist, kann den Hund wägen (mit einem Korb o.ä. ist das bei kleineren Hunden auch zu Hause möglich).
- Was kann ich tun, wenn er abnehmen muss? Lassen Sie sich vom Tierarzt oder einer Fachstelle beraten. Oftmals reichen eine etwas reduzierte Futtermenge und mehr Bewegung, am besten beides. Je nachdem macht aber auch der Umstieg auf ein Light-Futter (sog. Obesity-Futter) Sinn.
Weitere Tipps findet man auf der Website des Instituts für Tierernährung der Universität Zürich. Das Institut bietet auch individuelle Beratung an, diese ist kostenpflichtig.
Das Fressen stand von Anfang an im Mittelpunkt. Bereits vor Tausenden von Jahren schlossen die Menschen einen Pakt mit den Wölfen: Die Vierbeiner halfen bei der Jagd und die Zweibeiner teilten im Gegenzug die Beute mit den Tieren. Heute sollen Hunde in der Regel besser nicht jagen, doch das Futter als Belohnung und Motivation, mit dem Menschen zusammenzuleben, hat seine Rolle behalten.
Darüber, welches Fressen und welche Menge dem Hund am besten bekommt, gibt es so viele Meinungen wie ein Hundefell Haare hat. Wer schon einmal einen Welpen aufgezogen hat, der weiss, dass man ohne den obligaten Ratschlag zur Ernährung kaum an anderen Hundehaltern vorbeikommt. So bleiben zahlreiche vermeintliche Weisheiten hartnäckig in Umlauf, obwohl einige davon ins Reich der Mythen gehören.
Besonders weit verbreitet ist die Ansicht, dass man seinem Hund nichts, aber auch gar nichts Gesalzenes geben soll. «Das ist schlicht falsch. Hunde brauchen, wie wir Menschen, Natrium und Chlorid. Und genau das ist Kochsalz», sagt Annette Liesegang vom Institut für Tierernährung der Universität Zürich. Folglich verträgt ein Hundemagen auch Essensreste, etwa Nudeln oder Reis, selbst Fleisch mit etwas Sauce liegt drin. «Die Menge macht das Gift», fügt Liesegang zu.
Das gilt auch für Käserinde. Einige sagen, diese enthalte schädliche Chemikalien, darum dürfe man sie ja nicht verfüttern. Für viele Hundehalter dennoch geradezu ein alltägliches Ritual. Und in kleinem, vernünftigem Ausmass macht das dem Hund auch nichts.
Noch ein Mythos: Rohes Fleisch wecke den Jagdtrieb. Das stimmt so überhaupt nicht. Ob ein Hund jagt oder nicht, hat nichts mit dem Futter zu tun. Wahr hingegen ist, dass Hunde wie Menschen in Fett gebratenes Fleisch, am besten mit einer Prise Salz, lieber mögen als rohes. Ausserdem ist erhitztes Fleisch hygienisch unbedenklicher.
Gut gemeint ist nicht immer gut
Ein gesundes, langes Leben wünscht sich wohl jeder Halter für seinen besten Freund. Mit dieser Absicht greift fast jeder zum einen oder anderen Futtertrick. Doch tun dem Hund nicht alle Hausmittelchen gleich wohl.
So gilt Milch und das darin enthaltene Kalzium als gut für die Knochen, man könne deshalb etwas davon ins Wasser in der Trinkschale geben, heisst es. Das stimmt primär bei Welpen. Bei erwachsenen Tieren ist jedoch Vorsicht geboten, nicht alle vertragen die Laktose in der Kuhmilch gleich gut.
Für Kalzium gibt es zudem bessere Quellen, die allerdings umstritten sind: die Knochen anderer Tiere. Einen besonders schlechten Ruf haben Hühnerknochen, da diese leicht splittern und im Mund zu Verletzungen oder gar Verstopfung führen könnten. «Knochen sind generell kein Problem», sagt dazu Annette Liesegang, «selbst Hühnerknochen.» Denn die heutigen Hühner, die wir verzehren, werden gar nie alt genug, als dass ihre Gebeine brüchig und splittrig würden.
Selbst Knochen vom Grill, die als noch problematischer gelten als gekochte Knochen, sind weitgehend unbedenklich (dabei sollte man allenfalls scharf marinierte Sachen nicht geben). Zu beachten gilt es zudem, dass der Hund den Knochen gut kaut und nicht einfach am Stück verschlingt. Nicht zuletzt sind Knochen nämlich gut für seine Zähne und beugen Zahnstein vor.
Noch ein Trick: Ein rohes Ei etwa sorge für ein schönes Fell. Dem kann Liesegang theoretisch zustimmen, weist aber darauf hin, dass man nicht zu oft rohe Eier geben sollte, da diese Stoffe enthalten, welche die Vitamin-Verfügbarkeit hemmen. «Noch besser sind deshalb gekochte Eier», sagt die Fachfrau.
Fast jeder dritte Hund ist zu fett
Wie bei uns Menschen spielt die Ernährung auch eine Rolle im Zusammenhang mit dem Aussehen. Die menschlichen Vorstellungen, wie gewisse Rassen optimal auszusehen haben, führen leider dazu, dass einige Hunde am Rand der Magersucht leben, andere hingegen absichtlich etwas runder als normal gehalten werden. Wer seinen Hund nicht entsprechend den aktuellen Vorgaben trimmt, hat an einschlägigen Hundeshows keine Chance. Vernünftige Halter verzichten dem Hund zuliebe auf diese zweifelhafte Ehre.
Hündische Gewichtsprobleme sind aber keineswegs auf Schönheitswettbewerbe beschränkt. Dass immer mehr Hunde überfüttert werden, kann auch Annette Liesegang bestätigen. Die Ursache sind zu viel und falsches Futter sowie zu wenig Bewegung – wie bei uns Menschen.
Da wundert es nicht, dass immer mehr Light- und Diätfutter für Hunde auftaucht. Reine Geschäftsmache? Liesegang verneint. «Beim Hund funktioniert die Methode FDH mit Alleinfuttern eben nicht», erklärt Liesegang, «dann würden ihm auch die Hälfte der Vitamine und Mineralien fehlen.» Folglich macht Light-Futter einen gewissen Sinn.
Nebst den etablierten und unbestrittenen Sorten für Junghunde und Senioren stehen auch Spezialfutter für bestimmte Hunderassen in den Regalen. Der Verdacht, dass hier nichts weiter als gewieftes Marketing dahintersteht, liegt nahe. Doch die Ernährungsexpertin sieht das nicht ganz so. Sie räumt ein, dass beispielsweise Labradore häufiger überfüttert werden als andere Rassen, da könnte ein angepasstes Futter vielleicht seine Berechtigung haben.
Anlass zu Diskussionen unter Hundehaltern geben auch die Mengenangaben auf den Packungen, die viele als zu hoch bezeichnen und als verkaufsfördernde Verschwörung verstehen. Doch Expertin Liesegang winkt ab. «Die Leute wollen solche Angaben, darum gibt es diese überhaupt. Sie beziehen sich allerdings auf theoretische Durchschnittswerte, die immer etwas vom Einzelfall abweichen.» Mit einberechnet ist unter anderem ein gewisses Mass an Bewegung. Wer sich an die auf der Packung angegebenen Mengen hält, seinen Hund aber zu wenig bewegt, darf sich nicht wundern, wenn dieser zunimmt.
Mittlerweile gilt ein Viertel bis ein Drittel der Hunde als übergewichtig. Immerhin sind aber total verfettete Tier, die sich kaum noch bewegen können, seltene Ausnahmen. Keine Option für den Vierbeiner ist übrigens das Fettabsaugen: Die Liposuktion für Tiere ist bei uns verboten.
Abwechslung ist nur etwas für uns
Ob feuchtes Dosenfutter oder Trockenfutter, auch darüber scheiden sich die Geister. «Wichtig ist primär, dass man gutes, ausgewogenes Futter gibt», sagt Annette Liesegang. Ob feucht oder trocken, sei primär Geschmacksache.
Was Hunde übrigens gar nicht brauchen, ist Abwechslung – das bilden sich Herrchen und Frauchen bloss ein. Im Gegenteil, zu häufige Futterwechsel setzen die Hundeverdauung nur unnötigem Stress aus.
Ansichtssache hingegen ist, ob man zu Futter aus biologischer Produktion greift oder zu Industriefutter aus dem Supermarkt. Beides kann bekömmlich sein, ersteres gibt dem Halter wahrscheinlich ein besseres Gewissen.
Gutes muss nicht teuer sein. Dies gilt beim Hundefutter nur bedingt. Denn teures Futter enthält im Normalfall einen höheren Anteil an tierischen Inhaltsstoffen, im billigeren Futter sind oft mehr pflanzliche Zutaten drin. Ein Hund verwertet die tierischen Anteile besser, weshalb es sich unter Umständen durchaus loht, etwas tiefer in die Tasche zu greifen.
Gleichzeitig zu den vielen suboptimal gefütterten Hunden beobachtet Annette Liesegang auch einen andern Trend: Immer mehr Leute wollen für ihre Hunde selber kochen, die diesbezüglichen Anfragen bei der Beratungsstelle der Universität Zürich steigen. Die Motivation dafür sei in vielen Fällen, «das Beste» für sein Tier zu wollen.
Doch eine ausgewogene Hundemahlzeit selber zu komponieren, ist leichter gesagt als getan, insbesondere Vitamine und Mineralien müssen meist dennoch in Form von Präparaten beigemischt werden. Deshalb sollte man sich vor diesem Schritt gut informieren und beraten lassen. Überlegen sollte man sich auch, was mit dem vierbeinigen Gourmet in den Ferien passiert. Wer aus dem Bekanntenkreis hat Lust, das Tier zu hüten und es auch noch zu bekochen?
Tödliche Versuchung
Wahr ist übrigens, dass Schokolade giftig für Hunde ist. Toxisch ist nicht etwa der Zucker – der ist einfach nur sehr schlecht für die Zähne und die Verdauung und macht darüber hinaus dick –, sondern das im Kakao enthaltene Theobromin, wovon 100 Milligramm auf ein Kilo Körpergewicht tödlich sind. Für einen 30-Kilo-Hund reichen also drei Gramm Theobromin, was ungefähr drei Tafeln Schokolade entspricht. Da sich der Stoff im Hundekörper nur sehr langsam abbaut, besteht die Gefahr auch dann, wenn man wiederholt kleine Dosen Schokolade gibt.
Zuletzt noch dies: Katzen und Hunde können sorglos zusammenleben. Sie sollten sich aber nicht den Fressnapf teilen. Während ein Hund als Allesfresser problemlos zwischendurch auch Katzenfutter verträgt, gilt dies umgekehrt nicht. Katzen dagegen sind reine Fleischfresser und im Hundefutter ist nicht alles drin, was eine Katze braucht. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 24.02.2009, 08:25 Uhr
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3 Kommentare
Das im Bild vorgeführte Exemplar ist ein chinesischer Faltenhund, der seit Jahrhunderten zu Fleischzwecken gezüchtet wurde. Die Rasse sollte in der Kulturrevolution vernichtet werden und wurde auf abenteuerlichem Weg als Kulturgut erhalten. Ich kenne mittlerweile zwei. Beide sind sehr lieb und anhänglich, - und verfressen. Antworten

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susan vogler
Kein Regel ohne ausnahme! Mein 2-jährige English Setter Weibchen frisst das doppelte als angegeben und ist schlank. Allerdings ist sie "nervig" and wir laufen und trainieren viel. So hält sich die Waage. Antworten