Leben

Kritik an Schönheitsoperationen zum Schnäppchenpreis

Von Angela Barandun. Aktualisiert am 14.12.2011 2 Kommentare

Auf Rabattportalen wie Deindeal und Groupon werden auch Brustvergrösserungen und Fettabsaugen angeboten. In der Schweiz ist das umstritten, in England gibt es ein erstes Verbot.

In der Schweiz darf heute jeder Arzt Schönheitsoperationen durchführen: Szene aus der satirischen US-Fernsehserie «Nip/Tuck».

In der Schweiz darf heute jeder Arzt Schönheitsoperationen durchführen: Szene aus der satirischen US-Fernsehserie «Nip/Tuck».
Bild: AFP

Artikel zum Thema

Stichworte

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Eine Brustvergrösserung für 3990 statt 11'000 Franken in Köln, für 5900 statt 14'000 Franken in Bern, für 1799 statt 3750 Franken in Biel? Oder einmal Fettabsaugen für 1399 statt 3500 Franken in Riehen BS und für 1950 statt 4000 Franken in Zürich? Rabattportale wie Groupon oder Deindeal bieten neben Massagen, Nachtessen oder Übernachtungen auch Gutscheine für Schönheitsoperationen an. Nutzer haben meist 24 Stunden Zeit, ein Angebot mit 50 Prozent Rabatt oder mehr zu erwerben.

Den meisten Ärzten stösst das sauer auf. «Ich halte es für ethisch verwerflich, Schönheitsoperationen auf Rabattportalen anzubieten», sagt etwa Daniel A. Knutti, plastischer Chirurg und langjähriger Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie. «Wer so etwas macht, ist ganz gezielt aufs Geld aus, handelt skrupellos und vernachlässigt seine Verantwortung als Arzt.» Ähnlich äussert sich Hanspeter Kuhn, stellvertretender Generalsekretär des Ärzteverbandes FMH und Jurist. Solche Angebote müsse man im gesellschaftlichen Kontext sehen – und Phänomene wie Schönheitskult und Essstörungen berücksichtigen. «Eine Operation bleibt eine Körperverletzung. Wenn auch noch Zeitdruck aufgesetzt wird, stellt das ein zusätzliches Problem dar», so Kuhn. Am Ende sei es eine politische Frage, wo man die Grenze ziehen wolle: «Wie gross soll der Unterschied zwischen dem Werbestil des Autoverkäufers und dem des Schönheitschirurgen sein?»

Berner Behörden sind aktiv

Hinzu kommt die Befürchtung, dass die Qualität der angebotenen Eingriffe nicht stimmt. «Patienten sollten sich zwingend fragen, weshalb ein Arzt Operationen zu Dumpingpreisen anbietet», sagt etwa Stephan Hägeli, der das Beratungszentrum Acredis führt und dort die Qualität von plastischen Chirurgen bewertet. Yves Brühlmann, Vorstandsmitglied der Fachgesellschaft der Schönheitschirurgen, sagt: «Durch das Internet und solche Rabattportale finden dubiose Angebote eine grössere Verbreitung. Dadurch spitzt sich die Lage zu.»

Wohin das im Einzelfall führt, zeigt ein Angebot für eine Brustvergrösserung auf Deindeal.ch vom 31. November in einer Praxis in Biel, das von «20 Minuten online» aufgegriffen wurde. Der verantwortliche Arzt – ein Dermatologe – bot darin eine Brustvergrösserung ohne Implantate an. Das gleiche Mittel, mit dem Lippen vergrössert und Falten ausgebügelt werden, wird in den Busen gespritzt. Kostenpunkt: 1799 statt 3750 Franken für 50 Milliliter Flüssigkeit pro Seite. «Das grenzt an Betrug», sagt Facharzt Knutti. «Nur schon deswegen, weil die Menge viel zu klein ist. Davon wird man kaum etwas sehen.» Ausserdem sei die Behandlung mit dem Faltenfüller an den Brüsten höchst umstritten – und etwa in Frankreich bereits verboten. Mit dem Angebot der Bieler Dermatologen befassen sich mittlerweile auch die Behörden: Der Berner Kantonsarzt Thomas Schochat untersucht, ob «der betreffende Arzt mit diesem Angebot gegen seine Berufspflicht verstösst».

Das Grundproblem sehen Kritiker wie Knutti und Brühlmann darin, dass heute jeder Arzt Schönheitsoperationen durchführen darf – egal ob er Dermatologe oder plastischer Chirurg ist. So habe etwa ein Hausarzt in Riehen BS für 1399 statt 3500 Franken Fett abgesaugt. «So etwas ist nicht mehr zeitgemäss», so Knutti. «Hier muss die Gesundheitsbehörde durchgreifen.» In Frankreich sei das bereits geschehen. Dort dürfen nur noch qualifizierte Fachärzte ästhetisch-chirurgische Eingriffe machen.

Wichtig: Keine Verpflichtung

Entspannter sieht die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich die Situation. Sie hat sich bereits mehrmals mit solchen Fällen auseinandergesetzt – und auch schon Anpassungen von Ärzten verlangt. «Etwa den Hinweis, dass das Geschäft erst nach den nötigen medizinischen Abklärungen und Vorgesprächen verbindlich wird», sagt Sprecher Daniel Winter. Grundsätzlich zeigt sich die Behörde zurückhaltend, was Restriktionen betrifft. «Solange die Angebote nicht offensichtlich irreführend sind, sehen wir kein Problem.»

Ähnlich sieht es das Rabattportal Deindeal, das zu Ringier gehört. «Bevor wir einen Deal anbieten, klären wir immer die Qualität und Seriosität des Anbieters ab», sagte Geschäftsführer Amir Suissa kürzlich gegenüber «20 Minuten online». Die Anrufe des TA bei Groupon und Deindeal blieben unbeantwortet.

Anders beurteilt man die Lage in Grossbritannien. Die Werbeaufsicht ASA hat Ende November entschieden, dass ein Groupon-Angebot für eine Schönheitsoperation nicht zulässig ist, weil es die Patienten zu einer übereilten Entscheidung mit grosser Tragweite dränge. Beim untersuchten Angebot hatten die Nutzer 24 Stunden Zeit, sich zu entscheiden. Groupon will die Angebotsdauer für Schönheitsoperationen künftig auf mindestens drei Tage verlängern, um weiteren Problemen zu entgehen. Ob das reicht, ist fraglich. Die ASA hat sich Anfang Dezember wegen Groupons Geschäftsgebaren an die nächste Instanz gewandt: Man habe grundsätzliche Zweifel an der Fähigkeit des Unternehmens, sich an die Regeln zu halten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.12.2011, 08:07 Uhr

2

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

2 Kommentare

Franz Weber

14.12.2011, 13:30 Uhr
Melden 4 Empfehlung

Aber für ein bisschen Fett absaugen 3500 zu heuschen für diese kurze Arbeit ist realistisch oder wie??
Das ist ein Witz! Ihr seid einfach Geldgierig und solltet einmal auf dem Bodem kommen!
Antworten


Philipp Widmer

14.12.2011, 09:57 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Ich beziehe alle Deals über einen Deal Aggregator (dealkompass.ch), d.h. ich bekomme die Deals aller Anbieter (Groupon, DailyDeal und DeinDeal) täglich.
Bis jetzt habe ich nur sehr wenige solche Angebote gesehen, denke die Überlegung der Gutscheinportale dahinter ist Marketing -- jetzt sprechen bzw. schreiben die Leute darüber. Plan ist aufgegangen!
Antworten




Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.