«Männer geben die unehrlicheren Körbe als Frauen»
Von Bettina Weber. Aktualisiert am 06.04.2010 18 Kommentare
Abgeblitzt: Männer schildern ihre Abfuhren.
Das Buch
Sebastian Leber (32) ist Journalist beim Berliner «Tagesspiegel». Für sein Buch hat er 32 Männer zu ihren schmerzhaftesten Abfuhren befragt und ihre Geschichten aufgeschrieben. Er selbst schildert seine einschneidendste Erfahrung ebenfalls. Die Widmung des Buches, «Für alle, die mich kennen. Ausser für Doro», sei mit einem Augenzwinkern zu verstehen; er habe heute trotz des damaligen Korbes ein gutes Verhältnis zu ihr. (bwe)
Sebastian Leber: Abgeblitzt. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2010, 250 S., ca. 19 Fr.
Wann haben Sie Ihren letzten Korb bekommen?
Das war im Sommer 2009 in einem Park in Berlin.
Schlimm?
Auf jeden Fall. Der letzte Korb ist immer der schlimmste. Zudem habe ich diese latente Angst, dass die Frau das rumerzählt und es alle wissen und ich am Ende blöd dastehe. Das ist natürlich totaler Quatsch, weil komplett irrational, aber die Angst ist trotzdem da. Und so war es dieses Mal auch. Man denkt, das Leben geht jetzt nicht mehr weiter.
Woran hat es denn gelegen?
In diesem konkreten Fall habe ich das leider komplett falsch eingeschätzt. Ich dachte, es sei sehr romantisch in dem Park, und hatte auch eine Decke dabei, es hatte zwar keinen Sternenhimmel, aber der Rest hat gestimmt. Und dann meinte sie einfach, wir seien doch bloss gute Freunde.
Das hat mich beim Lesen am meisten überrascht: Wie schlecht die Männer die Zeichen der Frauen zu deuten imstande sind. An wem liegt das?
Grundsätzlich liegt es an den Männern, weil sie oft viel zu viel hineininterpretieren oder Zeichen überhöhen und winzigste Fünkchen von Chancen zu riesengrossen Chancen aufblähen. Wenn eine Frau nicht ganz abweisend war, dann deuten sie das gleich als Zustimmung. Und zu einem ganz kleinen Teil ist es auch so, dass von der Frau ein Grundrauschen ausgeht.
Ein Grundrauschen?
Ja, so ein Grundrauschen von Sympathie-Zeigen. Und da man ja grundsätzlich lieber gemocht als nicht gemocht und lieber begehrt als nicht begehrt wird, geht man von dem aus, das einen besser aussehen lässt, und so kann es dann leicht zu solchen Missdeutungen kommen.
Männer scheinen sich auch sehr auf die Analyse der weiblichen Körpersprache zu verlassen: Wenn sich eine Frau ins Haar fasst, dann will sie was. Woher habt ihr das bloss?
Das ist doch Allgemeinwissen.
Scheint aber nicht so recht zu funktionieren.
Natürlich ist es Trash-Allgemeinwissen, und darauf zu bauen, ist fatal. Aber der, der gerade sehr verliebt ist, mag nur zu gerne daran glauben, dass eine Frau, die während des Gesprächs ihre Lippen benetzt, positiv gestimmt ist.
Haben Sie Tipps, wie sich solche Missverständnisse verhindern lassen?
Leider bin ich ja trotz des Buches kein Experte in dem Sinne, ich bin vielmehr richtig gut darin, Signale falsch zu lesen. Aber ein guter Freund von mir pflegt zu sagen: Wenn es komisch wirkt, dann ist was Komisches dran. Dieser Satz stimmt und hat mir schon oft geholfen. Man muss einen Schritt zurücktreten und das Ganze nüchtern betrachten, damit kann man sich viel Leid ersparen.
Was hat Sie am meisten überrascht in den Gesprächen?
Vor allem, wie lange sich gewisse Geschichten hinzogen. Ein Mann schildert etwa durchaus reflektiert, dass seine Chancen von Anfang an begrenzt waren, aber er konnte sich trotzdem nicht lösen. Das ging über mehrere Jahre, und das hat mich schon gewundert. Dass man sich derart reinsteigern kann und nicht mehr in der Lage ist, die Reissleine zu ziehen und sich selbst einzugestehen, dass das jetzt langsam ungesund wird. Das hat mich schon geschockt.
Diese Sturheit fand ich auch erstaunlich. Dass Männer unerschütterlich daran glauben: Irgendwann verliebt sie sich schon in mich.
Mich würde ja interessieren, wie ein Buch aussähe, das eine Frau mit Frauen zu demselben Thema macht und ob sich auch eine solche Sturheit beobachten lässt. Meine Vermutung ist, dass Frauen das Ganze realistischer einschätzen, weil sie mit ihren Freundinnen darüber reden. Das machen Männer in der Regel nicht. Es ist ihnen peinlich, und vermutlich entwickeln sie deshalb so eine eingeengte Sicht darauf.
Einer Ihrer Protagonisten sagt «Die Frau sucht aus, der Mann nimmt, was er kriegen kann». Stimmen Sie dem zu?
Definitiv stimmt daran, dass die Frau letztlich entscheidet und in der stärkeren Position ist.
Inwiefern?
Weil es immer unangenehm und mit einem Risiko verbunden ist, derjenige zu sein, der auf jemanden zugehen muss. Und da es trotz aller Emanzipation immer noch so ist, dass eher der Mann eine Frau anspricht als umgekehrt, haben es die Frauen leichter. Sie sind in anderen Bereichen des Lebens benachteiligt, aber in dieser einen speziellen Situation eindeutig mächtiger, sie können entscheiden. So läuft das. Der Mann arrangiert sich.
Werden Sie denn hin und wieder von Frauen angesprochen?
Selten, leider.
Aber wenn, gehen Frauen dann anders vor?
Ja. Sie sind charmanter und weniger verklemmt. Aber sie können es sich auch leisten, weil die Signale von Männern im ersten Moment klarer sind. Da haben Frauen in der schwierigeren Position die besseren Karten.
Wenn die Signale von Männern klarer sind: Geben sie auch die ehrlicheren Körbe?
Im Gegenteil: Männer geben die unehrlicheren Körbe als Frauen.
Tatsächlich?
Ja, Männer denken sich Sachen aus, Ausreden wie «Bindungsangst» oder «Ich muss zuerst lernen, mit mir selbst klarzukommen» – das stimmt nie. Frauen sind meistens ehrlicher und sagen «Ich habe keine Gefühle» oder «Das wird nie was». Das ist zwar zuerst schmerzhaft und brutal, letztlich aber für beide besser.
Gibt es eine Abfuhr, die nicht schmerzt?
Den perfekten Korb stelle ich mir so vor: Frühzeitig, also bevor es ernst wird und man sich über Wochen reingesteigert hat, erwähnt die Frau so was wie «Ich bin seit Jahren in einen Typen verliebt». Das nimmt man dann nicht persönlich, denkt nicht, man sehe zu wenig gut aus oder sei zu wenig charmant, sondern da kann man dann einfach nichts machen. Das macht das Akzeptieren leichter.
Lesen Männer tatsächlich Bücher wie «Der perfekte Verführer», in dem steht, man solle in einem Raum nie die attraktivste Frau ansprechen, sondern immer bloss eine einigermassen attraktive Frau?
(Lacht). Dass Männer solche Bücher schreiben und andere sie kaufen, vielleicht sogar noch darauf schwören und danach verfahren, zeigt nur, wie hilflos die Männer sind.
Gibt es denn keine Faustregeln?
Um die grössten Fehler zu vermeiden, meinen Sie? Vor machohaftem Auftreten ist abzuraten, allerdings auch vor der Nummer mit dem Softie oder dem Frauenversteher, das hat zur Folge, dass Frauen einen bloss als Kumpel wahrnehmen. Und ein Kardinalfehler bei Männern ist, dass sie zu viel trinken und dann nicht mehr einschätzen können, ob die Frau jetzt flirtet oder sich bloss über sie lustig macht. Und je betrunkener die Männer sind, desto eher sind sie bereit zu glauben, die Frau flirte mit ihnen.
Kann man Frauen erkennen, bei denen man sich todsicher eine Abfuhr holt?
Ganz gefährlich sind Frauen, die einen Freund haben. Da beissen sich die meisten Männer die Zähne aus. Weil sie irrtümlicherweise denken, sie müssten sich nur genügend aufdrängen oder lange genug die eigenen Vorzüge präsentieren, und irgendwann werde die dann ihren Freund schon verlassen. Das ist Blödsinn und klappt nie.
Was haben Sie über Ihre Geschlechtsgenossen gelernt während des Recherchierens?
In welch hohem Mass sie unter Zurückweisung leiden können. Und dass überraschend vielen ziemlich übel mitgespielt worden ist. Und dann war ich auch erstaunt über die Verbissenheit. Einer der Männer erzählte von einer Begegnung, die bereits drei Jahre her ist, und der konnte die ganzen Dialoge aus dem Kopf aufsagen, der konnte mir auch noch alle ihre SMS zeigen, die hat er immer noch gespeichert.
Und was haben Sie über Frauen gelernt?
Vielleicht, dass manchen eine gewisse Lust am Quälen nicht abzusprechen ist, wenn sie die Männer richtig auflaufen lassen. Die eine, die im Buch erwähnt ist, meint zum Beispiel, als er ihr seine Liebe gesteht: Fällt dir noch was ein, um mich zu überzeugen, oder kann ich jetzt gehen? Das finde ich schon ziemlich aggressiv. Aber eigentlich ist das in Ordnung, wieso sollten Frauen nicht auch aggressiv sein.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 06.04.2010, 11:27 Uhr
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18 Kommentare
Ich finde es fast schon schlimm, dass man als Mann sehr selten von einer Frau angesprochen wird. Viele Frauen haben eine gewisse Arroganz und würden deshalb niemals einen Mann ansprechen. Vor allem in der Schweiz ist das zu beobachten. In den meisten anderen Ländern sind die Frauen viel offener. Antworten
@Ramona Heuer: Wer sagt Euch, Ihr müsset Euch defensiv verhalten? Jede Frau die ich frage ob ihre Eltern sie so getrimmt haben, sagt schlussendlich:"Nein, eigentlich nicht". Also was gilt nun? Ist es nicht eher das Wissen, dass die Männer aufgrund der Hormone einfach nicht anders können als sich Euch zu nähern? Ich hätt' nichts gegen aktivere Frauen. Ich selber durfte es schon einige Male erleben. Antworten
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