«Männer werden benachteiligt»
Von Saskia Van Wijnkoop. Aktualisiert am 08.03.2010 52 Kommentare
Astrid Lanz ist ausser sich vor Wut. Umringt von fünf kräftigen Türstehern ringt sie nach Worten: «Ich habe zwanzig Jahre in Deutschland gelebt, kenne Eva Herman von Fernsehaufnahmen – ich will einfach nichts anderes, als ihr Referat hören.» Die Türsteher lassen sich nicht erweichen und verwehren Lanz den Zutritt in den Belper Kreuz-Saal. Offenbar hatte sich die Frau zuvor anerkennend über die linke Gruppierung geäussert, die in Thun den Auftritt von Eva Herman verhindert hatte. Fünf weiteren jungen Frauen vor der Tür ergeht es gleich.
Die ehemalige deutsche Tagesschau-Sprecherin Herman ist letzte Woche an sechs Abenden in Folge an Wahlveranstaltungen der EDU Kanton Bern aufgetreten. In Thun wurde der Anlass am Dienstag nach wenigen Minuten abgebrochen, weil er durch gut 20 Linksautonome gestört wurde (wir berichteten). Aus diesem Grund wurden die Türkontrollen für die nachfolgenden Auftritte in Spiez, Langenthal und Belp verschärft.
«Bin keine Nazi-Freundin»
Am Samstag betritt Eva Herman das Podium in einer rosa-weiss karierten Bluse und langem, geschlitztem Rock – eine Mischung aus sauberer Hausfrau und Medienstar. Ihr Auftritt ist nicht nur ein Plädoyer für die Rettung der vom Untergang bedrohten Familie, er ist auch eine Journalistenschelte: «Dass ich das dritte Reich für seine Familienpolitik gelobt haben soll, ist Unsinn – eine Journalistin hat dieses Gerücht in die Welt gesetzt.»
Das habe ihr mehrere Prozesse eingebracht, die sie aber allesamt gewonnen habe: «Meine Anwälte werden hoffentlich bald durchsetzen, dass ich in der Schweiz nicht mehr mit den Nazis in Verbindung gebracht werden darf.» Dies wurde sie aber jüngst gerade von den Linksautonomen, die ihren Auftritt in Thun verhindert hatten – sie stellten ein Bild von Eva Herman in Nazi-Uniform ins Netz.
Sie will nun die Linksautonomen, aber auch Schweizer Zeitungen, die ihr noch immer Nazifreundlichkeit unterstellen, «abmahnen lassen».
Hinkende Vergleiche
Die EDU und Herman jedoch verstehen sich gut. «Die EDU vertritt genau die familienpolitische Position, die ich in der Öffentlichkeit vermisse», sagt die 51-jährige Deutsche. In ihrer Heimat gebe es keine Partei, die sich dafür einsetze, dass Kleinkinder von ihren Müttern betreut werden sollen. Fremdbetreuung als Schlagwort: Wie Eva Herman ihr Modell eines die Gesellschaft zerstörenden Feminismus ableitet, wie sie «Gender Mainstreaming», die Durchsetzung der Gleichstellung von Mann und Frau, als das schlimmste Experiment an der Menschheit aller Zeiten bezeichnet, ergibt in der Summe eine Liste hinkender Vergleiche. So nimmt sie als Beweis, dass fremd betreute Kleinkinder eine schlechtere Hirnentwicklung aufweisen als von der Mutter betreute, ein Kind aus einem rumänischen Waisenhaus, das keine sozialen Bindungen hatte.
«Bern unterdrückt Männer»
Die moderne Zeit zwinge die Menschen, sich vom schöpfungsgemässen Zustand, der klaren Rollenverteilung von Mann und Frau, zu entfernen. Würden sich die Frauen auf ihre wahre Rolle der Nestbauerinnen zurückbesinnen, könnte der Zerfall der Familie und damit der Gesellschaft verhindert werden. Insbesondere die Stadt Bern sei das Opfer eines fehlgeleiteten Feminismus: «Bern rühmt sich auf seiner Website, als eine der ersten Schweizer Städte Gender Mainstreaming umzusetzen – das heisst, hier werden Frauen ungerecht bevorteilt, Männer systematisch benachteiligt.»
Zum Schluss des zweistündigen Vortrages melden sich aus dem bunt gemischten Publikum vier Männer zu Wort: Zwei Linientreue, welche Eva Herman ihr Lob aussprechen, und zwei Kritiker. Der eine ist ein junger Mann, der als Kind fremd betreut worden ist. Er fühlt sich von ihren Worten beleidigt. Der andere ist Hausmann und Vater. Er macht es kurz: «Frau Herman, Sie vergaloppieren sich.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 08.03.2010, 11:42 Uhr
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52 Kommentare
Frau Herman hat etwas missverständlich gesagt aber klar gemeint, dass die Beseitigung alles Bisherigen durch die 68er unter Hinweis auf den Nationalsozialismus ein Fehler war. Wichtige Werte wie Familie hätte man nicht beseitigen dürfen (zumal die Nationalsozialisten die Familie nicht erfunden, sondern beschädigt haben). Antworten

































































































































