Mit einer Steuer gegen Cola und Co.

Grossbritannien hat dem Übergewicht den Kampf angesagt: Die Regierung will Produzenten von Süssgetränken künftig zur Kasse bitten. Das Geld soll in den Grundschulsport fliessen.

Wer es süss will, soll zahlen: Grossbritannien will Bürgern das Cola-Trinken austreiben. (30. Juni 2014)

Wer es süss will, soll zahlen: Grossbritannien will Bürgern das Cola-Trinken austreiben. (30. Juni 2014) Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Starkoch Jamie Oliver spricht viel und schnell. Seine Nachrichten an die Welt versieht er gern mit Ausrufezeichen. Aber: «Wir haben es geschafft, Leute!! Wir haben es geschafft!!!», das ist selbst für den 40-jährigen Starkoch eine ungewöhnlich erregte Interpunktion.

Was ist da los? Die britische Regierung will Unternehmen zur Kasse bitten, die Geld mit zuckersüssen Softdrinks verdienen. Jamie Oliver, der dafür seit langem wirbt und sogar im Londoner Parlament auf Werbetour war, ist glücklich.

Nicht der erste Anlauf

Und nicht nur er. «Visionär» sei die sogenannte Zuckersteuer, findet etwa Mark Hanson von der Britischen Herzstiftung. Zwar sei sie kein Allheilmittel, dürfe ruhig früher kommen als erst 2018 – wie geplant. Und ausserdem solle sie auch Fruchtsäfte treffen, die seien ja auch süss. Aber dass die angepeilten 520 Millionen Pfund Staatseinnahmen in den Sportunterricht an Grundschulen fliessen sollen, sei «inspirierend».

Es nicht der erste Anlauf in jüngerer Zeit, über Steuern und Gesetze an den Ernährungsgewohnheiten der Briten zu schrauben. 2012 scheiterte Schatzkanzler George Osborne damit, heisse Snacks zu besteuern – dass Sausage Roll und Cornish Pasty teurer werden könnten, ging dem Volk gehörig gegen den Strich.

Dann war da noch die Idee eines Mindestpreises für alkoholische Getränke. Doch es stellte sich heraus, dass man damit gegen EU-Recht verstossen würde.

Für britische Verhältnisse fast unumstritten

Wenn der Staat mitbestimmen will, was seinen Bürgern auf den Teller oder ins Glas kommt, erregt das die Gemüter. Die Softdrink-Steuer allerdings, die London jetzt plant, ist für britische Verhältnisse fast unumstritten. Natürlich ist die Getränke-Industrie dagegen, denn sie soll ja zahlen. Wie viel, ist noch offen. Es soll, je nach Zuckergehalt, zwei Stufen geben: ab fünf Gramm und ab acht Gramm pro 100 Milliliter.

Das «British Medical Journal» veröffentlichte erst dieses Jahr eine Studie, wonach in Mexiko der Konsum merklich zurückgegangen ist, seitdem Getränke mit Zuckerzusatz extra besteuert werden. Auch in Frankreich gibt es die Steuer schon, mehr als 300 Millionen Euro brachte das der Regierung 2014.

Jamie Oliver jedenfalls ist sich sicher und schreibt über den Plan der Briten: «Ein bedeutender Schritt, der um die ganze Welt gehen wird.» (pat/sda)

(Erstellt: 17.03.2016, 17:50 Uhr)

Stichworte

Artikel zum Thema

Dicke müssen auf Cola verzichten

Der Bürgermeister von New York will verbieten, dass mit Sozialhilfe-Geldern kalorienreiche Getränke gekauft werden dürfen. Damit stellt er Cola auf eine Stufe mit Alkohol oder Zigaretten. Mehr...

Teures Coca Cola aus der Railbar

Bei der SBB-Gastronomietochter Elvetino ist Coca Cola bis zu 50 Prozent teurer als andere Süssgetränke. Das sei auf die hohen Einkaufspreise von Coca Cola zurückzuführen, sagt Elvetino-Chef Yvo Locher. Die Kunden kaufen weiter. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Trainieren oder verlieren

Mit Gedächtnistrainings die Lernfähigkeit verbessern.

Werbung

Blogs

Von Kopf bis Fuss Lässt Zucker die Haut altern?

Blog Mag Taugen Sie fürs Weisse Haus?

Service

Für Selbstständige und KMU

Tragen Sie Ihre Firma im neuen Marktplatz des Tages-Anzeigers ein.

Die Welt in Bildern

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein: Ein Künstler streicht am Strand von Tijuana den Grenzzaun zwischen Mexiko und den USA himmelblau an (10. Dezember 2016).
(Bild: Jorge Duenes) Mehr...