Nachhilfe per Videochat
Von Caroline Bossert. Aktualisiert am 14.02.2012 5 Kommentare
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Niemand ist zu dumm für die Mathematik. Davon ist Lukas Meier fest überzeugt. Er muss es wissen. Der 46-jährige Klotener ist seit zehn Jahren Mathematiklehrer für alle Sekundarstufen. «Auf diesem Niveau ist Mathematik ein reines Auswendiglernen der Regeln», sagt er. «Da gibt es nichts zu verstehen.» Deshalb gelte für die Schüler nur eines: üben, üben und nochmals üben. Und das am besten mit den Hausaufgaben.
«Als Lehrer begriff ich schnell, wie wichtig Hausaufgaben in der Mathematik sind», sagt Meier. Deshalb hätten seine Schüler einen Grossteil der Schulstunde für die Hausaufgaben nutzen dürfen. Mit Erfolg: «Selbst die schwächeren Schüler machten Fortschritte, erhielten bessere Noten und bekamen Spass an der Sache.»
Ein Handy mit Kamera reicht
Viele Schüler würden die Hausaufgaben vernachlässigen, sei es, weil sie tatsächlich bei einer Rechnung nicht weiterkämen und schnell aufgäben, sei es, weil die Eltern abwesend seien und niemand auf die Erledigung der Aufgaben poche. Da heisse es schnell, «i bi nöd druuschoo», sagt Meier. «Es ist schade, wenn sich Schüler die Chance auf eine gute Lehrstelle vergeben, nur wegen einer ungenügenden Note in Mathematik.»
Meier hat sich deshalb dazu entschlossen, Nachhilfeunterricht zu geben. Doch nicht auf dem normalen Weg. Lehrer und Schüler bleiben zu Hause. Geholfen wird übers Internet. Alles, was es dazu braucht, ist ein Computer oder ein internetfähiges Handy mit Kamera. «Mit der kostenlosen Videotelefoniesoftware Skype können wir einander sehen, ich kann den Schülern etwas vorrechnen oder ihre angefangenen Aufgaben korrigieren. Ich kann ein ganzes Thema nochmals erklären oder letzte Unsicherheiten vor Prüfungen beseitigen», sagt er. Grenzen für das neue Medium sieht er keine.
Unterricht soll «cooler» werden
Die Vorteile liegen für Meier auf der Hand: Während die gewöhnliche Nachhilfestunde nur einmal in der Woche stattfindet, können ihn die Schüler bei Schwierigkeiten jeden Nachmittag spontan anrufen, «schliesslich haben die Schüler nicht nur einmal in der Woche Mathematik». Ein weiterer Vorteil seien die tiefen Kosten. Ein Abo für den «Mathe-Klub» ist für monatlich 50 Franken zu haben. Für diesen Betrag darf der Schüler innerhalb eines Monats so oft anrufen, wie er möchte. «So können sich auch einkommensschwache Familien eine Nachhilfe für ihr Kind leisten, die eine ganze Stunde bei einem Privatlehrer nicht bezahlen könnten.» Zudem hofft er darauf, dass die Kids den modernen Unterricht am Computer «cool» finden und sich eher für die Aufgaben motivieren lassen.
Der virtuelle Nachhilfelehrer steht für alle Fragen rund um Zahlen, Variablen und geometrische Figuren jeden Nachmittag zwischen 15.30 und 19.30 Uhr zur Verfügung, am Mittwoch schon ab 13 Uhr. Nach Absprache wäre auch Hilfe am Wochenende möglich. Meier ist derzeit ohnehin viel zu Hause, da er sich neben seinem Teilzeitpensum als Sekundarlehrer für die Abschlussprüfungen in Psychologie im Herbst vorbereitet. Danach hofft er, beim Schulpsychologischen Dienst eine Arbeit zu finden. Sollte sich der «Mathe-Klub» jedoch etablieren, würde er gerne das Angebot auch nach dem Studium weiterführen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 13.02.2012, 18:23 Uhr
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