Neuer Trend in England: Goldpartys
Schauen der Expertin auf die Finger: Goldparty-Gäste. (Bild: Keystone)
Mit einem Goldpreis, der in Zeiten der Wirtschaftskrise unaufhaltsam nach oben drängt und zurzeit um das Allzeithoch von 1070 Dollar die Feinunze kursiert, wird ein Trend in Grossbritannien immer populärer: Goldpartys.
Und so gehts: Auf einer privat organisierten Party kommen rund ein Dutzend Gäste zusammen und bringen Gold-, Silber- oder Platinschmuck mit, der nicht mehr benötigt wird. Ein Experte testet und wiegt das Edelmetall und bietet rund 70 Prozent des aktuellen Marktpreises. Am Ende scheinen alle Gewinner: Den Gästen winkt sofortiges Bargeld, der Gastgeber darf sich über eine Kommission von 10 Prozent freuen und der Aufkäufer macht natürlich auch seinen Schnitt.
Tracy Jackson, eine 47-jährige Geschäftsfrau aus der Grafschaft Yorkshire, hat Goldpartys, die als Trend zuerst in den USA auftauchten, als Erste in England populär gemacht. «Vor Weihnachten», erinnerte sie sich, «stöberte ich durch meinen Schmuckkasten und sah das ganze Zeug, das ich seit Jahren nicht mehr getragen habe.» Der alte Kram brachte ihr immerhin 1200 Pfund ein, umgerechnet fast 1900 Franken. Seitdem hat Tracy Jackson Dutzende von Partys veranstaltet, auf denen sie jeweils durchschnittlich für 3000 Pfund Gold aufgekauft hat.
Einen besseren Preis als die Pfandhäuser
Das Phänomen griff schnell auf den Londoner Raum über. Howard Levy, ein 50-jähriger Goldhändler, sah auf einem USA-Urlaub eine Anzeige für eine Goldparty und dachte sich: «Das kann ich auch.» Seitdem hat er eine ganze Reihe von erfolgreichen Veranstaltungen organisiert. «Wir können einen besseren Preis bieten», sagt er, «als die Pfandhäuser, die ja auch bei ihrem Leihgeschäft einen Profit machen müssen.»
Aber die Geschäftsidee ist auch aus einem anderen Grund erfolgreich. Partygast Vicky Eaglestone erklärt: «Ich würde niemals in ein Pfandleihhaus gehen, das sähe ja nach Verzweiflung aus. Stattdessen gehe ich zu einer Party und habe einen Schwatz mit Freundinnen, und wenn der Preis stimmt, dann verkaufe ich halt etwas.» Früher, als die Zeiten noch golden waren, haben die Engländer sorglos auf Pump gelebt und ihre Kreditkarten bis zum Limit belastet. Jetzt ist das «Zeitalter der Entbehrung angebrochen, und das bedeutet: Ausgeben will man nur noch das Bargeld, das man auch hat. Und wenn man es nicht hat, kann man es sich besorgen für Edelmetall, das man nicht mehr will.
Kein Wunder also, dass Goldpartys jetzt zum grossen Geschäft geworden sind. Stephen Pearson, Geschäftsführer von «Ounces to Pounds», sieht diese privaten Verkaufsveranstaltungen «als einen massiven Wachstumsmarkt. Jeder tut es. Aber besonders die Ehefrauen von Bankern verkaufen alles.»
Grossmutters Goldzahn
Und es scheint Sinn zu machen. Was kann man schon mit dem einen Manschettenknopf anfangen, dessen Gegenstück verloren ging? Oder den völlig altmodisch-grossen Ohrringen aus den 80er-Jahren? Auch Geschenke von ehemaligen Liebhabern oder Männern, von denen man sich scheiden liess, werden gerne zu Bargeld gemacht. Und selbst der Goldzahn der Grossmutter wurde schon zur Begutachtung vorgelegt.
Goldhändler Pearson bringt so etwas nicht aus der Fassung. Ihm ist alles Gold: Es wird gereinigt, eingeschmolzen und weiterverkauft. Ein gutes Geschäft eben. (Berner Zeitung)
Erstellt: 27.10.2009, 07:46 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.






