Nur zwei von hundert Rauchern können ohne Hilfe aufhören

Von Liliane Minor. Aktualisiert am 08.04.2010 32 Kommentare

In vier Wochen tritt in den Zürcher Beizen das Rauchverbot inkraft. Eine neue Therapie der Psychiatrischen Uni-Klinik hilft sogar starken Rauchern, von ihrer Sucht loszukommen.

Jochen Mutschler hat sein Entwöhnprogramm in Deutschland schon erfolgreich durchgeführt.

Jochen Mutschler hat sein Entwöhnprogramm in Deutschland schon erfolgreich durchgeführt.
Bild: Reto Oeschger

Der 1. Mai ist für viele Raucher der Tag, um mit ihrem Laster aufzuhören: Ab dann werden Restaurants, öffentlich zugängliche Gebäude und viele Arbeitsplätze in der ganzen Schweiz rauchfrei. Nur ist der gute Vorsatz nicht ganz so einfach umzusetzen.

Zwar gibt es eine ganze Reihe von Hilfsangeboten, aber nur wenige wirken wirklich. Der Psychiater Jochen Mutschler jedenfalls kann nur den Kopf schütteln, wenn er von Entwöhnungstherapien hört, die mit 80 Prozent Erfolgsquote werben. Wissenschaftlich erwiesen sind ganz andere Quoten: Nur zwei von hundert Rauchern können spontan aufhören und bleiben danach mindestens ein Jahr rauchfrei; mithilfe von Akupunktur oder Beratung durch den Hausarzt schaffen es drei bis fünf Prozent.

Wesentlich erfolgreicher ist das Programm «Nichtraucher in sechs Wochen», welches die Psychiatrische Universitätsklinik unter der Leitung von Mutschler ab Frühsommer anbietet: 20 bis 50 Prozent der Teilnehmer hören dauerhaft auf. «Das ist erwiesen und die bestmögliche Quote», sagt Mutschler. Das Programm besteht aus einer Verhaltenstherapie in einer Gruppe, zusätzlich werden die Teilnehmer mit Medikamenten unterstützt. Dass es funktioniert, weiss Mutschler aus Mannheim, wo er das Programm in den letzten Jahren schon angeboten hat.

«Perfider Mechanismus»

In sechs Sitzungen erklärt der Psychiater den Patienten zuerst den Mechanismus der Tabakabhängigkeit, der laut Mutschler «perfid» ist: «Tabak hat im Gehirn rasch einen belohnenden Effekt: Man fühlt sich ruhiger und konzentrierter. Die negativen Effekte sind hingegen viel weiter weg als etwa beim Alkohol.»

Dann geht es um Alternativen zum Rauchen. «Wer sich bis anhin mit Rauchen belohnt hat, der braucht eine neue Art der Belohnung», so Mutschler. Da ist die Kreativität der Teilnehmer gefragt. Manche sammeln für jede nicht gerauchte Zigarette Geld und leisten sich damit einen Theaterbesuch oder ein feines Essen. Viel Wert legt Mutschler darauf, den Patienten zu helfen, ihr Gewicht zu halten: «Oft steigt das Gewicht, wenn starke Raucher aufhören. Und das tolerieren ganz viele nicht.» Hilfreich sei schliesslich die Gruppendynamik: «Die Leute unterstützen sich gegenseitig, spornen sich an – und jeder weiss, wie schwer es der andere hat.»

Der sechswöchige Kurs richtet sich auch an schwer abhängige Raucher, also solche, die ihren Konsum nicht mehr kontrollieren können. Gerade für sie sei es unabdingbar, die Entzugssymptome zu lindern, sagt Mutschler. Tauscht der Patient damit nicht eine Abhängigkeit gegen eine andere? Der Arzt entwarnt: «Von Nikotinmedikamenten wird kaum jemand abhängig.»

Wie viel der Kurs kostet und ob er von den Krankenkassen bezahlt wird, ist noch unklar. Mutschler rechnet mit Kosten von gut 200 Franken. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.04.2010, 15:58 Uhr

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32 Kommentare

Jens Reimers

07.04.2010, 06:58 Uhr
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Da wird aber ziemlich dick aufgetragen und Werbung für Medi und Kurs und Eigenprofilierung gemacht. Sein Angebot sei also mit Abstand das Beste (20-50%). Ja was nun, 20 oder 50%?? Schaffen es bei ihm also von 10 Teilnehmern gerade mal 2 und 8 nicht? Na ja, so erfolgreich ist das nicht. Total spannend wäre, von andern zu hören, die es geschafft haben. Was war ihr Erfolgsweg? Antworten


Roland Moser

07.04.2010, 07:09 Uhr
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Also: Rauchen macht süchtig und ist trotzdem nicht verboten? Dasselbe gilt für Alkohol. Wieso werden hier Ausnahmen vom Betäubungsmittelgesetzt gemacht und wieso müssen die KK für die Folgen von Alkohol- und Tabakkonsum aufkommen? Antworten



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